Exzess auf Campus

11. Dezember 2019 21:49; Akt: 11.12.2019 21:49 Print

ETH verbietet Studenten Alkoholkonsum

Nach einem ausgelassenen Fest floss auf dem ETH-Campus am Hönggerberg reichlich Alkohol. Für solche Exzesse hat die Architektur-Departementsleitung kein Verständnis.

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Die ausgelassene Diplomfeier der Architektur-Studenten an der ETH Zürich hat zu radikalen Massnahmen seitens der Departementsleitung geführt. Nach einer durchzechten Nacht vergangene Woche am Hönggerberg lagen am nächsten Morgen leere Flaschen, leere Pizzaschachteln, Zigarettenstummel und einige Glasscherben in einem Raum des Campus herum. Kurz danach kündigte die Departementsleitung ein Alkoholverbot in sämtlichen Räumlichkeiten, Toiletten und auf öffentlichen Plätzen des Architektur-Departements an.

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«Heute Morgen wurden wir konfrontiert mit den Spuren eines Alkoholexzesses, Littering und vielen zerbrochenen Gläsern», schrieb die Departementsleitung in einer Rundmail. Dies sei eine Gefahr, «nicht nur für das Putzpersonal, sondern für uns alle im Gebäude.» Wer die neue Regelung missachte, müssen mit Sanktionen rechnen.

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» zeigten sich ein paar Studierende empört – zumal das Chaos nicht im ganzen ETH-Gebäude, sondern in einem Raum stattgefunden habe. «Ein Verbot ist nicht das Richtige – ein Appell an das Verantwortungsgefühl der Studierenden hätte gereicht», sagt eine Studentin zum Tagi. Ein Kommilitone spricht von einer lächerlichen Überreaktion: «Es fühlt sich an wie eine Kollektivstrafe.»

Die ETH teilt die Botschaft der Departementsleitung

Am Dienstag folgte eine zweite Mail: Darin wurde informiert, dass eine Gruppe in der Nacht auf letzten Freitag studentische Diplomarbeiten zerstört habe. «Einzelne Teile der Ausstellung wurden entfernt und in andere Gebäude gebracht.» Für die Leiter des Architektur-Departements scheint klar: Auch hier dürfte Alkohol im Spiel gewesen sein. Was die Schäden angehe, werden die verantwortlichen Personen gebeten, sich bei der Departementsleitung zu melden. Andernfalls würde sich die ETH rechtliche Schritte vorbehalten und die Polizei informieren.

Eine Anfrage des «Tages-Anzeigers» bei der ETH-Medienstelle zeigt, dass man dort über das strenge Alkoholverbot nicht informiert ist. Dennoch: «Im Kern teilt die ETH die Botschaft der Departementsleitung, dass in Lehrräumen und am Arbeitsplatz nur in Ausnahmefällen Alkohol konsumiert werden darf», sagt Mediensprecherin Vanessa Bleich. Der Departementsleitung und der ETH sei daran gelegen, Exzesse zu vermeiden. Die Studierenden dürften allerdings in den bestehenden Gastrobetrieben auf dem Campus weiterhin Alkohol konsumieren.

Wer Alkohol trinkt, hat einen Vorteil im Studium

Dabei gehört Alkohol zum Studentenleben wie Popcorn zu Kino: Laut einer Studie des Dänischen Instituts für Evaluation (EVA) von 2017 bringen sogar Studierende, die Alkohol trinken, ihr Studium häufiger zu Ende. Der Grund: Der gemeinsame Alkoholkonsum führe zu einer besseren Stimmung zwischen den Studierenden.

Studenten, die nie zu einer Party oder in eine Bar gehen, weil sie keinen Alkohol trinken, verlieren bald den Kontakt zu den Kommilitonen. Sie fühlen sich ausgeschlossen, die Motivation, in die Vorlesung zu gehen, schwindet und sie brechen daher das Studium eher ab.

(kle)