Zürcher Erfindungen

02. Oktober 2014 06:06; Akt: 02.10.2014 06:06 Print

Die WC-Ente ist eine Zürcherin

Die WC-Ente, der Stewi und das Birchermüesli wurden alle von Zürchern erfunden. Am Samstag erscheint ein Buch über 60 Pioniere aus dem Kanton Zürich, die die Welt veränderten.

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Weil sie fand, dass herkömmliche Entkalkungsmittel stinken, mischte Maria Düring aus Zürich-Wipkingen in den 1950er-Jahren eine eigene Mixtur zusammen. Ihr Sohn Walter Düring entwarf die Flasche mit dem gebogenen Hals. Obwohl Marketing-Experten ihnen davon abrieten, nannten sie diese WC-Ente. 2008 verkauften sie die Markenrechte an die US-Firma SC Johnson. Nicht wegzudenken aus den Gärten ist auch der Stewi. Dieser Name ist eine Abkürzung des Firmennamens «Steiner Winterthur», die Walter Steiner in den 1940er-Jahren gründete. Er musste allerdings viel Überzeugungsarbeit leisten, bis ihm jemand seine Wäschespinne abkaufte. Einige Jahre später zeigte der Zürcher Michael Näf (rechts) Pioniergeist, der hier mit seinen Geschäftspartner Paul Sevinç, posiert. Den Informatiker nervte es, mit seinen vielbeschäftigten Kollegen einen Termin zu finden. Deshalb entwickelte er den Online-Termin-Planer Doodle, den heute 20 Millionen Menschen nutzen. Millionen haben wohl schon ein Birchermüesli verspeist. Der Arzt und Ernährungsreformer Max Bircher-Benner hatte es um 1900 erstmals den Patienten in seinem Sanatorium am Zürichberg verabreicht. Für das Original-Birchermüesli verwendete er nur frische Äpfel, in Wasser aufgeweichte Haferflocken, Zitronensaft, Kondensmilch und geriebene Nüsse. Auch der Mediziner Andreas Grüntzig half vielen Kranken. Der gebürtige Deutsche weitete in den 1970ern in Zürich als Erster verstopfte Herzkranzgefässe mit einem Ballonkatheter, den er an seinem Küchentisch entwickelt hatte. Seine Methode macht viele riskante Operationen am offenen Herzen überflüssig. Der Retter der Herzen kam 1985 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Der Mann, den er als erster mit seinem Katheter behandelt hat, lebt noch heute. Wegen einer verletzten Rippe kam Werner Kieser auf die Idee, Krafttraining als Therapie zu betreiben. Viele hielten ihn für verrückt. Er liess sich nicht beirren und befolgte auch sonst manchen guten Rat nicht - heute betreibt er die Fitnesskette Kieser Training AG mit Erfolg. Andere Zürcher Sportler zeigten ebenfalls Erfindergeist: Die Eiskunstläuferin Denise Biellmann gewann zahlreiche internationale Titel und stellte Rekorde auf. So beherrschte sie als erste Frau der Welt alle fünf Dreifachsprünge. Eine von ihr entwickelte Pirouette wurde sogar als Biellmann-Pirouette in die offiziellen Reglemente aufgenommen. Hansruedi «HR» Giger brachte die Leute mit seiner Filmfigur Alien zum Gruseln. 1980 bekam er dafür den Oscar für die besten visuellen Effekte verliehen. Er verstarb am 12. Mai 2014 - das Interview für das neue Buch war wohl sein letztes.

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Es war die WC-Ente, welche den Stein des Anstosses gab. «Ich fand vor vier Jahren zufällig heraus, dass diese von Zürchern entwickelt worden war», erinnert sich Fee Anabelle Riebeling, damalige Redaktorin in der Wissenschaftskommunikations-Agentur Scitec-Media: «Zwar geisterte die Idee, ein Buch über Erfindungen aus dem Kanton zu schreiben, bei uns in der Redaktion schon länger herum, doch nach der WC-Ente-Erkenntnis machten wir uns an die Arbeit.»

Sie und ihre Kollegen stiessen schnell auf Dinge, die seit 1900 im Kanton erfunden worden waren. So etwa der Wäscheständer Stewi, das Birchermüesli, die Biellmann-Pirouette, der Ballonkatheter oder die Filmfigur Alien (siehe Bildstrecke). «Ich war überrascht, dass die Auswahl so gross war», so Riebeling, die heute für 20 Minuten arbeitet, «das kommt wohl auch daher, dass hier viele Nationen leben und mehrere Hochschulen ansässig sind.»

