Kreisel-Streit in Kloten

05. November 2019 18:38; Akt: 07.11.2019 16:51 Print

Eishockey-Puck soll weg – Swiss-Flosse darf bleiben

Der Kanton Zürich und die Stadt Kloten stehen wegen eines Eishockey-Pucks im Zwist. Ein Ende des Streits scheint noch lange nicht in Sicht.

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Die Heckflosse eines Swiss-Flugzeugs auf einem Kreisel in Kloten darf im Gegensatz zu einem Eishockey-Puck bleiben. Der Kanton will, dass der Puck, der 2014 zum 80-Jahr-Jubiläum des EHC Kloten auf einem Kreisel in Kloten installiert und von Hunderten Fans bezahlt wurde, verschwindet. Seit Wochen ist der Puck nun Hauptthema in Kloten. Die Baudirektion des Kantons Zürich von Martin Neukom (Grüne) hält den Puck für kommerzielle Werbung. Aus Angst, dass der Regierungsrat und seine Baudirektion das Kunstwerk zwangsweise entfernen könnten, hat Kloten den Puck am Freitag in Plastik gehüllt. Diese Idee hielt aber nicht mal 48 Stunden. Was die Geschichte noch viel bizarrer macht: Auf einem weiteren Kreisel in Kloten ist die Heckflosse eines Swiss-Flugzeugs installiert. Dies ist jedoch kein Problem und stellt für die Baudirektion keinen Widerspruch dar: «Im Kreisel mit der Flugzeugheckflosse gibt es keine Logos der Swiss», so Thomas Maag, Sprecher der kantonalen Baudirektion. Für Mark Wisskirchen, EVP-Stadtrat von Kloten, stellt die Heckflosse eines Swiss-Flugzeuges keinen Unterschied zum Eishockey-Puck dar: «Dass der Puck wegmuss und die Flosse bleiben darf, finde ich einfach nur ungerecht.» Für Wisskirchen geht die Kreisel- Debatte sowieso zu weit: «Ich als Stadt- und Kantonsrat sowie Einwohner von Kloten und Fan vom EHC Kloten bin der Meinung, dass die Baudirektion über ihre Bücher gehen sollte. Sie würde damit allen einen grossen Gefallen tun.» Wisskirchen gibt dem Regierungsrat Martin Neukom keine Schuld an der jetzigen Situation: «Das ist weder sein Verdienst noch das der Stadt Kloten.» Für Wisskirchen ist der Fall klar: «Seine zuständigen Mitarbeitenden in der kantonalen Verwaltung könnten ihm da rasch aus der Bredouille helfen. Sie müssten sich nur weniger stur und bürokratisch und dafür mehr sachpolitisch verhalten.»

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Der Eishockey-Puck auf einem Kreisel in der Stadt Kloten sorgt seit Wochen für Ärger. Der Kanton will, dass der Puck, der 2014 zum 80-Jahr-Jubiläum des EHC Kloten auf einem Kreisel in Kloten installiert und von Hunderten Fans bezahlt wurde, verschwindet.

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Der Anfang: Grünen-Regierungsrat will den Puck loswerden

Die Baudirektion des Kantons Zürich von Martin Neukom (Grüne) hält den Puck für kommerzielle Werbung. Da es sich um einen Kreisel auf einer Kantonsstrasse handle, sei dies nicht erlaubt und der Puck müsse weg, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Der Streit: Stadt stellt sich gegen Vorhaben von Kanton

Aus Angst, dass der Regierungsrat der Grünen und seine Baudirektion das Kunstwerk zwangsweise entfernen und den Aufwand der Stadt in Rechnung stellen könnten, hat die Stadt Kloten den Puck am Freitag in Plastik gehüllt. Sie widerspricht mit dieser Aktion dem Kanton, der den Puck nicht auf dem Kreisel sehen will. In der Nacht auf Sonntag entfernten Unbekannte die Blache.

Wie es bei der Baudirektion Kanton Zürich auf Anfrage heisst, werden noch Gespräche mit der Stadt Kloten stattfinden müssen: «Wir wollen eine Lösung finden, mit der beide Seiten leben können. Bis dahin stehen eine Zwangsräumung oder sonstige Konsequenzen nicht zur Diskussion.»

Einen Lösungsvorschlag habe man der Stadt bereits im Juni unterbreitet: «Der Puck kann stehen bleiben. Das Logo muss aber durch ein neutrales Eishockey-Symbol ersetzt oder ganz entfernt werden», sagt Sprecher Thomas Maag. Denn: «Wir haben schon 2014 festgehalten, dass das Logo kommerzielle Werbung ist, und deshalb nur eine befristete Bewilligung für den Puck-Kreisel erteilt.»

Der Swiss-Kreisel: Kanton lässt Flugzeug-Flosse stehen

Was die Geschichte noch viel bizarrer macht: Auf einem weiteren Kreisel in Kloten ist die Heckflosse eines Swiss-Flugzeugs installiert. Dies ist jedoch kein Problem und stellt für die Baudirektion keinen Widerspruch dar: «Im Kreisel mit der Flugzeugheckflosse gibt es keine Logos der Swiss», so Maag.

«Die Heckflosse symbolisiert nicht mehr und nicht weniger die Verbundenheit der Stadt Kloten mit dem Flughafen.» Maag fügt an: «Nicht nur die Swiss, sondern auch Helvetic, Holiday Jet und CH Air fliegen mit einem Schweizer Kreuz auf der Heckflosse.»

