18. März 2008 08:02; Akt: 18.03.2008 11:34 Print

Dignitas tötet mit Plastiksack

Die Sterbehilfe-Organisation Dignitas hat eine neue Suizidmethode eingeführt und verwendet dafür das Gas Helium.

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Die Sterbehilfe-Organisation Dignitas führt seit einigen Wochen Sterbebegleitungen mit Helium durch. Zu diesem Zweck stülpen sich Sterbewilligen einen Plastiksack über den Kopf, in den anschliessend das Gas hineingepumpt wird. Dies bestätigt der Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, Andreas Brunner, gegenüber dem «Regionaljournal Zürich-Schaffhausen» von Radio DRS.

Helium ist im Gegensatz zum bisher verwendeten Natrium-Pentobarbital rezeptfrei. Darin liegt für Brunner ein Hauptproblem der neuen Methode, denn mit dem Luftballongas kann Dignitas jegliche ärztliche Kontrolle umgehen. Er drängt auf gesetzliche Regeln. Es sei nötig, dass nun endlich ein griffiges Gesetz erlassen werde, sagte Brunner. Es gehe nicht um ein Verbot des Sterbetourismus, sondern um klare Regeln.

Wie Brunner weiter bestätigt, nimmt Dignitas sämtliche Sterbebegleitungen neu auf Video auf und stellt die Aufnahmen der Staatsanwaltschaft zu. So will Dignitas ihr korrektes Handeln belegen. Für die involvierten Behörden stellen die aufgenommenen Vorgänge dagegen eine grosse Belastung dar. Denn die Sterbewilligen würden sich nach der Zufuhr des Gases oft noch mehrere zehn Minuten zuckend bewegen, wie Brunner sagte. Das bis anhin verwendete Medikament Natriumpentobarbital ist laut Brunner das geeignetere Sterbemittel.

«Fast nicht zumutbar» oder «rasch und schmerzlos»?

Dem widerspricht Rudolf Güntert, Vorstandsmitglied des Vereins Suizidhilfe Zürich: Die Methode sei sehr sicher, wirke rasch und schmerzlos. Das Helium entziehe dem Körper Sauerstoff. Nach etwa einer Minute falle der Patient oder die Patientin in eine Ohnmacht und nach weiteren etwa zwei Minuten erfolge der Herzstillstand.

Dass die ärztliche Kontrolle ausgehebelt werde, erleichtere das Prozedere für die Sterbewilligen und ihre Helfer. Er selbst, räumt Güntert ein, kenne keinen Fall aus eigener Anschauung. Er entnimmt sein Wissen einem Buch von Peter Baumann, Präsident des Vereins Suizidhilfe Zürich.

Der umstrittene Zürcher Sterbehelfer war im vergangenen Sommer vom Basler Strafgericht wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Freiheitsstrafe teilbedingt verurteilt worden.

Staatliche Kontrolle: Ein Politikum

Jürg Vollenweider, stellvertretender Leitender Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Zürich Oberland, gab am Dienstag Auskunft an Stelle des abwesenden Brunner: Zum ersten Mal habe Dignitas am 18. Februar zum neuen Mittel gegriffen. Seither seien seines Wissens vier Fälle vorgekommen.

Gleich wie bei jedem aussergewöhnlichen Todesfall habe die Staatsanwaltschaft zu prüfen, ob die geltenden Grundsätze eingehalten würden: Jeder hat das Recht, Suizid zu begehen, und es ist erlaubt, einem Sterbewilligen beim Freitod zu helfen, wenn dies nicht aus selbstsüchtigen Motiven geschieht.

Ob und welche gesetzliche Regelung der Suizidbeihilfe man wolle, sei eine politische Angelegenheit. In seiner Funktion als Bundesrat habe sich Christoph Blocher «in aller Deutlichkeit» gegen eine staatliche Kontrolle der Sterbehilfe ausgesprochen.


jcg/SDA