Mordprozess in Bülach

09. September 2019 04:51; Akt: 09.09.2019 22:50 Print

Killer-Ehepaar hatte Kinder beim Verbrechen dabei

von Jennifer Furer - Ein junges Berner Ehepaar und ihr Komplize steht unter Mordverdacht. Am Prozess in Bülach äusserte sich der Hauptanklage ausführlich zu seinen Taten.

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Thomas K.* soll zwei Männer qualvoll getötet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, beiden Opfern die Atemwege mit Klebeband verschlossen zu haben, so dass die Männer langsam und bei vollem Bewusstsein erstickten. Seine Ehefrau und Komplize Markus N.* hätten sich der Mittäterschaft beim Mord an einem Opfer mitschuldig gemacht.

Der Hauptangeklagte Thomas K. äusserte sich am Montag ausführlich zu seinen Taten. Beim ersten Opfer, das er getötet haben soll, handelt es sich um einen 36-jährigen Lastwagenbesitzer. Von ihm wollte er einen Lastwagen entwenden, um einer angeblichen Serbenmafia seine Schulden zurückzuzahlen.

Kinder im Auto der Mutter

Thomas K. vereinbarte mit dem Opfer einen Termin in Niederhasli ZH zum Probefahren. «Ich wollte den Lastwagen entwenden, ohne dass es zur Tötung kommt», sagt Thomas K. Zum Treffen, bei dem es zur Tötung kam, seien auch Ehefrau Corinne K. und Komplize Markus N. mitgekommen – und auch die beiden Kinder des Ehepaars.

Das Opfer sei gefesselt und in einen Lastwagenanhänger, den die drei Beschuldigten mitgenommen haben, verfrachtet worden. «Ich habe ihm den Mund zugeklebt, damit er nicht um Hilfe schreien konnte», sagt Thomas K. Die Kinder hätten sich im Auto der Mutter aufgehalten. Der Lastwagenanhänger mit dem gefesselten Opfer war am Auto von Thomas K. befestigt.

«Warum haben Sie ihn getötet?»

Laut Anklage soll das Opfer fünf Stunden gefesselt gewesen sein. «Es litt unter grossen Angstzuständen», heisst es in der Anklageschrift. Das zeige sich unter anderem dadurch, dass es in den Anhänger urinieren musste. Das Opfer wurde schliesslich kaltblütig umgebracht. Thomas K. gab vor Gericht zu, den Mann getötet zu haben, indem er ihm die Atemwege mit Klebeband verschloss.

«Warum haben Sie ihn getötet?», fragte der Richter. Thomas K. antwortete: «Es war der Druck von aussen. Ich hätte mich an die Polizei wenden müssen.» Beim Druck von aussen meint Thomas K. eine angebliche Serbenmafia, die gewollt hätte, dass er den Lastwagen entwendet. Der Serbenmafia schuldete er laut eigenen Aussagen mehrere Hunderttausend Franken.

«Ich wollte, dass die Leiche gefunden wird»

Thomas K. habe die Leiche des Lastwagenbesitzers in sein Auto geladen. «Ich habe meiner Frau gesagt, sie soll ins Haus zurück.» Dort befanden sich auch die beiden Kinder des Ehepaars. Thomas K. habe die Leiche des 36-Jährigen bei einem Waldstück bei Boppelsen ZH beseitigt. «Ich wollte, dass die Leiche gefunden wird und habe ihn deshalb nicht vergraben», sagt der Beschuldigte. «Er konnte nichts dafür und auch seine Familie nicht.»

«Wie fühlten Sie sich dabei», fragt der Richter. Thomas K.: «Es ist zerreissend.» Eine Vertreterin einer Privatklägerchaft fragte ergänzend: «Haben Sie sich jemals gefragt, wie sich das Opfer gefühlt hat? » Thomas K. sagt: «Solche Gedanken mache ich mir sehr viel.

«Ich wollte die Tat verschleiern»

Kurz nach Beseitigung der Leiche habe er einer Frau per Nachricht einen schönen Tag gewünscht, so der Richter. Er habe auch dem Opfer nach dessen Tötung Nachrichten geschickt. «Ich wollte die Tat verschleiern», so Thomas K.

