Sechseläuten 2016

18. April 2016 15:48; Akt: 19.04.2016 07:37 Print

Der Sommer wird so garstig wie der Montag

Erst verlor der Böögg den Kopf, erst danach ging dieser auch in die Luft: Mit 43 Minuten und 34 Sekunden stellt er einen neuen Negativrekord auf. Der Bööggbauer nimmts mit Humor.

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Mann, hat das lange gedauert! Erst nach über 43 Minuten fiel der Böögg am Sechseläuten 2016 vom Scheiterhaufen herunter. Am Boden liegend explodierte der Kopf nach 43 Minuten und 34 Sekunden endlich. Das ist ein neuer Minusrekord. Bislang lag dieser bei 40 Minuten. Ohne viel Petrol und Brandbeschleuniger wäre der Böögg jetzt noch am brennen. Die Reiter hatten dieses Jahr besonders viel Zeit zum rund um den Böögg zu galoppieren. Nachdem der explodierte Böögg weg war, kam es - ebenfalls schon fast traditionell - zum grossen Volkswurstbräteln. Wegen der garstigen Wetterbedingungen waren allerdings nur die Hartgesottenen ums Feuer versammelt. Stunden zuvor. Immer schön lächeln. Trotz Dauerregen nahmen die Teilnehmer des Zugs der Zünfte das Wetter am Sechseläutenmontag mit Humor. Vielen Dank für die Blumen! Mitglieder der Zunft „Cabaret der Künstler «Zunfthaus Voltaire» positionierten sich beim Rathaus am Rand des Umzugs. Die Polizei hinderte sie daran, sich dem Umzug anzuschliessen. Die im Rahmen der Kunstbiennale Manifesta gegründete Zunft zog dann auf einer eigenen Route durch Zürich. Sie hatten offenbar vorgängig ein Gesuch für den Zug der Zünfte gestellt - es wurde aber abgelehnt. Promis sind immer reichlich als Gäste zugegen: Bundersrat Ueli Maurer. Ex-Eisprinzessin und Journalistin Sarah Meier. Rockmusiker und Buchautor Chris von Rohr. Radio- und Fernsehmoderatorin Mona Vetsch. Altbundesrätin Ruth Metzler. Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam. «Oiiiii zäme!» Christa Rigozzi, ehemalige Miss Schweiz, Moderatorin und Entertainerin. Wer immer am Umzug mitgelaufen ist, war durch Plastik geschützt. Regen? Was solls! Mit diesem Helm konnte ja nix schiefgehen. Am Strassenrand standen deutlich weniger Zuschauer als sonst - die Stimmung war dennoch prächtig. Als Zuschauerin mit dabei ist Mira Sahakian (19), die derzeit in Armenien studiert: «Ich habe als Kind beim Umzug schon mal mitgemacht und bin wegen des Sechseläutens extra einen Tag früher nach Zürich gekommen. Das Wetter ist heute zwar eine Katastrophe, die Marschmusik gefällt mir jedoch.» Die Musik und die Kostüme gefallen auch Dominique Huber (22) und Marco Cadalbert (22): «Als Zürcher muss man doch dabei sein.» Cadalbert wäre am liebsten selbst in einer Zunft. Nachher gehen die beiden noch zum Böögg: «Sonst waren wir jeweils nur beim Bräteln.» Für gute Stimmung sorgt auch die Luzerner Zunft zu Safran - hier in der Gestalt von Bruder Fritschi und der Fritschene. Die beiden dürfen ausnahmsweise auch mal ausserhalb der Luzerner Fasnacht auf die Strasse. Im Luzerner Block läuft gar eine Guuggenmusig mit - was sonst ... Damit hatten Vera Schmid-Gugolz (42) und Vreni Krähenbühl (69) gar keine Mühe: «Das passt schliesslich zu Luzern.» und fügen an: «Wir hatten auch keine Angst vor der Fritschifamilie.» Das Blumendepot vieler Frauen leert sich bei diesen Temperaturen nur langsam. Gut eingepackt ist halb gewonnen. Bereits am Morgen hat der Sechseläuten-Montag mit ersten Festivitäten begonnen. Hier wohnen Zünfter der Einweihung des neuen Brunnens auf dem Münsterhof bei. Aus diesem fliesst auch Wein. Der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) schenkt hier seiner Parteikollegin, Regierungsrätin Carmen Walker Späh, gerade welchen ein. Möglich macht den Ausschank eine spezielle Vorrichtung, die aber nur bei bestimmten Anlässen in Betrieb ist. Rückblick auf den Sechseläuten-Sonntag: Der Kinderumzug war nichts für Regenscheue. Der Stimmung tat das keinerlei Abbruch. Rund um den Bürkliplatz und entlang des Stadthausquais wurde das Gewusel gegen 14 Uhr immer dichter. 2670 Kinder, 821 Musikanten und 156 Umzugsbegleiter fanden sich ein. Kinder der Luzerner Zunft zu Safran auf dem Limmatquai nahe der Münsterbrücke.

