Regensdorf

07. März 2011 19:03; Akt: 07.03.2011 19:03 Print

Ein Raser «jenseits von Gut und Böse»

von Attila Szenogrady - Ohne Führerausweis ist ein Verkehrsrowdy betrunken in einen Kreisel gerast. Zwei Unfälle und ein angefahrener Polizist waren das Resultat.

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«Was sich der Angeklagte geleistet hat, ist jenseits von Gut und Böse», erklärte die Gerichtsvorsitzende Kathrin Bretschger unmissverständlich während der Urteilseröffnung.

Tatsächlich fiel die Bilanz des heute 28-jährigen Garagisten aus Regensdorf niederschmetternd aus. Obwohl dem Bosnier bereits im Frühjahr 2004 der Lernfahrausweis für unbestimmte Zeit entzogen worden war, fuhr er immer wieder mit seinem Personenwagen der Marke BMW oder dem Ford Escort seiner Frau herum.

Betrunken gerast und Unfall gebaut

So auch in der Nacht auf den 9. November 2007, als er in den frühen Morgenstunden mit dem Wagen seiner Gattin und 1,34 Promille Alkohol im Blut von Regensdorf in Richtung Niederhasli raste. Mit rund 140 km/h statt 80 km/h. In Mettmenhasli fuhr er viel zu schnell in einen Kreisel hinein und prallte gegen den Schutzpfosten der Mittelinsel.

Als hinter ihm ein Polizeiwagen mit Blaulicht auftauchte, fuhr der Verkehrsrowdy weiter, bis er auf der Dorfstrasse in Niederhasli in einen Beleuchtungskandelaber krachte und nach einem Fluchtversuch zu Fuss von den Polizeibeamten gefasst wurde.

Beinahe Polizeibeamten angefahren

Bereits am 15. Juni 2008 setzte sich die Deliktsserie des uneinsichtigen Autonarren im Kanton Aargau fort. Bei einer Polizeikontrolle drückte er auf das Gaspedal und übersah einen auf der Strasse stehenden Polizeibeamten, der sich nur noch mit einem Sprung zur Seite retten konnte.

Der angetrunkene Täter wurde kurz darauf am Wohnort seiner Freundin dingfest gemacht.
Am 7. November 2009 folgte in Dielsdorf der dritte Streich. Diesmal kollidierte der Beschuldigte mit seinem BMW im Wodka-Rausch mit einem Betonsockel und setzte sich zu Fuss vom Tatort ab.

Hohe Strafe und Fahrverbot verlangt

Vor Gericht zeigte sich der bereits sechsfach und einschlägig vorbestrafte Beschuldigte umfassend geständig und beteuerte, dass er seit der Geburt eines Sohnes im letzten Jahr ein neues Leben begonnen habe. Heute leite er eine Garage und komme deshalb nicht mehr in Versuchung, mit seinem Auto auf den Strassen herumzufahren.

Auch sein Verteidiger erklärte, dass sein Klient früher einfach die Finger vom Lenkrad nicht lassen konnte. Heute sei jetzt alles anders, plädierte er und setzte sich für eine Strafe von höchstens einem Jahr Freiheitsentzug ein. Im Gegensatz zu Staatsanwalt Jürg Boll. Der bekannte Raser-Spezialist verlangte nicht nur eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten, sondern auch den Widerruf von Reststrafen von neun Monaten sowie ein Fahrverbot für vier Jahre.

Tatwaffen Autos eingezogen

Das Gericht legte eine unbedingte Gesamtstrafe von 21 Monaten fest. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass noch niemand das Leben verloren habe, sagte die Vorsitzende Bretschger und liess die beiden Autos als Tatwaffen einziehen. Zudem setzte das Gericht auch das vierjährige Fahrverbot fest.

Nicht zu vergessen war, dass der Angeklagte nicht nur wegen der zahlreichen groben Verkehrsdelikte verurteilt wurde. Er wurde wegen der Beteiligung an einer brutalen Schlägerei in Buchs (ZH) auch wegen Raufhandels für schuldig befunden.