Sammelaktion

15. April 2011 16:09; Akt: 15.04.2011 16:29 Print

Deutsche wollen Züritüütsch verbieten

von Antonio Fumagalli - Deutsche sammeln derzeit Unterschriften für eine Initiative, die Hochdeutsch als Umgangssprache durchsetzen will. Unverschämt – wenn nicht Satire dahinter stecken würde.

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Sammelstand der «Initianten» am Stauffacher in Zürich

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Donnerstagabend, 18 Uhr, am Stauffacher in Zürich. An bester Lage stehen drei adrett gekleidete Herren, mit Unterschriftenbögen in der Hand und wachem Blick für die vorbeigehenden Passanten. Hätten sie sich aufgrund ihres unzweifelhaften Sprachgebrauchs nicht gleich selbst als Deutsche zu erkennen gegeben, man hätte ihre Herkunft – das Klischee des grossen, blauäugigen Blondschopfs muss hier bemüht werden – aufgrund optischer Merkmale zumindest erahnt.

«Wir fordern, dass in Zürich künftig überall strikt hochdeutsch gesprochen wird, also auch im Restaurant, an der Migros-Kasse und im Strandbad», sagt der grosse Blonde und fordert mich zum Unterschreiben der Initiative «Stop Züritüütsch» auf.

Ein Anfangsverdacht erhärtet sich

Ich muss schmunzeln, lehne aber dankend ab. Die ganze Aufmachung der Aktion macht eigentlich einen seriösen Eindruck und auch der Wortführer bleibt bei der Begründung der Initiative, so absurd sie auch klingen mag, bierernst. Er sagt, es gelte ordentliches Hochdeutsch durchzusetzen, um des Schweizers Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. So seien wir bei der anstehenden Machtübernahme der Deutschen nicht unvorbereitet. Kurz: Wir sollen unseren Dialekt doch gefälligst nur noch zuhause praktizieren.

Er drückt mir einen Flyer in die Hand und wünscht einen geruhsamen Feierabend. Dass auf dem Flugblatt keine Kontaktmöglichkeit zu den Initianten angegeben ist, bekräftigt den Anfangsverdacht: Dem «Komitee für einen Deutschen Sprachraum» geht es nicht um die Sache, es will schlicht provozieren.

«Einige Tausend» Unterschriften sind gesammelt

Ein Blick ins Netz beseitigt dann die letzten Zweifel: Die Aktion findet auf der Homepage der deutschen Witz-Partei «Die Partei» einen prominenten Eintrag. Klickt man auf die Namensliste, findet sich dort die halbe Redaktion des deutschen Satire-Magazins «Titanic» wieder.

Laut Angaben des grossen Blonden hat das Komitee bei nunmehr drei Sammelaktionen schon «einige Tausend» Unterschriften gesammelt. Die Zahl darf stark angezweifelt werden – notabene, da nur in Zürich wohnhafte Schweizer unterschreiben können.

Bleibt die Frage, was die Initianten der Satire-Aktion bezwecken wollen. Aufgrund der Reaktion der zahlreichen Passanten, die den humoristischen Aspekt nicht verstanden haben, darf bezweifelt werden, ob sie beiträgt, die Kontroverse zwischen Zürchern und Deutschen zu entschärfen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredl Fesl am 23.04.2011 04:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schlagmichtot hahaha

    Deutschschweizer und Deutsche haben im Mittel etwa gleich wenig (oder viel) Humor. Schlecht kommt natürlich in jedem Fall an, einen Scherz, der nicht landet, im Nachhinein in ellenlanger Bloggerarbeit als gefälligst witzig und auch noch politisch wertvoll hochzubürsten.

  • Phil am 16.04.2011 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Satire

    Ihr checkt schon das das ganze Satire ist ;P

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  • Hans Müller am 18.04.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Hochdeutsch gegen Hochdeutsch...

    Lustig sind vorallem die Kommentare... :-) Warum schreiben eigentlich die Hochdeutsch-Gegner alle Hochdeutsch und nid Schwizerdütsch?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Deutsche überlegt mal wo ihr seid. am 27.04.2011 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    STOP

    Ich finde das eine andere Aktion besser wäre : Initiative STOP - Deutsche Zuwanderung ! Vielen dank das ihr euch selber unbeliebt macht.

    • Sandra Reich am 27.04.2011 14:37 Report Diesen Beitrag melden

      WEITERGEHEN

      wir machen uns nicht unbeliebt...wir sind es...wie man an Deiner Reaktion nur zu deutlich erkennen kann, leider

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  • G. v. R. am 25.04.2011 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Klasse

    Der Typ bei G/M war toll. Die ganze Aktion erinnerte mich an die SVP-Idee vom letzten Jahr («erleichterte Integration grenznaher Regionen als Schweizer Kantone»). Damals schien es ernst gemeint zu sein. Die Heiterkeit war aber ebenso wie heute.

  • Adrian am 25.04.2011 03:32 Report Diesen Beitrag melden

    Voll erwischt.

    Habe eben die Sendung Giacobbo/Müller gesehen. Es ist schlicht schockierend, wie simpel es sein kann, eine Mehrheit mit logischen und interessanten Argumenten gegen eine Minderheit aufzuhetzen. Man braucht nur die richtigen Redner. Ist ja nicht so, das ich das nicht schon gewusst hätte. Das man jedoch mit dem Kantönligeist-Mythos auf eine Argumentationskette aufbauen kann, die zur Germanisierung führen könnte, packt alle Schweizer beim Nationalstoltz.

  • k.b. am 24.04.2011 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Zugetraut

    Eigentlich tragisch das ich, als ich vorhin bei Giacobbo/Müller von dieser Aktion zum ersten Mal hörte, tatsächlich eine gute Weile gemeint habe, dass die meinen es ernst. Liebe Deutsche, ich hätte dies euren Landsmännern absolut zugetraut. Denkt an euer Image hier in der Schweiz. Ihr solltet es eher aufpolieren als mit solchem "Seich" von euch reden machen...

  • Fredl Fesl am 23.04.2011 04:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schlagmichtot hahaha

    Deutschschweizer und Deutsche haben im Mittel etwa gleich wenig (oder viel) Humor. Schlecht kommt natürlich in jedem Fall an, einen Scherz, der nicht landet, im Nachhinein in ellenlanger Bloggerarbeit als gefälligst witzig und auch noch politisch wertvoll hochzubürsten.