Stadt Zürich

03. Dezember 2019 17:06; Akt: 03.12.2019 18:10 Print

Dutzende Bussen für E-Trottinett-Fahrer

Die Stadt Zürich hat ein erstes Fazit zur Handhabung mit Free-Floating-Angeboten gezogen. Bei den E-Trottis gibt es noch viel Luft nach oben.

Wegen gefährlicher Situationen hat die Stadtpolizei Zürich ein Video erstellt. Es zeigt, wie man sich mit E-Trottinetten verhalten soll.
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Die Anzahl herumstehender Leihvelos und E-Trottis brachten den öffentlichen Raum der Stadt Zürich in den Sommermonaten 2017 und 2018 an seine Grenzen. Aus diesem Grund hat die Stadt per 1. April 2019 eine Bewilligungs- und Gebührenpflicht für die Anbieter eingeführt. Am Dienstag wurde ein erstes Fazit zur Wirkung der Massnahmen bekannt gegeben. Derzeit seien 2300 E-Trottinette von vier Anbietern bewilligt sowie 80 E-Bikes der Firma Smide. Die Velos von Publike zählen aufgrund der fixen Stationen nicht zum Free-Floating-Angebot.

«Das Resultat ist durchzogen», sagt Robert Soos vom Stadtzürcher Sicherheitsdepartement. Die Einführung der Anbieter-Pflichten habe dafür gesorgt, dass der öffentliche Raum nicht vollständig zugestellt wird und es zu einer besseren Zusammenarbeit mit den Anbietern gekommen ist. Bei drei Punkten sieht man bei der Stadt aber noch deutliches Verbesserungspotenzial: Trottinette, die ins Wasser geworfen werden, das korrekte Abstellen im öffentlichen Raum und das Einhalten der Verkehrsregeln.

67 Bussen seit August 2019

So kam es im laufenden Jahr zu 30 Verkehrsunfällen mit E-Trottinetten, im vergangenen Jahr waren es noch 6. «Bei 27 dieser 30 Unfälle war mutmasslich die Person auf dem E-Trottinett der Hauptverursacher», so Soos. Bei 22 davon handle es sich um Stürze, und zwei Personen wurden schwer verletzt.

Weiter wird bei der Stadt Zürich festgestellt, dass E-Trottinette teilweise immer noch auf dem Trottoir oder zu zweit gefahren werden. Die Stadtpolizei Zürich hat seit dem 1. August 2019 wegen des Befahrens des Trottoirs bereits 67 Bussen à 40 Franken verhängt. Im Frühjahr 2020 werde man erneut Massnahmen zur Einhaltung der Verkehrsregeln prüfen. «Dann können sicher auch Kontrollen zum Thema werden. Im Winter gehen wir aber davon aus, dass sich die Situation aufgrund des Wetters deutlich beruhigt», sagt Soos.

Wöchentliche Reklamationen von Fussgängern

Die Verleih-Fahrzeuge sind im öffentlichen Raum zudem deutlich wahrnehmbar, so die Meinung der Stadt Zürich. Das sei vielen Fussgängern ein Dorn im Auge. «Die Stadtverwaltung erhält mehrere Reklamationen pro Woche», so Robert Soos. Die Vorgabe sei, dass auch nach Abstellen des Fahrzeugs die Fussgänger immer noch mindestens 1,5 Meter Platz auf dem Trottoir haben.

Ein weiterer E-Trotti-Ärger: Sie werden ins Wasser geworfen. «Insgesamt wurden dieses Jahr schon über 51 Trottinette aus dem Zürichsee, der Limmat oder der Sihl gefischt», sagt Soos. Das sei ein grosses Ärgernis.

Kein Limit vorgesehen

Trotz der drei kritischen Punkte und des durchzogenen Fazits will die Stadt Zürich jedoch am aktuellen System festhalten. «Wir beobachten die Situation jedoch weiterhin aufmerksam.» Ein Verbot sei bisher kein Thema gewesen. «Auch ein Limit an E-Trottinetten ist nicht geplant», sagt Soos. Es sei also auch möglich, dass noch weitere Anbieter in den Zürcher Markt einstiegen oder aktuelle Anbieter das Angebot aus- oder abbauen.

(wed)