Aufgeflogen sind Thomas K., seine Ehefrau Corinne K. und der Komplize Markus N., weil sie den Lastwagen im Internet verkaufen wollten. Ein potenzieller Käufer aus Deutschland wurde stutzig und meldete das Inserat der Polizei. Diese ermittelte bereits wegen des Tötungsdelikts am Lastwagenbesitzers, weil sein Leichnam im Waldstück in Boppelsen ZH gefunden worden war.

Tötung sei nicht geplant gewesen

Die Polizei konnten die mutmasslichen Täter schliesslich verhaften. Bei der Hausdurchsuchung des Grundstücks des Ehepaars im Kanton Bern stiessen sie auf die Leiche des 25-jährigen Serben, den Thomas K. eineinhalb Monate vor dem Lastwagenchauffeur in Utzigen BE im Wohnhaus des Ehepaars getötet hat.

Der Beschuldigte zeigte sich auch diesbezüglich geständig. Es sei um Geld und Drogen der Serbenmafia und des Angeklagten gegangen, das das Opfer unterschlagen hätte. «Wir wollten Informationen, wo das Geld und die Drogen sind. Aber es war nicht geplant, Gewalt anzuwenden oder gar eine Tötung zu begehen», sagt der Beschuldigte.

Opfer vergraben

Laut eigenen Aussagen habe er mit dem Komplizen Markus N. das Opfer mit Kabelbindern gefesselt. Seine Ehefrau sei zwar im Haus, aber nicht an der Befragung beteiligt gewesen. In der Nacht sei K. allein mit dem Opfer im Kinderzimmer gewesen. Der Komplize sei derweil nach Hause gefahren. Er habe in einem SMS an Thomas K. «viel Spass» gewünscht.

Getötet habe er das Opfer nur auf Druck der Serbenmafia. «Sonst hätte ich sterben müssen», sagte Thomas K. Er habe den Mann getötet und anschliessend in einen Fahrzeuganhänger getan und vergraben. «Ich habe die Leiche nicht ins Loch geschmissen. Ich musste sie runter ziehen. » Er habe ihm die Kleider ausziehen müssen, weil an diesen Blut war. Seine Frau sei dabei daneben gestanden und habe zugeschaut.

Falsch angeschuldigt

Zur Serbenmafia-Geschichte sagte Komplize Markus N., der wegen Mittäterschaft angeklagt ist, vor Gericht: «Er ist ein Mensch, der mir im restlichen Leben nicht mehr über den Weg laufen soll. Mich stört, dass die Angehörigen mit der Mafia-Geschichte konfrontiert werden, obwohl diese weltfremd ist.»

Thomas K. muss sich vor Gericht auch wegen falscher Anschuldigungen verantworten. Er soll ein Freund eines seiner getöteten Opfer als Mitglied der Serbenmafia beschuldigt haben. Die Polizei ermittelte folglich gegen den Mann, nahm ihn auch fest. Die Beschuldigungen von Thomas K. konnten zweifelsfrei wiederlegt werden, so die Staatsanwaltschaft.

«Er richtete eine Pistole auf uns»

Komplize Markus N. probierte vor Gericht verständlich zu machen, dass er dem Ehepaar nur geholfen habe, an ihr Geld zu kommen. Einen eigenen Nutzen habe er nicht davongetragen. Thomas K. hätte ihn unter Druck gesetzt, beim Fesseln des 25-jährigen Serbens zu helfen. «Er kam aus dem Dunkeln, richtete eine Pistole auf uns und sagte Hände hoch.» Er sei, nachdem das Opfer gefesselt gewesen sei, nach Hause gegangen.

Als der Serbe als vermisst gemeldet wurde, habe Markus N. nicht daran gedacht, dass er getötet worden sei, behauptete er. «Ich kannte Thomas K. als Familienvater. Ich habe mir nicht vorstellen können, dass er ihn umgebracht hatte.»

Die Familie des Serben hätten geahnt, dass Thomas K. etwas mit dem Verschwinden des 25-Jährigen zu tun hatte. Der Bruder des Opfers habe ihm Nachrichten geschickt, in der gestanden habe, dass er vermutet, Thomas K. hätte seinen Bruder umgebracht. Er sollte Recht behalten.

Der Prozess wird am Dienstag mit der Befragung der Ehefrau und Mitangeklagten Corinne K. weitergeführt.

*Name der Redaktion bekannt.

Der Live-Ticker des ersten Prozesstages: