Höri

08. Juni 2011 08:00; Akt: 07.06.2011 23:06 Print

Eigene Tochter beinahe erhängt

von Attila Szenogrady - Ein kosovarischer Familienvater aus Höri soll seine Ehefrau und fünf Kinder massiv misshandelt haben. Bis hin zu einem Tötungsversuch, bei welchem der Chauffeur seine älteste Tochter beinahe erhängt haben soll. Der Prozessauftakt am Dienstag verlief sehr harzig.

Fehler gesehen?

Die Vorwürfe gegen den heute 45-jährigen Familienvater aus Höri fielen massiv aus. So soll der aus dem Kosovo stammende Chauffeur seine Familie über mehrere Jahre hinweg brutal tyrannisiert, drangsaliert, geschlagen und misshandelt haben. Am schlimmsten erging es dabei den fünf Kindern im heutigen Alter zwischen 16 und 26 Jahren. Der schwerwiegendste Anklagepunkt des zuständigen Staatsanwaltes Pascal Gossner ging auf den Sommer 2005 zurück. Damals liess sich der Vater nach einem Aufenthalt im Kosovo von seiner ältesten Tochter am Flughafen Kloten abholen.

Laut Anklage Tochter beinahe erhängt

Kurz nach seiner Ankunft befahl der Beschuldigte der damals 21-jährigen Geschädigten, ihn zu einer Lagerhalle in Dielsdorf zu fahren. Dort angekommen schlug er zunächst mit seinem Holzstück auf sein Kind ein. Danach legte er ihr ein Seil um ihren Hals und knüpfte sie an einem Querbalken auf. Der Vater zog danach die Schlinge zu, bis seine Tochter nur noch japste und danach das Bewusstsein verlor. Erst jetzt liess er los und wartete bis das Opfer wieder zu sich kam. Die Anklage klagte diese Scheinhinrichtung als versuchte vorsätzliche Tötung ein.

Leben der Kinder gefährdet?

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Beschuldigte das Leben weiterer Kinder massiv gefährdet. In einem Fall, als er während einer Autofahrt bei hoher Geschwindigkeit zwei seiner Töchter verprügelte. Oder als er anfangs 20008 seinen jüngsten, damals 13-jährigen Sohn wegen schlechten Schulleistungen mit beiden Händen am Hals würgte und das Kind ohnmächtig zu Boden fiel.

Erschreckend war dabei, dass der Vater jeweils aus nichtigen Anlässen zuschlug. Im Oktober 2007 traf es eine 20-jährige Tochter, die eine Prüfung als Pflegefach-Assistentin nicht bestanden und die schlechte Nachricht durch ihre Vorgesetzte dem Beschuldigten ausrichten liess. Mit der Folge, dass der Angeklagte seine mit Fäusten schlug, mit Füssen trat und an der Gurgel packte.

Auch Gelder veruntreut?

Laut Anklage respektierte der Familientyrann nicht einmal das Eigentum seiner Kinder. So soll er regelmässig die Lohnkonten von drei Sprösslingen geplündert und die Geldbeträge für seine Schulden und einen Hausbau verwendet haben. In der Anklage ist von Veruntreuungen von insgesamt über 360 000 Franken die Rede.

Fest steht, dass der Angeschuldigte nach einer Anzeige seiner ältesten Tochter am 24. Januar 2009 von der Polizei festgenommen wurde und seither in Haft sitzt. Gemäss Anklage war es auch an jenem Abend zu gewalttätigen Uebergriffen seitens des Angeschuldigten gekommen.

Harziger Prozessauftakt

Am Dienstag erfolgte am Bezirksgericht Dielsdorf der Startschuss zu einer voraussichtlich zweiwöchigen Verhandlung, die im letzten Jahr noch das Geschworenengericht beschäftigt hätte. Dem Beschuldigten werden neben dem vorsätzlichen Tötungsversuch, mehrfache Lebensgefährdung, mehrfache Körperverletzung, Drohungen, Veruntreuungen und weitere Nebendelikte angelastet. Der Prozess findet unter Ausschluss der Oeffentlichkeit statt.

Der Auftakt am ersten Tag verlief sehr harzig. So musste sich das Gericht zunächst mit zahlreichen prozessualen Anträgen und technischen juristischen Fragen beschäftigen. Wer mit dem spannend erwarteten Strafantrag des Staatsanwalts rechnete, sah sich getäuscht.

Harsche Kritik der Verteidigung

Harsche Kritik äusserte dagegen der Verteidiger Nathan Landshut: „Der Anspruch meines Klienten auf ein faires Verfahren ist verletzt“, erklärte er. Auch das Anklageprinzip sei massiv verletzt worden plädierte er und verwies auf diverse zeitliche Ungereimtheiten in der Anklage. Tatsächlich hatten sich in der Anklageschrift ärgerliche Fehler eingeschlichen. So waren schon auf der ersten Seite die geschädigten Kinder zum Teil mit falschen Nummern versehen.

Landshut beschwerte sich auch darüber, dass wichtige Beweise nicht abgenommen worden seien.

Prozess wird heute fortgesetzt

Der Prozess wird heute fortgesetzt. Voraussichtlich steht die mutmassliche langwierige Befragung des Vaters zur Sache auf dem Programm. So sind alleine bei den tätlichen Uebergriffen nicht weniger als 22 Anklagepunkte aufgeführt. Ob die Parteien bereits ihre Plädoyers eröffnen können, ist noch unklar.