Elefantendame auf Abwegen

07. Juni 2010 13:19; Akt: 22.10.2010 10:42 Print

Der Abschuss von «Sabu» stand nie zur Debatte

Knies Elefantendame «Sabu» genoss das Bad im Zürichsee sichtlich, berichtet eine Augenzeugin. Als sie aus dem Wasser kam, rannte sie aber plötzlich los. Das Tier hinterliess keinen Schaden. Tierschützer fordern jetzt aber ein Verbot von Wildtieren für Zirkusse.

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Der Elefant unterwegs in Zürichs Strassen (Bild: Leser-Reporter)

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Die Elefantendame «Sabu» ist seit Sonntagabend in der ganzen Schweiz berühmt. Mit ihrem ungeplanten Ausflug in die Zürcher Innenstadt sorgte sie für helle Aufregung und verwunderte Passanten. Der Ausflug ging glimpflich über die Bühne. Wie es zu dem Ausreisser kommen konnte, ist unklar. «Die Ursache der Odyssee kennt wohl nur Sabu selber», schreibt der Zirkus Knie in einem heute Montag veröffentlichten Communiqué.

Klar ist laut Knie: Sabu haute um ca. 19 Uhr ab, als sie für den Weitertransport nach Wettingen hätte verladen werden sollen. «Das Tier nutzte die Unaufmerksamkeit eines Wärters und verlor dann die Orientierung», heisst es von Seiten des Nationalzirkus. Sabu zog es sofort Richtung Zürichsee, wo sie sich zunächst ein Bad gönnte. Laut Polizeisprecher Michael Wirz wurde dieses Jahr in Absprache mit der Wasserschutzpolizei empfohlen, auf das traditionelle Bad der Knie-Elefanten zu verzichten, weil viele Scherben im See vermutet werden. Sabu liess sich davon offenbar nicht abhalten in den See zu steigen.

Leser-Reporterin Jessica erlebte die Situation hautnah. «Wir spazierten auf der Saffa-Insel mit dem Hund, als wir plötzlich den Elefanten im Wasser sahen», sagt die Augenzeugin zu 20 Minuten Online. «Der Elefant hat es voll genossen. Er ist abgetaucht, hat mit dem Rüssel auf das Wasser geschlagen und ist rund eine Viertelstunde im Wasser geblieben.» Dann hätten ihn die anwesenden Pfleger dazu überredet, aus dem Wasser zu kommen. «Er stand zunächst ruhig da. Doch dann rannte er plötzlich los. Er war brutal schnell unterwegs», so die Leser-Reporterin.

Trabend und marschierend durch Zürich

«Sabu» lief via Mythenquai und Bürkliplatz bis zum Hauptbahnhof. «Das Tempo war unterschiedlich», sagt Polizeisprecher Michael Wirz zu 20 Minuten Online. «Teilweise trabte sie, manchmal marschierte sie gemütlich. Sie machte aber nie einen bedrohlichen Eindruck», so Wirz. Die vier Tonnen schwere Elefantendame wurde während ihres Trips von Polizei und Tierpflegern eskortiert. Auch Spezialisten, die mit dem Tierspital zusammenarbeiten und mit Betäubungsgewehr ausgerüstet waren, liefen mit. Wie der Notfallplan genau ausgesehen hat, darüber will sich die Polizei nicht äussern. «Der Abschuss im Notfall musste aber nie in Erwägung gezogen werden», sagt Wirz.

Tierpfleger konnten «Sabu» zwischenzeitlich etwas beruhigen. So machte sie bei der Gessneralle eine kurze Pause. «Verhaften» liess sich das Tier aber da noch nicht. Erst, als Sabu kurz vor halb neun Uhr an die Talstrasse gelangte, nahm die Odyssee ein Ende. «Knie-Mitarbeiter legten eine Kette auf den Boden, in welche die Elefantendame schliesslich mit einem Fuss hineinstampfte», sagt Wirz. «Sabu» blieb ruhig und liess sich schliesslich zurück zum Zirkus eskortieren. Nach ihrem Ausflug sei sie «flugs in ihren Transporter» eingestiegen, schreibt der Zirkus Knie. Und weiter: «Abschliessend möchten wir noch einmal betonen, dass weder dem Elefanten noch einer Person etwas zugestossen ist. Zu keinem Zeitpunkt hatte Sabu böse Absichten.»

«Unberechenbare Wildtiere»

Kritischer sieht den Ausflug die Tierschutzorganisation «Vier Pfoten». «Der Vorfall zeigt, dass die Haltung von Wildtieren im Zirkus mit unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken verbunden ist, die Tier- und Menschenleben gefährden», schreibt Pressesprecherin Katharina Beriger. Vier Pfoten fordert in diesem Zusammenhang erneut «ein umfassendes Wildtierverbot für Zirkusse». Es grenze an ein Wunder, dass es bei dem Ausbruch keine Verletzten oder Sachbeschädigungen gegeben habe. «Auch Zirkuselefanten bleiben unberechenbare Wildtiere», schreibt Beriger.

Die Elefantendame «Sabu» ist mit ihren «Gspänli» «MaPalaj», «Ceylon» und «Dehli» in Wettingen angekommen. Dort gastiert der Zirkus Knie die nächsten Tage. «Sie sind nun in ihrem Auslauf und geniessen das frisch gelieferte Gras», schreibt der Knie. Die erste Vorstellung in Wettingen ist am Dienstagabend.



(aeg)