Umstrittene Aktion

03. Dezember 2009 13:21; Akt: 03.12.2009 17:26 Print

Der harte Kampf der Stapo Zürich um Respekt

Die Polizei wehrt sich gegen die zunehmenden Attacken gegen ihre Beamten. Seit dem 20. Oktober greift sie im Rahmen der Aktion «Respekt» rigoros durch. Wie das aussieht, weiss man spätestens seit der gestrigen «10vor10»-Sendung. Obs klappt mit dem Respekt, ist allerdings offen.

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Ein Velofahrer fährt verbotenerweise auf der Busspur. Alltag auf der Zürcher Langstrasse. Doch dann kommt ihm ein Polizeiwagen der Stadtpolizei Zürich entgegen. Was dann genau passiert, ist unklar. Er habe das Auto touchiert, sagt der Velofahrer. Er habe dem Auto einen Tritt versetzt, sagen die Beamten. Es steht Aussage gegen Aussage. Doch was dann passiert, hat gestern zahlreiche Zuschauer von «10vor10» überrascht und schockiert. Ein Beamter steigt aus dem Wagen, packt den Velofahrer und sein Fahrrad, klatscht den Radler förmlich an die nächste Wand, wirft das Fahrrad auf den Boden. Herbeigeilte Passanten sind über die Härte des Vorgehens entsetzt und nehmen Partei für den Verhafteten. Immer mehr Polizisten treffen ein. Um die Situation in den Griff zu kriegen, wird der Tatort schliesslich von Stadtpolizisten mit Gummischrotgewehren gesichert. Respekt und Deeskalation sieht irgendwie anders aus. Der Mann wird verhaftet, er muss die Nacht in Polizeigewahrsam verbringen.

«Sofort mit Konsequenzen rechnen»

Die Reportage des Schweizer Fernsehens zeigt, wie die Stadtpolizei Zürich ihre am 20. Oktober bekannt gegebene Aktion «Respekt» umsetzt: mit voller Härte. «Wer Polizisten angreift, muss sofort mit Konsequenzen rechnen», teilte die Stapo damals mit. In der Realität genügt bereits eine weggeworfenen Zigarette. So wird ein FCZ-Fan verhaftet, der seine Zigarette hinter eine Polizeibeamtin geworfen hatte. Er wird gepackt, verhaftet, für ein paar Stunden weggesperrt. Er sei «vorbeigelaufen, musste sich natürlich mitteilen, hat dann irgendetwas geblabbert, ist dann weitergelaufen, hat noch einmal etwas gesagt, wurde nicht verstanden», erklärt eine Polizistin im Beitrag. Er sei dann einfach weitergelaufen und habe dann die Zigarette geworfen, die genau hinter der Polizeibeamtin landete. Dafür wird er in Polizeigewahrsam genommen.

«Ohne Härte geht es nicht»

Polizeisprecher Marco Cortesi rechtfertigt die beiden Einsätze gegenüber 20 Minuten Online. Der Velofahrer habe ganz klar ans Polizeiauto getreten. «Es gab sogar noch Zeugen.» Hätte er dies nicht gemacht, hätten ihn die Beamten «nicht einmal beachtet», so Cortesi und weiter: «Es mag vielleicht kleinlich sein, aber ein solches Vorgehen tolerieren wir einfach nicht mehr.» Auch den Einsatz gegen den FCZ-Fan verteidigt Cortesi: «Er hat die Zigarette ganz klar gegen die Beamtin geworfen. Er hat sie einfach verfehlt.» Man lasse sich einfach nicht mehr mit Gegenständen bewerfen oder anspucken, wie dies in der Vergangenheit vorgekommen sei. Allerdings muss Cortesi gestehen, dass man das Velo hätte sanfter anpacken können. «Das hätte man anders auf die Seite stellen können», gibt er zu. Ansonsten sei an diesem Abend alles nach Plan abgelaufen: «Die Einsätze waren vielleicht an der härteren Grenze, aber nicht unverhältnismässig.»

