Bassersdorf ZH

15. Juni 2011 23:55; Akt: 15.06.2011 20:25 Print

Die Opfer sind schuld

von Attila Szenogrady - Ein Schwindler hat in Zürich und Bassersdorf als Bestellungsbetrüger sein Unwesen getrieben. Vor Gericht verlangte er ausgerechnet wegen der Gutmütigkeit seiner Opfer Teilfreisprüche.

Fehler gesehen?

Grundsätzlich waren die Schwindeleien des heute 43-jährigen IV-Rentners aus Wallisellen vor Gericht nicht mehr bestritten. So hatte er sich in den letzten beiden Jahren wiederholt als Bestellungsbetrüger betätigt. So im Juni 2010 in Bassersdorf, wo er in einem Verkaufsgeschäft an der Bahnhofstrasse zahlreiche Werkzeuge und einen Luftreiniger entgegennahm. Als es um die Bezahlung ging, erklärte der Schweizer, dass er alles auf Rechnung begleichen würde.

Nichts bezahlt

Sicher ist, dass der Täter einen falschen Namen mit einer Adresse in Opfikon angab. Dann machte er sich aus dem Staub und zahlte in der Folge keinen Rappen. Der Deliktsbetrag betrug über 750 Franken. Eine erheblich grössere Beute machte der Gauner in einem Zürcher Elektrogeschäft, wo er für rund 3000 Franken diverse Geräte, wie einen DVD-Recorder, bestellte und ebenfalls nichts bezahlte.

Allerdings hatte die Raffinesse des Zürcher Unterländers auch seine Grenzen. Er flog bald auf und wurde im letzten November von der Staatsanwaltschaft wegen mehrfachen Betrugs unter Anklage gestellt. Hinzu kamen mehrere Verkehrsdelikte. So fuhr er nicht nur trotz einem entzogenen Führerausweises wiederholt mit einem Personenwagen herum, sondern tappte in der Region Kloten mit deutlich erhöhten Geschwindigkeiten in mehrere Radarfallen der Polizei.

Schuld auf Opfer geschoben

Am Mittwoch sass der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Zürich und liess seinen Anwalt bei den Betrugsvorwürfen auf Freisprüche plädieren. Mit einer recht kecken Begründung. So seien die geprellten Geschädigten infolge einer Opfermitverantwortung selber schuld, sagte der Verteidiger. In Bassersdorf habe man von ihm nicht einmal einen Ausweis verlangt, plädierte er. Der Täter habe sich nicht arglistig, sondern plump verhalten, führte der Anwalt aus. Immerhin gestand der Angeklagte die Verkehrsdelikte ein und akzeptierte als Strafe gemeinnützige Arbeit von 60 Stunden.

Noch kein Urteil

Die Staatsanwaltschaft sah es anders und forderte eine erheblich strengere Strafe von 720 Stunden Fronarbeit. Infolge von Vorstrafen ohne Bewährungschance. Das Gericht kam noch zu keinem Urteil. Nicht aus zeitlichen, sondern aus rechtlichen Gründen. So soll sich der Beschuldigte für weitere Delikte auch noch am Bezirksgericht Winterthur verantworten. Nach einem Winterthurer Entscheid wollen die Zürcher Richter allenfalls eine Zusatzstrafe ausfällen.

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