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Der Volksmund sagt: Je schneller es geht, bis der Kopf explodiert, desto besser wird der Sommer. In diesem Jahr stand der Scheiterhaufen jedoch den ganzen Tag im Regen. Das Brennholz und der Böögg waren komplett durchnässt.

Ohne reichlich Brandbeschleuniger hätte der Haufen nicht einmal Feuer gefangen. Bis die Kracher in der Figur explodierten, dauerte es bereits über 40 Minuten.

Gestell kippt zu Boden

Der Kopf, der für die Wettervorhersage ausschlaggebend ist, wollte sich aber nicht ans Drehbuch halten und kippte mitsamt dem Gestell vom Scheiterhaufen. Erst auf dem Boden ging er in die Luft. Menschen und Pferde kamen keine zu Schaden.
Für Bööggbauer Lukas Meier, der den Böögg zum ersten Mal alleine gebaut hat, ist der Dauerregen Schuld an der Rekordzeit: «Zum Glück ist der Knaller dann noch gekommen», sagt er zu 20 Minuten.

Ob die Wettervorhersage etwas taugt, wird sich im Sommer zeigen. In den vergangenen Jahren erwies sich der Böögg in seiner Funktion als Wetterfrosch jeweils als nicht sehr verlässlich.

So sagte er etwa im vergangenen Jahr ebenfalls einen miesen Sommer voraus. Der Sommer 2015 ging dann aber als einer der heissesten in die Geschichte ein. Im Jahr zuvor war es genau umgekehrt.

Tropfnasse Zünfter

Das Wetter war das dominierende Thema des diesjährigen Sechseläutens. Regen und Kälte machten aus dem Frühlingsfest einen Härtetest für Regenschirme und Windjacken.

Während sich viele Umzugsgäste und Zuschauer mit Pelerinen und Schirmen vor dem Wetter zu schützen versuchten, kamen solche Hilfsmittel für viele der rund 3500 Zünfter aus Prinzip nicht in Frage. Lieber absolvierten sie den Umzug tropfnass, statt ihr historisches Kostüm mit Plastik zu verdecken.

Wetterbedingt standen in diesem Jahr deutlich weniger Schaulustige am Strassenrand als sonst. Viele hielten aber eisern durch, um einen Blick auf die zahlreichen Prominenten zu erhaschen.

Unter Pelerinen, Schirmen und Hüten gut versteckt zogen zahlreiche Bekannte aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness vorbei, unter anderem Bundesrat Ueli Maurer, Armee-Chef André Blattmann, Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam, Nationalratspräsidentin Christa Markwalder, Rockmusiker Chris von Rohr, Moderatorin Christa Rigozzi und Fussballtrainer Gilbert Gress.

Als externer Gast war die Luzerner Zunft zu Safran dabei, die mit der Fritschifamilie etwas Fasnachts-Stimmung verbreitete.

«Volkswurstbraten» für Wetterfeste

Wetterfeste Zuschauerinnen und Zuschauer versammelten sich nach dem offiziellen Teil um die Überreste des Böögg-Feuers - zum traditionellen «Volkswurstbraten». Die Zünfter begannen mit ihren gegenseitigen, feuchtfröhlichen Besuchen in den Zunftlokalen.

Das Sechseläuten geht zurück auf einen jahrhundertealten Brauch: Wenn im alten Zürich die Abende wieder heller wurden und die Kirchenglocken erstmals wieder um 18 Uhr statt schon um 17 Uhr zum Feierabend läuteten, trafen sich die Jungen auf den Plätzen und zündeten Scheiterhaufen mit Strohmännern an.

