50 Tote auf Bahamas

12. September 2019 04:50; Akt: 12.09.2019 08:11 Print

Schweizer rettet Hurrikan-Opfern das Leben

von Jennifer Furer - Hurrikan Dorian hat auf den Bahamas Leid und Verwüstung angerichtet. Der Zürcher Cedric Gitschenko hilft jenen Menschen, die durch die Katastrophe alles verloren haben.

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Hurrican Dorian forderte nach offiziellen Angaben 50 Menschenleben. Die Zahl steigt von Tag zu Tag. Noch mehr Menschen verloren ihr Zuhause, stehen vor dem Nichts. Um diesen Menschen Halt und Hoffnung zu geben, braucht es Menschen wie den Zürcher Cedric Gitschenko. Der Berufspilot ist seit dem 1. September, dem Tag, an dem der Sturm über dem Festland wütete, freiwillig im Einsatz, um Menschen zu retten. Fast pausenlos fliegt der ehemalige Rega-Pilot zwischen der Hauptstadt Nassau und den beiden am schwersten betroffenen Inseln im Norden der Bahamas hin und zurück. «Weitere Piloten und ich holen Erkrankte oder Verletzte aus dem Katastrophengebiet raus und bringen sie an Orte, wo sie medizinisch versorgt werden oder in eine provisorische Unterkunft gehen können», sagt Gitschenko. «Seit letztem Donnerstag konnten wir bereits über 100 Menschen helfen.» Die einmotorigen Flugzeuge mit Platz für acht Personen können sowohl auf Wasser als auch auf befestigten Rollbahnen starten und landen. Auf dem Hinweg werden Trinkwasser, Nahrungsmittel und Hygieneartikel für die Bevölkerung mitgenommen. Seit Beginn der Mission konnten im Rahmen der Rettungsflüge auch über 55 Tonnen Trinkwasser, Nahrung und Soforthilfsgüter auf die entlegenen Inseln gebracht werden. «Die Leute haben wirklich zum Teil alles verloren, aber nicht ihr Lächeln und ihre Dankbarkeit.» Die Einsätze seien sehr anspruchsvoll. «Mit unseren Flugzeugen können wir zwar auch auf dem Wasser landen, dort treibt nach dem Sturm aber viel Holz und Unrat, was zur Gefahr werden kann», sagt Gitschenko. Die Maschinen der Typen Quest Aircraft Kodiak 100, «Pilatus Porter» PC-6 und Cessna 206 bieten Platz für bis zu 8 Passagiere oder eine Tonne Fracht.

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Zerstörung, Trauer, Leid: Es sind jene Dinge, die Hurrikan Dorian auf den Bahamas hinterlassen hat. 50 Menschen verloren nach offiziellen Angaben ihr Leben. Die Zahl steigt von Tag zu Tag. Noch mehr Menschen verloren ihr Zuhause, stehen vor dem Nichts.

Um diesen Menschen Halt und Hoffnung zu geben, braucht es Menschen wie den 49-jährigen Zürcher Cedric Gitschenko. Der Berufspilot ist seit dem 1. September, dem Tag, an dem der Sturm über dem Festland wütete, ehrenamtlich im Einsatz, um Menschen zu retten.

Über 100 Menschen geholfen

Fast pausenlos fliegt der ehemalige Rega-Pilot zwischen der Hauptstadt Nassau und den beiden am schwersten betroffenen Inseln im Norden der Bahamas hin und zurück. «Weitere Piloten und ich holen Erkrankte oder Verletzte aus dem Katastrophengebiet raus und bringen sie an Orte, wo sie medizinisch versorgt werden oder in eine provisorische Unterkunft gehen können», sagt Gitschenko. Auf dem Hinweg werden Trinkwasser, Nahrungsmittel und Hygieneartikel für die Bevölkerung mitgenommen.

Gitschenko fliegt eines von drei Flugzeugen der Dieter Morszeck Stiftung, welche die Rettungsflüge organisiert und koordiniert. «Seit letztem Donnerstag konnten wir bereits über 100 Menschen helfen.»

«Mein Herz blutet»

Die einmotorigen Flugzeuge mit Platz für acht Personen können sowohl auf Wasser als auch auf befestigten Rollbahnen starten und landen. «Mit unseren kleinen Flugzeugen erreichen wir auch die äussersten Inseln im Nordosten der Bahamas. Viele Menschen dort haben alles verloren. Ihre Häuser sind zerstört und sie leben zurzeit unter sehr schwierigen hygienischen Bedingungen», sagt der Pilot.


Mindestens 50 Menschen starben auf den Bahamas. (Video:Keystone/SDA)

Die Einsätze seien sehr anspruchsvoll. «Mit unseren Flugzeugen können wir zwar auch auf dem Wasser landen, dort treibt nach dem Sturm aber viel Holz und Unrat, was zur Gefahr werden kann», sagt Gitschenko. Auch menschlich seien die Einsätze schwierig. «Wenn ich sehe, was der Sturm angerichtet hat, blutet mein Herz.»

«Das Lindern von Leid geht»

Ein Ereignis hat den Piloten besonders berührt: «Ich habe eine Besatzung der niederländischen Marine zu einer Insel geflogen, weil diese aus der Luft schauen wollte, wo sie am besten mit ihrem Schiff ankern können.»

