Flughafen Zürich

22. Februar 2016 20:38; Akt: 23.02.2016 16:16 Print

Deutsche laufen Sturm gegen Ostanflüge

von Pia Wertheimer - Die drei süddeutschen Landkreise wehren sich mit einem Gutachten gegen das neue Betriebsreglement des Zürcher Flughafens. Dieser findet die Expertise inakzeptabel.

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Unzufriedenheit: Für die Bewohner Süddeutschlands ist das neue Betriebskonzept des Flughafens in Kloten nicht akzeptabel. (Archiv) (Bild: Keystone)

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Lange spannten die süddeutschen Landkreise Konstanz, Waldshut und Schwarzwald-Baar die Schweiz bezüglich des neuen Betriebsreglements 2014 des Zürcher Flughafens auf die Folter. Seit gestern weiss man auch weshalb: Die Regierungen haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, womit sie sich gegen das Betriebsreglement wehren. Das wird ungemütlich für den Flughafen. Das Reglement setzt verbindlich fest, wie die Flieger starten und landen dürfen. Es muss auch von Deutschland abgesegnet werden.

Kern der Änderungen des neuen Betriebsreglements 2014 ist das überarbeitete Ostkonzept. Es wird heute hauptsächlich während der deutschen Sperrzeiten ab 21 Uhr sowie bei Westwind angewendet - und hat eine Schwäche. Das hat eine Sicherheitsprüfung des Flughafens 2012 ergeben. Die Flugrouten der Maschinen, die von Osten her auf Piste 28 landen, kreuzen sich südlich des Flughafens mit den Abflugrouten der Maschinen, die auf den Pisten 32 oder 34 nach Norden starten.

Mehr Lärm in Süddeutschland

Jeder dieser Kreuzpunkte birgt ein Risiko. In das Betriebsreglement 2014 ist diese Sicherheitsexpertise eingeflossen. Es sieht ein sogenanntes entflochtenes Ostkonzept vor. Es trennt die Flugrouten der an- und abfliegenden Maschinen stärker als bisher. Die Flieger, die aus dem Warteraum über dem Aargau kommen, sollen sich statt südlich neu nördlich am Flughafen vorbei in den Endanflug im Osten einreihen. Also über Süddeutschland, wo der Widerstand bereits angekündigt worden war.

«Das Gutachten untermauert fachlich unsere Befürchtung, dass Südbaden durch das neue Betriebsreglement mehr Lärmbelastung tragen müsste», sagte der Waldshuter Landrat Martin Kistler gestern Nachmittag vor den Medien. Die Gutachter kommen zum Schluss, dass künftig über den drei Landkreisen zusätzliche 2000 bis 10 000 Flugbewegungen stattfänden. «Diese Mehrbelastung nehmen wir nicht hin», kündigt Kistler an. Zumal es eine Alternative gäbe, entwickelt von den Gutachtern. «Diese könnte die süddeutsche Bevölkerung deutlich entlasten und ist sicherheitstechnisch mit dem beantragten Betriebsreglement vergleichbar.»

Zu eng geführte Flugrouten

Während von Schweizer Seite nicht bestritten wird, dass mehr Maschinen Süddeutschland überfliegen werden, gehen die Ansichten punkto Sicherheit diametral auseinander. Stefan Conrad, Operationschef des Flughafens Zürich, sagt: «Das Gutachten ist inakzeptabel. Die vorgeschlagene Alternative verhindert, dass wir wesentliche Sicherheitsverbesserungen vornehmen können, die uns das Bundesamt für Zivilluftfahrt auferlegt hat.» Konkret führe der Vorschlag aus Deutschland die Flieger aus dem Warteraum über dem Aargau weiterhin südlich des Flughafens in den Endanflug. «Die Kreuzungspunkte werden so nicht eliminiert.»

