Ehepaar angeklagt

12. März 2019 14:14; Akt: 13.03.2019 10:13 Print

Drogenkartelle und Mafia waschen Geld im Kreis 4

Mit legalen und illegalen Transaktionen konnte sich ein Ehepaar ein Jetset-Leben finanzieren.

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Ein Ehepaar hat in der Nähe des Helvetiaplatzes an einer unscheinbaren Adresse ein Institut für Geldtransfers geführt. Dort verkehrten aber nicht nur brasilianische Bürger, die von der Schweiz aus etwas Geld an ihre Familien in der Heimat überweisen wollten, sondern auch dubiose Kuriere aus Deutschland. Sie kamen mit Rollkoffern und Taschen voller Bargeld, um Geld aus kriminellen Aktivitäten zu waschen.

Auf dem Höhepunkt ihrer Tätigkeit überwies die Firma mit Filialen in Genf, Basel, Lausanne und Zürich jährlich 100 Millionen Franken an Kunden in Südamerika, wie Recherchen der «Neuen Zürcher Zeitung» zeigen. Das Ehepaar kassierte dabei eine Provision zwischen zwei und drei Prozent. Die Mehrheit der Transaktionen war legal und half, die Geldwäsche zu tarnen. Darunter befand sich aber auch Geld aus Drogenverkäufen, das über das Institut nach Südamerika floss. Zu den Kunden zählten unter anderem brasilianische Drogenkartelle und die kalabrische Mafia-Organisation 'Ndrangheta.

1,3 Tonnen Kokain sichergestellt

Das Ehepaar konnte sich so jahrelang ein Jetset-Leben finanzieren. Laut NZZ besitzen sie Villen in den USA, in einem vornehmen Stadtteil von Rio de Janeiro sowie zwei Liegenschaften in der Schweiz.

Auf die Geldwäsche wurden die Ermittler im Rahmen eines gigantischen Drogenschmuggels aufmerksam. Im Hamburger Hafen konnte die Polizei 1,3 Tonnen Kokain sicherstellen. Als die Ermittler sich fragten, wie das Geld aus den Drogenverkäufen zurückfliesst, stellten sie fest, dass Kuriere mit Bargeld verdächtig häufig nach Zürich reisten. Es ging um über 16 Millionen Franken.

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Die Staatsanwaltschaft erhebt in diesen Tagen Anklage gegen das Ehepaar wegen bandenmässiger und gewerbsmässiger Geldwäscherei und mehrfacher Urkundenfälschung. Dem Mann konnte ein Deliktsbetrag von über 20 Millionen Franken nachgewiesen werden, seiner Frau ein Deliktsbetrag von 10 Millionen Franken. Das Ehepaar ist geständig.

Für den Mann verlangt die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 100 Franken, wie Sprecher Erich Wenzinger auf Anfrage bestätigt. Die Frau muss mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren und einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 100 Franken rechnen. Dem Urteilsvorschlag muss ein Gericht noch zustimmen.


Haben Sie beim Ehepaar Geld überwiesen, ohne zu wissen, dass es in kriminelle Aktivitäten verwickelt war? Erzählen Sie uns, welchen Eindruck Sie von diesem Geschäft hatten. Melden Sie sich mit dem Betreff GELDWAESCHE unter feedback@20minuten.ch.

(tam)