«Gaht's-no!-Priis»

25. September 2018 05:47; Akt: 25.09.2018 05:47 Print

Das sind die absurdesten Zürcher Bürokratie-Fälle

Angst um Wirtepatent wegen 5 Zentimeter oder Drehpause für Riesenrad – diese und mehr Fälle hat die Zürcher FDP für den «Gaht’s-no!-Priis» nominiert.

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Unnötiger Papierkram, pingelige Beamte und vermeidbarer Stress: Die FDP des Kantons Zürich kämpft seit Jahren gegen schlimme Bürokratie-Erlebnisse. Die Partei zeichnet deshalb auch dieses Jahr den absurdesten Vorfall im Kanton Zürich mit dem «Gaht’s-no!-Priis» aus. Eine Jury der Partei hat dafür aus Geschichten, die von Betroffenen aus der Bevölkerung eingereicht wurden, mehrere ausgewählt. Am Freitag wird dann der Sieger gewählt.

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Bussendrohung für Fensterreparatur nach Einbruch

Der Asphof in Zürich sei ein schützenswerter Bau, befand der Stadtrat 2013. Das änderte viel für die Bewohner. Im Januar 2017 etwa liessen sie ein Fenster ersetzen, das von Einbrechern aufgewuchtet worden war. Sie beauftragten die Firma, die vor Jahrzehnten die Fenster geliefert hatte. Die Denkmalpflege war damit nicht einverstanden und drohte anfänglich mit einer Busse. Das Gebäude wird zudem regelmässig von Experten besichtigt, wie der «Beobachter» berichtet – bisher über zehnmal.

Riesenrad darf sich unter der Woche nicht drehen

Nicht nur Ladengeschäfte haben amtliche Öffnungszeiten, auch der Spass im öffentlichen Raum ist zeitlich reguliert. Das wurde bei den sogenannten Frühlingsspieltagen offensichtlich, die an vier Wochenenden auf dem Zürcher Bürkliplatz stattfinden im Rahmen des Sechseläutens. Dazu gehört auch ein Riesenrad. Touristen und Kinder freuten sich während des schönen Frühlingswetters aber umsonst auf eine Fahrt auf dem Riesenrad unter der Woche. Dieses durfte sich nämlich nur während des Wochenendes drehen. Der Stadtrat halte sich an seinen eigenen Beschluss von 2005, lässt er der «NZZ» ausrichten. Zum Sinn dieser Regulierung erhielt die Zeitung aber keine Antwort.

Hunderte Treppenstufen laufen wegen Lift-Alarmanlage

Getränkehändler Roger Bösch und seine Mitarbeiter dürfen den Lift im Firmengebäude nicht mehr benutzen und müssen stattdessen jeden Tag mehrere Hundert Stufen laufen. Grund: Das zuständige Inspektorat bemängelte bei einer Kontrolle die eingebaute Alarmanlage. Diese sei nicht sicher genug. Man müsse eine zusätzliche Notrufeinrichtung installieren – eine teure Angelegenheit. Bösch versteht das nicht, wie er der «Gewerbezeitung» sagt. Der Lift sei nur während der Geschäftszeiten in Betrieb, und den schrillen Signalton, der jetzt eingebaut ist, höre man weitherum. Der Alarm wäre für das Personal also unüberhörbar.

Wirtepatent wegen fünf Zentimeter in Gefahr

Florian Weber führt mit Geschäftspartner Michel Péclard mehrere Gastrobetriebe in der Stadt Zürich. Anfang Jahr musste Weber aber um sein Wirtepatent zittern. Er erhielt sieben Verzeigungen in sieben Jahren. Die letzte Busse erhielt Weber, weil ein Stuhlbein rund fünf Zentimenter ausserhalb der Boulevardzone stand. Eine weitere erhielt er wegen eines Sonnenschirmes. Der Sockel stand im erlaubten Bereich – die Spitze des Segels war jedoch ausserhalb. Wie Weber dem «Tages-Anzeiger» sagte, empfahl ihm der Polizist, das Patent umzuschreiben, da er es bei einer weiteren Verzeigung verlieren würde. Dies habe er getan – Geschäftsführer ist er geblieben.

Alle nominierten Fälle finden Sie auf buerokratiebbau.ch – der Sieger wird am Freitag, 28. September gekürt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Discus am 25.09.2018 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beamter sein ist nicht schwer...

    Um Beamter zu sein, braucht es Kenntnis von Paragrafen, aber man braucht keinen gesunden Menschenverstand.

  • Patrick Ch. am 25.09.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nur die Spitze des Eisbergs....

    Hier läuft noch viel mehr falsch, das ist nur die Spitze des Eisbergs!!

  • Mike Gerber am 25.09.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Spektakel für jung und alt

    Wie wär's mit öffentlichen Exekutionen für diejenigen, die sich solchen Blödsinn einfallen lassen? Man könnte sogar Eintritt dafür verlangen und damit das Etat aufbessern...

Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 33 am 25.09.2018 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Leider gibt es Gesetze die nicht normal sind

  • Mike Gerber am 25.09.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Spektakel für jung und alt

    Wie wär's mit öffentlichen Exekutionen für diejenigen, die sich solchen Blödsinn einfallen lassen? Man könnte sogar Eintritt dafür verlangen und damit das Etat aufbessern...

  • Martin am 25.09.2018 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Absurde Preisverleihung

    Absurd finde ich, einen Preis zu vergeben für Beamten, die sich ans Gesetz halten! Ohne genauere Details zu kennen (wie im Fall des denkmalgeschützten Gebäudes) sollte man sich keine definitive Meinung bilden.

  • Edmo am 25.09.2018 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Behörden statt Fälle verglichen

    Es ist kaum möglich, sich für einen der Fälle zu entscheiden. Jeder ist völlig absurd. Ich habe mich dann aber für die Denkmalpflege entschieden, weil diese weitgehend unnötige Behörde fast ausschliesslich derartige Fälle produziert.

  • Cavi33 am 25.09.2018 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Preise

    Das ist wahrer Beamtenstaat, wie er leibt und lebt. Alles natürlich mit Steuergeldern. Ist ja klar das die Vorschriften eingehalten werden müssen, viele Wirte versuchen aber auch die Rechtslage bis zum äussersten zu ihren Gunsten zu nutzen.