Arbeit dauerte drei Jahre

Insgesamt wählten das Scitec-Autorenteam und freie Journalisten rund 60 lokale Pioniere aus, die mit ihren Erfindungen die Welt veränderten. «Wir haben Personen porträtiert, die wir besonders faszinierend fanden – einen Anspruch auf Vollständigkeit hatten wir aber nicht», sagt Riebeling. Wenn möglich, trafen sie diese persönlich, über die bereits Verstorbenen recherchierten sie in Archiven oder befragten deren Angehörige und Bekannte.

Rund vier Jahre habe die Arbeit gedauert, die das Autorenteam nebenberuflich erledigt hat. «Es war teilweise stressig, trotzdem hat sich die Mühe gelohnt», so Riebeling. Die Portraits hat sie gemeinsam mit Beat Glogger im Buch «Zürcher Pioniergeist» vereint, das am Samstag erscheinen wird. Die Vernissage findet am 9. Oktober im Kaufleuten statt.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eine Putzfrau am 02.10.2014 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt Flop

    Ja, leider sind sie nach dem Verkauf nicht mehr so wirkungsvoll, der Kalk bleibt in der WC-Schüssel. Schade, jetzt gibt es keinen Ersatz mehr. Wieso muss immer alles verkauft werden, nachher ist es nie mehr dasselbe1

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  • Guschti am 02.10.2014 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    So einfach ist es nicht!

    «das kommt wohl auch daher, dass hier viele Nationen leben und mehrere Hochschulen ansässig sind?» Weder, noch!

  • Beo Bachter am 02.10.2014 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    En Guete!

    Ich will ja unseren Freunden in Zürich nicht die Illusion nehmen, dass viele tolle Errungenschaften aus der heimlichen Hauptstadt kommen aber: geht nicht der Heimatort vor? Dann wäre nämlich das Birchermüesli eine Aargauer Erfindung, was besonders der gemeine Stadtzürcher nicht gerne lesen wird. Dr. Bircher stammte aus Küttigen bei Aarau.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • eine Putzfrau am 02.10.2014 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt Flop

    Ja, leider sind sie nach dem Verkauf nicht mehr so wirkungsvoll, der Kalk bleibt in der WC-Schüssel. Schade, jetzt gibt es keinen Ersatz mehr. Wieso muss immer alles verkauft werden, nachher ist es nie mehr dasselbe1

    • Marcello am 03.10.2014 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Johnson

      Genau das habe ich auch schon bemerkt. Die Düring-Mixtur war um Welten besser.

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  • Chris am 02.10.2014 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu glauben!

    Überall Kriege,Massaker und Unruhen und wir diskutieren darüber, wer die WC-Ente erfunden hat. Das ist echt zum runterspülen.

    • Peter G. am 02.10.2014 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Derselben Meinung

      Genau derselben Meining bin ich auch. Wir haben doch grössere Probleme als über WC-Reinigungsmittel zu diskutieren.

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  • Guschti am 02.10.2014 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    So einfach ist es nicht!

    «das kommt wohl auch daher, dass hier viele Nationen leben und mehrere Hochschulen ansässig sind?» Weder, noch!

  • Beo Bachter am 02.10.2014 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    En Guete!

    Ich will ja unseren Freunden in Zürich nicht die Illusion nehmen, dass viele tolle Errungenschaften aus der heimlichen Hauptstadt kommen aber: geht nicht der Heimatort vor? Dann wäre nämlich das Birchermüesli eine Aargauer Erfindung, was besonders der gemeine Stadtzürcher nicht gerne lesen wird. Dr. Bircher stammte aus Küttigen bei Aarau.

    • Michael Sarasin am 02.10.2014 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      warum nicht gerne lesen?

      Also ich als Basler komme mit Zürchern sehr gut aus. Warum immer diese Vorurteile?

    • URLAUB am 02.10.2014 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schweizer Erfindungen

      aber stimmt schon, die Definition Zürcher Erfindung ist vollkommen falsch, giger War bsp churer. können wir nicht einfach Schweizer Erfindungen sagen?

    • Beo Bachter am 02.10.2014 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Guter Kompromiss SCHWEIZER ERFINDUNGEN. Damit lässt sich aber nicht polarisieren.

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