(sda/som/rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schwarzmaler am 18.04.2016 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltschutz

    bin ja kein grüner Aktivist, aber darf ich mein nächstes 1 Augustfeuer auch mit Petrol anzünden oder bekomme ich eine Busse???

  • hmmm am 18.04.2016 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Petrol...

    spannend wäre es, wenn jedes Jahr gleich viel Petrol gepumpt würde

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  • antonzum am 18.04.2016 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dauerregen über dem Paradeplatz

    Immer das Gleiche in Zürich; jetzt werden die weissen Linien am Paradeplatz schon wieder nass! Wo ist mein Butler? Ich brauche trockenes Pulver!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Abbas Schumacher am 20.04.2016 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wer wie die Zürcher an solche Märchen

    glauben, ohne Logik, weil verschiedene Verhältnisse herrschen, dem ist nicht zu helfen? Als Nichtzürcher dem Fest zuschauen, den immer gleichen Umzug, am Sonntag die Kinder, am Montag gestandene Männer in fast denselben Kostümen, da muss man Zürcher sein, um solch ein Fest zu lieben! Der Rest der Schweiz darf hoffentlich darüber lächeln?

  • kein Freund am 19.04.2016 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Hab kein Erbarmen...

    Solange man solche "Promis" wie von Rohr dabei hat, selber schuld. Und diesen Typen dann noch als Buchautor bezeichnen, dank vielmal. Sein Grinsen und sein "Vordrängeln" sobald eine Kamera in der Nähe ist um dann bei jedem zweiten Bild seine Zunge rauszustrecken, zeugt meines Erachtens vom Niveau dieses Herrn. Die "armen Leser" die sich dieses Buch - wie heisst es überhaupt - antun. Auch die sind selber schuld.

    • Abbas Schumacher am 20.04.2016 11:09 Report Diesen Beitrag melden

      Was, wie vom - von Rohr raus kommt...

      Was, wie vom - von Rohr raus kommt... sollte er sich mal selber entsorgen. Schon seine Frisur, also das Tuch mit Haaren, wer jahrelang so rumläuft, ist in der Zeit stehengeblieben, als er dies als Modegag kreierte. Er, sowie seine Frisur ist Out! Er der meinte doch irgend etwas einmal mit Drägg? Na und warum schafft er ihn denn nicht gleich selber "wägg"?

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  • Kleiner Onkel am 19.04.2016 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Noch nie taten mir die Pferde so leid wie gestern. Stundenlang im Regen, dann bei dem Lärm im Kreis galoppieren und am Ende wahrscheinlich noch eine stundenlange Heimfahrt.

  • Kosmopolit am 19.04.2016 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Anfänger Konstruktion

    Als Agglo Zürcher finde ich den technischen Aspekt dieser Böög Konstruktion interessant bzw. ich frage mich, wieso ein Gestell aus Holz gemacht wird? Dazu frage ich mich, wieso man angeblich aus "Tradition" den Scheiterhaufen im Regen stehen lässt (ohne in abzudecken), damit es ca. 300l Brandbeschleuniger braucht um ihn in Brand zu setzen. Das Ganze ist zwar lustig, aber doch eher diletantisch konstruiert.

    • Papierlischweizer am 20.04.2016 07:19 Report Diesen Beitrag melden

      Erklärung an Anfänger

      Als ebenfalls Agglo-Zürcher weis ich, dass der Scheiterhaufen für den Bögg erst am Sechseläutenmontag aufgebaut wird. Wenn es bei Aufschichten bereits aus Kübeln Regnet, dann hat das weniger mit Festhalten an Traditionen sondern vielmehr mit Wetterpech zu tun. Dass man Holz für die Konstruktion des Scheiterhaufens und des Böggs dürfte mit den besseren Brandeigenschaften gegenüber beispielsweise Stahl zusammenhängen.

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  • Florida-Fan am 19.04.2016 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ein ganz normaler Schweizer "Sommer"

    Also wiederum ein ganz normaler Schweizer "Sommer", nass und kalt. Die Ausnahmen wie letztes Jahr gibt es nur ca. alle 10 Jahre! Aber es herrscht ja KlimaERWÄRMUNG; sorry, KlimaWANDEL...

    • Armin o am 19.04.2016 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      Urlaub machen

      Schade... Deswegen gehe ich am Ende Juni nach Palermo

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