Energieeffizienz

06. Mai 2010 12:19; Akt: 06.05.2010 12:28 Print

ETH-Supercomputer setzt neue Massstäbe

An der ETH Zürich ist der erste Supercomputer in Betrieb genommen worden, der mit heissem Wasser statt mit Luft gekühlt wird. Die abgeführte Wärme wird direkt ans Heizsystem der Hochschule weitergegeben.

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Kühlung mit heissem Wasser töne zwar widersprüchlich, meinte ETH- Präsident Ralph Eichler. Dank raffinierter Technik könne aber so die Abwärme optimal weiter genutzt werden. Kaltwasser-Kühlung sei deutlich weniger effizient.

Das neue Kühlsystem sei «ein Meisterstück von Wissenschaft und Ingenieurskunst», das in Zusammenarbeit mit dem IBM-Forschungslabor Zürich entstanden sei. Es setze neue Massstäbe in Energieeffizienz und CO2-Ausstoss.

Chip auf 80 Grad kühlen

Mit 50 bis 60 Grad heissem Wasser werden die Prozessoren des «Aquasar» auf ihre maximal erlaubte Betriebstemperatur von 80 bis 85 Grad gekühlt. Die leistungsfähigen Mikrokanalkühler seien auf der Rückseite der Chips angebracht, erläuterte Bruno Michel vom IBM- Forschungslabor an einer Medienorientierung.

Das Kühlsystem ist ein geschlossener, hermetisch abgedichteter Kreislauf. 30 Liter Wasser werden pro Minute durch den Hochleistungsrechner gepumpt, die Abwärme durch einen Wärmetauscher an einen zweiten Wärmekreislauf weitergegeben.

Bisher viel heisse Luft

Zur Kühlung von Supercomputern wird bisher laut Michel «für teures Geld viel heisse Luft produziert». Der Stromverbrauch von Rechenzentren habe sich in den letzten vier Jahren weltweit verdoppelt, fügte ETH-Präsident Eichler an. Nur die Hälfte des Stroms werde für die Rechenleistung benötigt, die andere Hälfte zur Kühlung.

Allein die von IBM betriebenen Rechenzentren brauchen laut Michel weltweit jährlich Strom für 500 Millionen Franken, 250 Millionen also allein zur Kühlung der Systeme.

40 Prozent weniger Energie

Der «Aquasar» wurde in einem einjährigen Pilotprojekt von IBM für die ETH Zürich gebaut und steht in erster Linie im Dienste der Forschung. Er verbrauche bis zu 40 Prozent weniger Energie als ein vergleichbarer luftgekühlter Rechner.

Auch die CO2-Bilanz des Rechners sei deutlich verbessert worden. Durch die direkte Abwärmenutzung könnten die Emissionen um bis zu 85 Prozent reduziert werden.

Der Energieverbrauch sei ein zentrales Thema in der Computerentwicklung. In Zukunft werde es wichtig sein, wie leistungsfähig ein Rechner pro Watt oder pro Gramm CO2 sei, sagte Projektleiter Dimos Poulikakos von der ETH Zürich.

(sda)