Zu wenig Beweise

09. Juli 2014 23:02; Akt: 10.07.2014 08:47 Print

Ehemann niedergestochen – Freispruch

von Attila Szenogrady - Eine Chinesin hat in Zürich-Höngg ihren Mann von hinten erstochen. Laut Anklage, weil er vorher das von ihr zubereitete Essen demonstrativ auf den Boden geworfen hatte.

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Bezirksgericht Zürich: Die Hausfrau wurde vor Gericht entlastet. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Es war am 14. November 2013, als sich ein in Zürich-Höngg wohnhaftes chinesisches Ehepaar in der Küche gegenseitig in die Haare geriet. Als der wütende Mann das von ihr gekochte Essen demonstrativ auf den Boden warf, rastete laut Anklage auch die zierliche Frau aus.

Unbestritten ist, dass sich der Mann in den Gang begab. Dicht gefolgt von seiner Frau, die ihm von hinten ein Rüstmesser in den Rücken rammte und ihn an der Lunge erheblich verletzte. Mit der alarmierten Sanität traf auch die Polizei ein. Sie nahm die Messerstecherin fest.

Unfall geltend gemacht

Am Mittwoch musste sich die heute 29-jährige Asiatin wegen versuchter schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten. Die zuständige Staatsanwältin verlangte für sie eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. 15 Monate davon unbedingt. Allerdings hatte die Anklägerin von Beginn weg einen schweren Stand.
So verzichtete der geschädigte Ehemann nicht nur auf jegliche Zivilforderung, sondern auch auf eine Bestrafung seiner Gattin. Die Frau selber stellte einen Vorsatz in Abrede und sprach von einem tragischen Unfall. So habe ihr Mann die Schuhe gebunden und sei beim Aufrichten aus Versehen mit dem Rücken in die Klinge geraten. Der Verteidiger forderte deswegen einen vollen Freispruch.

Freispruch, aber keine Genugtuung

Zum Schluss folgte das Gericht dem Rechtsanwalt und sprach die Frau tatsächlich frei. So sei nicht nachgewiesen, dass die Frau bewusst zugestochen habe, erklärte der Vorsitzende. Allerdings lastete ihr das Gericht ein fahrlässiges Verhalten an. Mit der Folge, dass sie die Gerichtskosten von 4500 Franken übernehmen muss und keine Genugtuung für die erlittene Haft erhält. Das Gericht ordnete zum Schluss die sofortige Entlassung der Frau aus dem Gefängnis an.