Zudem seien die vorgeschlagenen Flugrouten im Norden, um Süddeutschland zu umfliegen, viel zu eng geführt. «Damit würde die Sicherheit eher abnehmen.» Der Flughafen erhält von der Flugsicherung Skyguide Schützenhilfe. «Das Gutachten konzentriert sich lediglich auf den Faktor Lärm und klammert wichtige Sicherheitsaspekte völlig aus», sagt Sprecher Vladi Barrosa. Das Schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) kann das neue Betriebsreglement nur in Kraft setzen, wenn Deutschland die einseitige Durchführungsverordnung (DVO) anpasst. Deshalb hat das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) das letzte deutsche Wort. Die Vertreter der süddeutschen Landkreise fordern von ihm eine Absage an das Betriebsreglement 2014. Sie kündigen an, andernfalls juristische Schritte zu prüfen.

Laut Operationschef Conrad hat der Zürcher Flughafen im Fall einer Absage keinen Plan B zum Betriebsreglement 2014. Was heisst: Der Flugbetrieb würde weiterlaufen wie bisher. «Wir wären jahrelang mit einem nicht entflochtenen Ostkonzept unterwegs - und müssten die Kreuzungspunkte akzeptieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani Schmid am 22.02.2016 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andersrum ?

    Und ich kann nicht mehr akzeptieren das Deutsche am Flughafen Zürich arbeiten oder in die Ferien fliegen. Aber wetten unsere Politik knickt wieder einmal mehr, ein!

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  • Heinz am 22.02.2016 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur profitieren

    Für die eigene Ferienplanung ist dieser Flughafen dann wieder gut genug..

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  • Traveler am 22.02.2016 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wohl nichts sagend

    Mich würde es Wunder nehmen, wie hoch die Flieger im besagten Gebiet sind. Wahrscheinlich hoch genug und nichts viel sagend. Die Deutschen fliegen auch über ZRH und dann denken diese auch nicht daran, wenn sie über ihr Land fliegen, dass Leute gestört werden könnten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Resi Mettler am 25.02.2016 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann o Mann

    Wir sind beide auf den Flughafen angewiesen. Gäbe es ihn nicht, hätten beide ein Problem. Darum, an den runden Tisch und Go. Währe er auf DE Boden, dürften die Deutschen sich eh nicht äussern! Darum Gemeinsamen geht besser, am Flughafen arbeiten wir ja auch gemeinsam, das geht ja auch.

  • Fred Gerald am 25.02.2016 03:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    Jetzt passierts: die Deutschen bauen den Flughafen Donaueschingen aus und brauchen zukünftig Kloten nicht mehr.

  • Roi am 24.02.2016 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat, wehr dich!

    Täglich landen und Starten auf dem Flughafen Friedrichshafen Charter- und Inlandflüge mit drittklassigen Airlines. Dieses An-Abflugsregime führt primär immer über das größte Trinkwasserreservoir Mitteleuropas, den Bodensee und die Schweiz. Wann werden vom Bundesrat endlich solche höchst gefährlichen Tatsachen in die Verhandlungen einbezogen? Doris Leuthard sollte endlich ihre Geographiekenntnisse überprüfen!

  • Peter am 24.02.2016 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück haben wir Deutschland!

    Interessante Argumente. Die Regierung in Süddeutschland unterstützt wenigstens ihre Bürger. Unsere Schweizer Regierung unterstützt nur den Süden. Der gesamte Anflug soll ausschliesslich über Schaffhausen und den Thurgau umgeleitet werden um den Süden vor Anflügen zu schützen. Seine wir als Thurgauer und Schaffhauser froh, das uns wenigstens die Deutschen unterstützen.....

    • Stefan am 24.02.2016 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Genau so ist es!

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  • Maggie am 24.02.2016 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Test ging in die Hose

    Vor einiger Zeit wollten man am deutschen TV ( sorry , weiss nicht mehr welcher Sender ) vorführen wie schlimm der Fluglärm sei. Die Reporterin und eine Anwohnerin standen vor einem halbfertigen Haus in der Schneise, und warteten auf einen Flieger Richtung ZRH. Der Flieger kam, leider fuhr zur selben Zeit ein Auto vorbei, und man hörte nur das, nichts vom Flieger. Das Auto war lautet