Zürich

30. November 2015 19:53; Akt: 30.11.2015 22:24 Print

Dieses Street-Art-Haus sollte eigentlich weg

An der Wehntalerstrasse 312 prangen neuerdings die höchsten Street-Art-Kunstwerke des Landes. Besitzer Fredi Kunz findet es «huere glatt» – sein Haus war dem Abbruch geweiht.

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Ein grauer Klotz, acht Stockwerke hoch, die besten Jahre hinter sich – das Mini-Hochhaus an der Wehntalerstrasse 312 in Zürich-Affoltern ist keine Augenweide. Nun aber sorgen zwei riesige Street-Art-Kunstwerke für einen Farbtupfer.

Möglich machts Hauseigentümer Fredi Kunz. Als er eines Tages bei einer Party eines Mieters auf der Dachterrasse vorbeischaute, war auch das Künstlerkollektiv One Truth zugegen. «Die beiden Brüder schauten die Fassade hinunter und meinten, das wäre ein idealer Ort für Street-Art», sagt Kunz.

Der 79-Jährige erinnerte sich an das bekannte One-Truth-Kunstwerk an einem Gebäude an der Rötelstrasse: «Das hat mir schon immer gut gefallen – also war ich mir sicher, dass die beiden das gut machen werden.» Nach einem Besuch im Studio von One Truth in Altstetten erteilte er ihnen den Auftrag mit dem Freipass: «Macht, was ihr wollt.»

Extra ein Hubgerüst gemietet

Eine Bewilligung der Stadt habe er dafür nicht benötigt, sagt Kunz, da es sich nicht um Werbung handle. Vom 14. bis 21. November malten die Street-Art-Künstler das Kunstwerk auf die Fassade – hierfür mietete der Eigentümer extra ein Hubgerüst. Vom Ergebnis ist er begeistert: «Huere glatt ist es geworden.»

Hinter One Truth stecken die beiden Brüder Pase und Dr. Drax – sie legen Wert darauf, nicht mit dem bürgerlichen Namen in den Medien zu erscheinen. «Es handelt sich um die schweizweit höchsten Street-Art-Fassaden mit 20 Metern Höhe und fünf Metern Breite», sagt Pase.

Der Name des Kunstwerks lautet Create or Destroy – auf Deutsch «Kreiere oder zerstöre.» Pase: «Die Metapher kann man auf den Alltag beziehen – es braucht beide Seiten, um wieder etwas Neues entstehen zu lassen.»

Früher Rotlicht-Wohnungen

Das Mini-Hochhaus hätte eigentlich der geplanten Tramlinie nach Affoltern weichen müssen. Die Stadt wollte hierfür die Baulinien verschieben. Doch Kunz wehrte sich dagegen bis vor Bundesgericht – und erhielt im September 2014 Recht.

Die Lausanner Richter befanden, dass eine zweckmässige Lösung auch ohne einen derart schwerwiegenden Eingriff in das Privateigentum gefunden werden könne. Das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement plant seither eine neue Variante.

In den 14 Zwei-Zimmer-Wohnungen des Gebäudes war lange Zeit vor allem das Rotlicht-Milieu eingemietet. Ingenieur Kunz kaufte es dann aus einer Konkursmasse.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leser am 30.11.2015 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ehre wem Ehre gebührt!

    "Als er eines Tages bei einer Party eines Mieters auf der Dachterrasse vorbeischaute", «Macht, was ihr wollt.». Mit 79 so jung geblieben. Mein voller Respekt. Wahrscheinlich auch ein sehr anständiger Vermieter.

  • lucieceska am 30.11.2015 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super...!!! Mehr solche Eigentümer

    Genialer Eigentümer..!!! Super..! So wird die graue Stadt ein bisschen bunter.. Bin begeistert..

  • MS am 30.11.2015 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial:-)

    Hey Jongs:-)super genial..chöntet eigentlech mis Auto verschönere;-))))

Die neusten Leser-Kommentare

  • chinchin am 01.12.2015 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grossartig

    graffities oder streetart könen, wie bei dieser Fassade wirkliche, grossartige und gratis für alle KUSTWERKE sein. Ich erinnere mich an diejenigen in Zürich, später kamen Ausstellungen einfach eine herrliche Kunsterscheinung von " nobodies"

  • Ilikestreetart am 01.12.2015 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Juhu

    noch 2 weitere Kunstwerke. Mir haben diese an der Rötelstrasse schon gut gefallen und diese beiden passen vom Stil her dazu. Seit ich in Brighton die tollen Street Art Kunstwerke an den Häusern gesehen habe, bin ich richtig begeistert von dieser Kunstart.

  • Bosanac am 01.12.2015 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    (Heimat)Land in Sicht!

    Schön ist meiner Meinung nach insbesondere die Fahne Bosnien's und Herzegowina's in der 2. höchsten Etage :-)

    • Leser am 01.12.2015 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn jemand

      So stolz auf Bosnien ist, wieso ist er dann hier?

    einklappen einklappen
  • Chrigu am 01.12.2015 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bunte Welt & grosses Kompliment!

    Super Sache - habe letztes Wochenende das Kunstwerk an der Rötelstrasse bewundert. Schön dass es auch ältere Leute gibt die sich für so etwas begeistern können! Grosses Kompliment an die beiden Künstler und auch an den Herrn Kunz!

  • Loli am 01.12.2015 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon schade

    Ich war vor 20 Jahren mal Hochbauzeichner und ärgerte mich, dass ich für Dachlukarnen keine Bewilligungen bekam und meine Idee nach pneumatischen Aussenliften für ältere Stadthäuser mit ebenso alten Mietern stehts abgewunken wurde. Aber das Farbenkarusell geht. Find ich zwar toll, jedoch dann überall etwas grosszügiger und "frecher" Spielraum bei Bewilligung des Besitzers. Mach jetzt was anderes und gehe dem Beamtenschimmel so gut es geht aus dem Weg.