Just habe ihn aber eine Meldung erreicht, in der Gitschenko gesagt wurde, dass eine Mutter einen epileptischen Anfall erlitten habe und Hilfe brauche. «Ich bin mit der Marinebesatzung zur Frau geflogen, habe diese in den Flieger getan und bin nach Nassau geflogen.» Die Marine musste zurückbleiben. «Das Lindern von Leid geht vor und nach diesem Grundsatz wird gehandelt.»

Grenzen überwinden

Die Angehörigen der Mutter hätten ihn umarmt und ihm gedankt. «Das beobachte ich hier immer wieder: Die Leute haben wirklich zum Teil alles verloren, aber nicht ihr Lächeln und ihre Dankbarkeit.»

Gitschenko, der seit sieben Jahren jeweils ein halbes Jahr auf den Bahamas lebt und eigentlich Jet-Pilot ist, schätzt den Zusammenhalt zwischen der Bevölkerung, aber auch zwischen den Ländern, die Hilfe leisten, sehr. «Man stellt fest, dass jegliche Grenzen überwunden werden, wenn es um Menschenleben geht.»

Einsatz im Amazonas-Gebiet

Für den Zürcher Piloten wird der Einsatz auf den Bahamas nicht die letzte Rettungsmission sein. Denn die Flugzeuge hat die Dieter Morszeck Stiftung beschafft, um in Brasilien Urwaldbewohner medizinisch zu versorgen. «Wir werden frühestens im November ins Amazonas-Gebiet gehen können.»

Denn bis dahin müsste noch vieles getan werden: Die Flieger müssen ausgerüstet, Piloten rekrutiert und ausgebildet werden. Zudem müssen Hangars für die Flugzeuge in Brasilien gebaut werden.

«Es funktioniert nur, weil viele helfen»

Für seinen Einsatz auf den Bahamas bekommt Gitschenko keinen Lohn. Dafür gibt es an jedem Tag ein Sandwich und Wasser geschenkt – und dankbare Gesten, die Gitschenko jeden Tag daran erinnern, dass es Leute wie ihn braucht.

Auch von der Schweiz aus könne man Hilfe leisten, sagt Gitschenko. Beispielsweise durch die Unterstützung von Rettungsmissionen. Aber noch viel wichtiger sei es, trotzdem auf die Bahamas zu reisen. Denn: Die Bevölkerung sei abhängig vom Tourismus. «Und viele wissen gar nicht, dass von den 700 Inseln nur sehr wenige von der Katastrophe betroffen sind: Grand Bahama und Great Abaco.»

Als Helden sieht sich Gitschenko nicht und er betont immer wieder, dass er nicht allein auf den Bahamas sei und helfe. «Es funktioniert nur, weil viele helfen und die Leute, die hier sind, als Team funktionieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pflegefachfrau am 12.09.2019 05:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DANKE

    ...das sind die wahren Helden! Ich zolle meinen Respekt und wünsche mir, das wir alle uns auf die wirklich wichtigen Werte besinnen. Danke an dieser Stelle allen freiwilligen Helfern - schön, dass es euch gibt.

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  • FOXY LADY am 12.09.2019 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sollte mehr davon geben

    Chapeau vor solchen Menschen!

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  • H. Schmid am 12.09.2019 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pilatus Porter

    Super Sache, und geflogen wird mit Pilatus Porter!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • keine vorläufige Aufnahme in den USA am 12.09.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ich fasse es einfach nicht

    In einem anderen Zeitungsbericht las ich, dass Trump aus den Rettungsaktionen keine Verletzten aufnehmen will welche keine Ausweise oder Visa mehr haben. Die Leute haben buchstäblich alles verloren. Und dieser Amtsinhaber zeigt keine Menschlichkeit, weil er meint wie es heisst: es seien böse Leute darunter. Böse ist er, weil er Hilfe verweigert.

  • Die am 12.09.2019 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nationalität

    Ist die Nationalität nicht einfach unerheblich wenn wir helfen können? Nur gemeinsam sind wir stark unabhängig unserer Herkunft, denn wir sind alle Lebewesen.

  • nabo am 12.09.2019 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heinzelmännchen

    es gibt sie, die stillen Helfer auf dieser Erde. Wenige wissen von Ihnen, aber es gibt sie. Es kann nicht genug von Ihnen geben.

  • Spaniel am 12.09.2019 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Super was da abgeht! Wünsche Euch viel Erfolg und ziehe den Hut vor Eurem Einsatz. Die Menschen dort werden dankbar sein. Alles gute weiterhin.

  • Domenico Ferruggia am 12.09.2019 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Disliker bitte erklären

    Ich staune immer wieder unter den Kommentaren wie ein gewisser Prozentsatz Leute ein Daumen runter machen. Hier gibt es kein Grund für ein dislike ohne gescheiter Kommentar.

    • Pinu'u am 12.09.2019 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Domenico Ferruggia

      Das sind Menschen die nicht Lesen können. Dann wird halt vor lauter Langeweile das Däumchen runtergedrückt. Lassen wir ihnen den Spass, ein bisschen Beschäftigung müssen die ja auch noch haben.

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