Regensdorf ZH

05. Februar 2011 08:00; Akt: 05.02.2011 08:13 Print

Doch noch Alkoholentzug statt Gefängnis

von Attila Szenogrady - Ein Blaufahrer aus Regensdorf hat auf der Autobahn bei Bülach einen Selbstunfall gebaut und sich vom Tatort abgesetzt. Am Freitag traf der Rückfalltäter auf milde gestimmte Oberrichter.

Fehler gesehen?

Der heute 42-jährige Angeklagte aus Regensdorf ist zwar kein Gewohnheitstrinker. Hingegen gelte der Marokkaner als Problemtrinker, wie eine Gutachterin festhielt. Jedes Mal, wenn ihm die Probleme über den Kopf wachsen würden, greife er zur Flasche, sagte dazu sein Verteidiger. Dies war auch in der Nacht auf den 16. Mai 2009 der Fall. Aufgrund von Problemen mit seiner Frau hatte er Whiskey getrunken und fuhr danach mit seinem Fahrzeug der Marke Merdes über die Autobahn von Zürich in Richtung Bülach.

Fahrerflucht nach Selbstunfall

Auf der Höhe von Bülach passierte es: Der erheblich angetrunkene Hilfsarbeiter verlor die Herrschaft über sein Fahrzeug und krachte in eine Mittelleitplanke hinein. Danach riss er eine Kilometer-Tafel mit und richtete damit einen erheblichen Sachschaden an seinem eigenen Wagen an. Trotzdem fuhr er weiter und stellte sein defektes Fahrzeug in der Garage seiner Freundin in Bülach ab. Allerdings vergebens. Aufgrund von verlorenen Autoteilen machten die ausgerückten Polizeibeamten den Fahrerflüchtigen schon bald ausfindig und konnten ihn bereits wenige Stunden später einer Blutprobe unterziehen.

Kein Pardon in Bülach

In einem ersten Prozess in Bülach kannte das Gericht im letzten Juni kein Pardon. Es verurteilte den bereits zweifach einschlägig vorbestraften Blaufahrer wegen versuchter Vereitelung und diversen weiteren Delikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten. Eine von den Parteien verlangte ambulante Therapie lehnte das Gericht ab. Ein gelegentlicher Alkoholrausch und Symptome einer Sucht genügten nicht, um eine Massnahme zu begründen, schrieben die Bülacher Richter.

Doch noch eine Therapie

Die Verteidigung legte Berufung ein und setzte sich am Freitag vor Obergericht erneut für den Aufschub des Strafvollzugs zugunsten einer Entzugstherapie ein. Für den Anwalt war wichtig, dass auch ein Gelegenheitstrinker als Alkoholiker gelten könne. Vor allem wenn er immer wieder deswegen mit dem Gesetz in Konflikt komme.

Diesen Argumenten folgte nun auch das Obergericht. Für den Angeklagten sprach, dass er heute regelmässig einen Therapeuten aufsucht und darum bemüht ist, vom Alkoholkonsum wegzukommen. Für die Oberrichter ist der Mann aber noch nicht über den Berg. Deshalb ordneten sie im Gegensatz zum Bülacher Gericht eine Therapie an. Unter Aufschub des Strafvollzugs. Womit der Hilfsarbeiter eine neue, aber wohl letzte Chance erhielt.