Eine Frage des Augenmasses

Fragt sich, wo die Grenze ist und wann die Aktion in Polizeiwillkür übergeht. Cortesi sagt, dass es keinen Katalog gebe. «Es ist eine Frage von Augenmass.» Die Einsätze würden jeweils auch diskutiert. «Und der Kommandant reagiert konsequent gegenüber Beamten, die die Spielregeln verletzen.»

Laut Polizeiangaben reagieren die Quartierbewohner und Beamten positiv auf die Nulltoleranz-Politik. Andere sehen das anders. In einem Forum steht: «Als ich das gesehen habe, war ich entsetzt, vor allem die Szene, als der Velofahrer wegen eines Verkehrsdeliktes brutal verhaftet wurde.»

Finden Sie das Vorgehen richtig oder falsch? Was sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie uns an:
feedback@20minuten.ch.

(meg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Muster am 03.12.2009 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    So auch nicht

    Bin auch der Meinung das die Polizei härter durchgreifen muss....., aber gestern wurden doch Rambos gezeigt die auf wehrlose, unbewaffnete Passanten losgingen. So dann aber auch nicht. von einem extrem ins andere: Die spinnen dich die Römer, lach

  • Stefan Batliner am 03.12.2009 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Polizei-Einsätze

    Es ist eine unglaubliche Frechheit, dass für solche Aktionen Steuergelder verschwendet werden. Die einzige potentielle Bedrohung in Schweizer Städten ist die Polizei selbst. Aussagen von unschuldigen Passanten wird ja sowieso keine Beachtung geschenkt, die Polizei muss ja schliesslich Ihre Arbeit rechtfertigen.

  • Hans Ulrich am 03.12.2009 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    wer kontrolliert die Wächter

    Mag sein, dass dieses Verhalten teilweise nötig sein kann. Tatsache ist das wir in der Schweiz kein System heben das die Ploizei kontrolliert. Die Uno hat diesen Umstand bereits im Jahresbericht 2008 welcher über die Schweiz verfasst wurde, festgehalten und kritisiert. Solche Aufnahmen bestätigen diesen Vorwurf.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Das kann nicht sein am 01.03.2010 03:27 Report Diesen Beitrag melden

    übertrieben

    Das vorgehen der Polizei schaft kein Respekt sondern Angst. Sachen vor denen man Angst hat läuft man entweder weg oder man bekämpft sie.

  • Volles Verständnus am 22.02.2010 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Samthandschuhe?

    Leute, geht mal in die USA und werft da einem Polizisten eine Zigarette nach oder tretet als Velofahrer auf ein Polizeiauto. Ich sag nur "viel Vergnügen". Und bei dem Gesindel aus der Langstrasse muss man sich nicht wundern. Die Polizei muss sich schon durchsetzen können. Zur Info: Ich selbst bin kein Polizist, hab aber vollstest Verständnis und stehe voll und ganz hinter unseren Beamten, deren tägliches Los wahrlich kein Zuckerschlecken ist!

  • T.G. am 17.02.2010 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Auch in Bern erwünscht. Oder sind Bürgerwehren mehr erwünscht als eine Knallharte Polizei?

  • haha am 16.02.2010 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    so müsste man auch gegen linke Randalierer vorgehen. Darf man aber nicht. Ist politisch nicht gewollt...

  • Das Recht am 15.12.2009 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenwürde

    Nun, ich verstehe die Sympathien der Gruppe "Respekt" gegenüber schon. Aus niederen Beweggründen kann man so was unterstützen (Angst, Rache, Fremdenhass). Bundesverfassung Art.7: "Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen." Art.10. Abs2: "Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit." Ich bin mir sicher, dass eine Klage, beisp.w. des Velofahrers durchaus gute Chancen hat. Ich nehme an, dass hierbei auch noch Sachbeschädigun vorliegt. Vollkommen übertrieben und kontraproduktiv.