Trotz Scheinkäufen

27. Januar 2014 07:40; Akt: 27.01.2014 10:07 Print

Die schwierige Jagd auf die Chügeli-Dealer

Um Kokain-Dealer zu schnappen, darf die Polizei seit einigen Monaten wieder Drogenscheinkäufe tätigen - die Stapo Zürich machte davon bereits 120-mal Gebrauch.

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Im Kampf gegen den Kokainhandel kann die Polizei seit Frühling 2013 wieder Drogenscheinkäufe tätigen. (Bild: Keystone)

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Nach einer Gesetzesrevision können sich Polizisten seit März 2013 wieder als Drogenkonsumenten ausgeben, um Dealer zu entlarven. Die Zürcher Stapo nutzt diese Methode regelmässig, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt. Insgesamt 120 Drogenscheinkäufe haben die Fahnder in den vergangenen zehn Monaten getätigt. Im Visier sind dabei besonders die sogenannten Chügeli-Dealer: Strassenhändler, die im Mund Kleinstmengen Kokain von rund 0,5 Gramm verstecken.

Doch genau diese sind auch trotz der Möglichkeit von Scheinkäufen nur schwer zu überführen. Im Zweifelsfalle schlucken die Dealer die Chügeli einfach hinunter. «Um effektiv und effizient gegen den Strassendrogenhandel vorzugehen, ist meistens ein ganzes Massnahmenbündel notwendig», sagt denn auch Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich. Die Bandbreite reiche von der Personenkontrolle durch uniformierte Polizisten bis zu technischen Überwachungsmassnahmen wie dem Abhören von Telefonen.

Mehrere Dutzend Chügeli-Dealer in der Stadt Zürich

Andere Korps machen von den Scheinkäufen ebenfalls Gebrauch, allerdings weniger oft. «Je nach Lage und Situation greifen wir darauf zurück. Das Schwergewicht der Betäubungsmittelbekämpfung liegt bei uns im Bereich des Grosshandels», so etwa Peter Gill, Kriminalkommissär bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gegenüber der Zeitung. Die Kapo Aargau tätigt kaum Scheinkäufe, die Kapo Solothurn überhaupt keine.

In Zürich sind nach Vermutungen der Polizei mehrere Dutzend Chügeli-Dealer aktiv, die meisten stammen aus Nigeria. Da sie mehrheitlich Asylsuchende sind und - wenn überhaupt - nur mit wenig Kokain erwischt werden, kommen sie in der Regel mit einer bedingten Geldstrafe davon.

(ram)