Schweizer IS-Netzwerk

21. November 2015 04:12; Akt: 21.11.2015 07:21 Print

Die geheime Whatsapp von Valdet Gashi

Zwischen einem Thaibox-Weltmeister, der in Winterthur trainierte, und dem Hauptverdächtigen der Schweizer IS-Zelle in Schaffhausen gab es eine Verbindung.

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Soll im Heiligen Krieg in Syrien ums Leben gekommen sein: Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi. (Bild: Facebook)

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Am 5. März 2014 kam die explosive Verbindung zwischen Valdet Gashi, Thaibox-Weltmeister aus Süddeutschland, und Osamah M., Hauptverdächtiger der Schweizer IS-Zelle, in Form einer Whatsapp-Botschaft zustande.

Laut Recherchen des «Tages-Anzeigers» schlug der Nachrichtendienst des Bundes neun Tage nach Gashis Kontaktaufnahme mit Osamah M. Alarm: Die USA warnten die Schweiz, dass IS-Terroristen einen Sprengstoffanschlag planten. Der Anführer: Iraker, seit 2011 in der Schweiz, gehbehindert, arbeitslos und Sozialhilfeempfänger namens Osamah M.

Neun weitere Tage später wurden Osamah M. und zwei Landsleute in der Schaffhauser Grenzgemeinde Beringen festgenommen. Bei der Untersuchung seines Handys stiessen die Ermittler auf die brisante Verbindung, die bislang nicht bekannt war. Der Thaibox-Weltmeister schrieb: «Verzeih mir, dass ich mich noch nicht gemeldet habe. Im Moment bin ich noch etwas zu sehr beschäftigt. Aber ich würde gerne bald anfangen, mit dir zu lernen. Inshalla.» Laut «Tages-Anzeiger» schrieb Osamah M. zurück: «Kein Problem. Du kannst mit uns anfangen.»

Berührungspunkte zweier Islamistengruppen

Dieser Kontakt zeigt die Berührungspunkte zwischen zwei radikalen Islamistengruppen aus der Schweiz: Einerseits die jungen IS- und Al-Qaida-Anhänger, Secondos und Konvertiten. Einige von ihnen sollen aus Winterthur in den Jihad gezogen sein. Auf der anderen Seite steht eine Gruppe kriegserfahrener Iraker, welche den umgekehrten Weg gingen: Sie kamen aus dem jihadistischen Kampf in ihrer Heimat als Flüchtlinge in die Schweiz. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» gilt Osamah M. als Kopf der mutmasslichen Schweizer IS-Zelle. Sie soll irgendwo in Europa ein Attentat geplant haben.

Osamah M. bestreitet dies und behauptet, dass sich die Beziehung zu Gashi auf diese eine Whatsapp-Nachricht beschränkt habe. Der Thaibox-Weltmeister blieb auf freiem Fuss, verkehrte in Winterthur mit Islamisten, von denen mehrere in den Jihad zogen. Auch Gashi selbst beteiligte sich Anfang 2014 am von Extremisten sogenannten Heiligen Krieg. Die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens vermeldete daraufhin den Tod Gashis. Bestätigt wurde das allerdings nie.

Gedenkminute in Winterthur

In der An'Nur-Moschee in Winterthur wurde für ihn und andere Jihadisten eine Schweigeminute abgehalten. Laut «Tages-Anzeiger» sollen hier im Hegi-Quartier mehrere Jugendliche radikalisiert worden sein. Nach den Attentaten von Paris wurde eine Ausweispflicht für Besucher der Moschee eingeführt, wie der «Landbote» berichtete. Zudem soll es zu Gesprächen zwischen der Moschee-Leitung und der Zürcher Kantonspolizei gekommen sein.

Gemäss Medienberichten gehört der libysche Imam Abu Mohammed zu den radikalen Predigern der An'Nur-Moschee. Laut der «SonntagsZeitung» stand er bereits vor über zehn Jahren in Kontakt mit einem mutmasslichen Komplizen von Osamah M.

Auf die Frage einer Staatsanwältin, ob es Osamah M. gut finde, dass sich Valdet Gashi dem IS angeschlossen habe, antwortete dieser: «Das ist privat. Ich bin froh, habe ich diese Person nie gesehen. Es hätte sonst geheissen, ich hätte Kontakt zu ihr gehabt.»