DNA-Zwangstest

21. Januar 2018 21:59; Akt: 21.01.2018 21:59 Print

Scheinehemann kämpft um Vaterschaft

Weil er eine Scheinehe führte, musste ein Schweizer zum Vaterschaftstest. Der siebenjährige Sohn müsste die Schweiz verlassen, würde die Vaterschaft aberkannt.

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Wird dem 66-jährigen Winterthurer die Vaterschaft für den siebenjährigen Jungen aberkannt, droht Sohn und Mutter die Ausschaffung. (Bild: Keystone/AP/Frank Augstein)

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Am vergangenen Donnerstag musste ein 66-jähriger Winterthurer beim Institut der Rechtsmedizin der Universität Zürich zum DNA-Vaterschaftstest antraben. Grund für den Zwangstest ist, dass die Stadt Winterthur herausfinden will, ob der Mann der Vater eines Siebenjährigen ist oder nicht. Das berichtet die «Ostschweiz am Sonntag».

Wird dem Winterthurer die Vaterschaft aberkannt, könnte der Junge das Schweizer Bürgerrecht verlieren und gemeinsam mit seiner kosovarischen Mutter aus der Schweiz ausgeschafft werden. Die 37-Jährige führte mit dem 29 Jahre älteren Winterthurer eine Scheinehe, wie das Zürcher Verwaltungsgericht feststellte.

«Jeder Mann kann ein Kind ohne Vater anerkennen»

Als leiblicher Vater des siebenjährigen Sohnes wird ein Kosovare vermutet, der 66-jährige Ex-Scheinehemann erkannte den Buben aber als Sohn an. «Grundsätzlich kann jeder Mann ein Kind, das keinen Vater hat, als das seine anerkennen. Das Gesetz schreibt dafür keinen Beweis wie zum Beispiel einen DNA-Test vor», sagt Caterina Nägeli, die Anwältin des Winterthurers, zur «Ostschweiz am Sonntag».

Das Winterthurer Bezirksgericht wird prüfen, ob Vater und Sohn eine enge Beziehung führen, sodass eine soziale Vaterschaft besteht. In der Vergangenheit wurde dies im vorliegenden Fall von anderen Gerichten widerlegt: Es gebe keine fixen Betreuungszeiten, der Mann kenne Lieblingsessen oder -buch des Jungen nicht und der Bub übernachte nicht bei ihm. Zudem zahle der Winterthurer einen tiefen Unterhaltsbeitrag von 100 Franken pro Monat.

Junge ist sozialisiert und eingeschult

Anwältin Nägeli wehrt sich: Das sei eine negative Darstellung der Sachverhalte. Zudem: «Es widerspricht dem Wohl des Kindes, ihm den Vater wegzunehmen, es auszubürgern und allenfalls zusammen mit der Mutter des Landes zu verweisen.» Der Junge sei in der Schweiz sozialisiert und eingeschult worden.

Noch steht das Resultat des DNA-Tests aus. Für den Winterthurer ist aber bereits klar, dass er weitere Rechtsmittel prüfen werde, falls die Vaterschaft aberkannt wird.

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