Stadt Zürich

07. März 2019 19:40; Akt: 07.03.2019 19:40 Print

Anbieter sind empört über neue Leihvelo-Gebühren

Die vielen Leih-Angebote von Velos, Trottinetts und Roller wird der Stadt Zürich zu viel. Der Stadtrat führt eine Bewilligungs- und Gebührenpflicht ein.

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Die Angebote von Leihvelos, E-Bikes, E-Trottinetts und Rollern boomt in der Stadt Zürich. Bis jetzt konnten die Anbieter legal die Veloständer und Abstellmöglichkeiten im öffentlichen Raum benutzen, ohne etwas zu zahlen.

Da die Zahl der Anbieter im Markt immer grösser wird und sich auch neue Anbieter von Velorikschas, Cargo-Velos oder motorisierten Rollstühlen in Zürich positionieren wollen, drückt die Stadt Zürich nun auf die Bremse. Der Stadtrat führt ab 1. April 2019 eine Bewilligungs- und Gebührenpflicht für die Anbieter ein.

«Stark makrtverzerrend»

Beim E-Bike-Anbieter Smide wird der Entscheid als unökologisch, undifferenziert und ungerecht bezeichnet. «Wir können nicht nachvollziehen, dass ein Auto in der blauen Zone gratis abgestellt werden darf, aber ein emissionsarmes, platzsparendes und erst noch geteiltes E-Bike dafür bezahlen soll», sagt Mitgründer Raoul Stöckle. Man habe nun zwei Optionen damit umzugehen: «Um wirtschaftlich zu bleiben, müssen wir entweder die Gebühren an die Kunden weitergeben oder interne Anpassungen vornehmen und qualitativ schlechtere Fahrräder anbieten.»

Beides könne aber nicht im Sinne der Stadt sein, so Stöckle: «Steigen die Preise, wechseln die Kunden wieder aufs Auto oder steigen auf den ÖV um.» Auch das Postauto-Tochter Publibke aufgrund der fixen Standorte von den neuen Regeln befreit ist, empfindet Stöckle als «stark makrtverzerrend»: «Die staatliche Konkurrenz hat heute schon im Schnitt mehr Velos ausserhalb ihrer Stationen parkiert, als Smide-Flotte Bikes hat.»

Mobility prüft Preisanpassung

Auch für Mobility ist der Entscheid sehr bedauerlich, wie Sprecher Patrick Eigenmann sagt: «Mobility spart Privatfahrzeuge und den Verkehr ein. Das macht den städtischen Raum lebenswerter.» Also müsste es im Interesse der Behörden sein, Angeboten wie den Mobility-Elektroscootern keine Steine in den Weg zu legen.

Eine Preisanpassung ist laut Eigenmann nicht ausgeschlossen: «Wir haben sehr kompetitive Preise. Kommen nun solche Gebühren hinzu, müssen wir prüfen, ob es eine entsprechende Preisanpassung braucht.»

Weitere Anbieter von Leihvelos und E-Trottinetts wie etwa Lime oder Bird waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

- Anbieter benötigen eine Bewilligung des Sicherheitsdepartements, sobald sie mehr als 30 Fahrzeuge mit 2 Rädern oder mehr als drei Fahrzeuge mit mehr als zwei Rädern anbieten.

- Ab dem 31. Fahrzeug mit zwei Rädern oder ab dem 4. Fahrzeug mit mehr als 2 Rädern wird eine Gebühr erhoben: 10 Franken pro Fahrzeug und Monat.

- Die Fahrzeuge dürfen nicht ausschliesslich zu Werbezwecken gebraucht werden.

- Die Fahrzeuge müssen stets in einem betriebsbereiten, fahrtüchtigen und verkehrssicheren Zustand gehalten werden.

- Die Verleihanbietenden müssen dafür sorgen, dass vorschriftswidrig oder über der bewilligten Anzahl abgestellte Fahrzeuge innert 24 Stunden vom öffentlichen Grund entfernt werden. Nicht betriebsbereite oder verkehrsbehindernd abgestellte Fahrzeuge sind umgehend zu entfernen.

(mon/wed)