Notorischer Blaufahrer

28. Juni 2011 08:00; Akt: 27.06.2011 19:44 Print

Ein Wunder, dass noch nichts passiert ist

von Attila Szenogrady - Ein arbeitsloser Autospengler aus Volketswil ist innerhalb von einem Jahr gleich fünf Mal als Blaufahrer erwischt worden. Ein Rätsel für die Justiz. Ein Gutachter soll jetzt mehr Klarheit schaffen.

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Die Bilanz des heute 42-jährigen Sozialhilfeempfängers aus Volketswil ist rekordverdächtig. So wurde er am 1. Dezember 2009 bei einer Fahrt von Zürich nach Volketswil von der Polizei kontrolliert. Er hatte im Auto seiner Frau keinen Führerausweis, dafür aber 1,42 Promille Alkohol im Blut. Am 26. Mai 2010 war erneut mit dem entwendeten Fahrzeug seiner Frau unterwegs und wurde in Volketswil von der Polizei kontrolliert. Diesmal wies er 1,67 Promille Alkohol im Blut auf.

Fünf Blaufahrten

Der italienische Staatsangehörige zeigte sich auch nach dem zweiten Vorfall unbelehrbar. Im Gegenteil: Trotz eines entzogenen Führerausweises wurde er bis zum ersten Januar 2011 noch drei Mal angetrunken am Lenkrad eines Personenwagens erwischt. Zum letzten Mal in der Silvesternacht, als er zwei Promille intus hatte. Für die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat gab der Angeschuldigte Rätsel auf.

«Es ist ein Wunder, dass bisher noch nichts passiert ist», plädierte der zuständige Staatsanwalt am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich. Er zeigte sich wenigstens in einem Punkt beruhigt. So befindet sich der Angeschuldigte heute in einer Entzugsklinik im Tessin und stellte derzeit keine Gefahr dar. Der Ankläger verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Zudem eine längere Einweisung des Beschuldigten in eine stationäre Suchtbehandlung.

Alkoholismus bagatellisiert

Der Angeklagte selber hinterliess vor den Schranken einen zwiespältigen Eindruck. So bagatellisierte er wiederholt seinen Alkoholismus. Alle würden bei einem Grillfest an Bier denken, behauptete er. Er aber nicht. Zudem sei für die Gutachter jeder ein Alkoholiker, wenn er zwei Gläser Wein trinke, beschwerte er sich. Zu seinen Delikten meinte er, dass er weder gerast noch lange Strecken gefahren sei. Auch die Verteidigung sah die Lage nicht so dramatisch. Sie verlangte mit sieben Monaten Freiheitsentzug nicht nur eine mildere Strafe, sondern auch die Anordnung einer ambulanten Therapie in Freiheit. Der Angeschuldigte sei schon lange genug in einer Klinik gesessen, zeigte sie sich überzeugt.

Verlaufsbericht soll mehr Klarheit bringen

Nach dem Auftritt des wenig einsichtigen Angeklagten stufte das Gericht den Fall als noch nicht spruchreif ein. Es will zunächst einen Verlaufsbericht des zuständigen Gutachters einholen, um mehr Klarheit zu schaffen. Es soll dabei die so genannte Massnahme-Fähigkeit und die Massnahme-Willigkeit des Angeklagten näher beleuchtet werden. So lange bleib der Beschuldigte in der Klinik.
Das Urteil soll voraussichtlich in drei Wochen erfolgen.