Der Kantons-Schreck: Mark Wisskirchen (EVP)

Für Mark Wisskirchen, EVP-Stadtrat in Kloten, stellt die Heckflosse eines Swiss-Flugzeuges keinen Unterschied zum Eishockey-Puck dar: «Dass der Puck wegmuss und die Flosse bleiben darf, finde ich einfach nur ungerecht.»

Weshalb der Kanton die Swiss-Flosse im Gegensatz zum Puck akzeptiert, darüber kann der EVP-Stadtrat nur mutmassen: «Vielleicht wurde die Swiss-Flosse vor einer Gesetzesänderung im Kreisel installiert. Andere Erklärungen der Baudirektion leuchten mir nicht ein, denn für mich ist die Swiss-Flosse deutlich kommerzieller als der Eishockey-Puck.»

Für Wisskirchen gehe die Kreisel-Debatte sowieso zu weit: «Ich als Stadt- und Kantonsrat sowie Einwohner von Kloten und Fan vom EHC Kloten bin der Meinung, dass die Baudirektion über ihre Bücher gehen sollte. Sie würde damit allen einen grossen Gefallen tun.»

Wisskirchen gibt dem Regierungsrat Martin Neukom keine Schuld an der jetzigen Situation: «Das ist weder sein Verdienst noch das der Stadt Kloten.» Für ihn ist der Fall klar: «Seine zuständigen Mitarbeitenden in der kantonalen Verwaltung könnten ihm da rasch aus der Bredouille helfen. Sie müssten sich nur weniger stur und bürokratisch und dafür mehr sachpolitisch verhalten.»

Dass Unbekannte die Verhüllung des Pucks entfernten, kritisiert Wisskirchen. Der EVP-Stadtrat sagt: «Die Verhüllung des Pucks wurde leider durch eine Gruppe naiver Vandalen kontraproduktiv gestört. So spielen wir den Puck dem Kanton wieder in die Hände.» Laut Wisskirchen werden man nun einen zweiten Versuch wagen und den Puck erneut verhüllen: «Damit wollen wir einen Verhandlungsspielraum mit den kantonalen Behörden schaffen.»

Zudem will Wisskirchen seinen politisch eingereichten Vorstoss in Form einer Anfrage im Kantonsrat abwarten: «Ob die Antwort ausreichend und befriedigend ausfallen wird, werden wir sehen. Ich rechne immer noch damit, dass der Kanton zur Vernunft kommt. Er würde damit in dieser zur Posse verkommenen Geschichte nur gewinnen.»

Der Beipflichter: Martin Hübscher (SVP)

Ähnlich sieht es Martin Hübscher. Der SVP Kantonsrat versteht zwar, dass Neukom seine Kollegen bei der Baudirektion deckt, trotzdem findet er: «Es muss endlich ein pragmatischer Entscheid her, wo beide Parteien ihr Gesicht nicht verlieren. »

Für ihn selber stellt der Puck keine kommerzielle Werbung dar: «Der EHC ist ein Traditionsverein und gehört zu Kloten. Er sollte sein Wahrzeichen behalten dürfen.»

Die Pragmatische: Esther Guyer (Grüne)

Esther Guyer, Fraktionspräsidentin Grüne Kanton Zürich, sieht keinen Bezug zur kommerziellen Werbung: «Da sehe ich kein Problem. Für mich stellt der Eishockey-Puck vielmehr die Verbundenheit der Fans und der Stadt mit dem EHC Kloten dar.»

Was sie aber störe, sei die Grösse des Monuments: «Solche Monster, dazu gehört auch die Heckflosse eines Swiss-Flugzeuges, finde ich nicht nur unpassend, sondern auch hässlich. Viel schöner wäre es, wenn man eine Magerwiese in die Mitte des Kreisels pflanzen würde.»

Den neu gewählten Regierungsrat Martin Neukom, der sich kurz nach der Übernahme der Baudirektion mit diesem Thema beschäftigen muss, nimmt Guyer in Schutz: «Man kann nicht nur Themen abhandeln, die einem Spass machen. Auch eine so bizarre Angelegenheit gehört dazu.»

Die Leidtragenden: Das sagen die EHC-Kloten-Fans

Wie der EHC Kloten auf Anfrage sagt, nimmt der Club zurzeit keine Stellung zum Thema. Die EHC-Fans hingegen diskutieren die Angelegenheit rege im Kloten-Forum und ärgern sich. Ein Nutzer schreibt: «Natürlich wird die Swiss hofiert. Seit jeher geht der Mensch nur seinen eigenen finanziellen Interessen nach.» Ein anderer: «Man hätte mit dem Sack den Swiss-Kreisel verhüllen müssen.»

Andere Nutzer tun ihren Ärger über den Kanton kund: «Diese sturen Bürokraten-Büffel des Kantons. Mit solchen Problemen müssen sie sich also rumschlagen. Einfach nur lächerlich», schreibt ein Fan. Und ein anderer meint: «Die sind doch nicht ganz dicht beim Kanton.»

Ein User bezeichnet das Ganze als «unfassbaren Scherz». Ein EHC-Kloten-Fan hält es für ein «Affentheater»: «Ich finde das Kreiseltheater witzig.» Immerhin bleibe man so im Gespräch, so der Nutzer: «Dass sich der Kanton dabei eine Blösse gibt und schlechte Presse erntet, ist eine Nebenerscheinung, die durchaus dazu geeignet ist, mich zu amüsieren.»

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • zu3365pa am 05.11.2019 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    pablo

    Ich würde Neukom entfernen

  • Peter Nikolaus am 05.11.2019 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Armer Kanton

    Hurra Kanton, das Heck der anderen Fluggesellschaften sehen anders aus. CH-Kreuz und oben/unten ein weisser Balken hat nur die Swiss

  • Robin Hood am 05.11.2019 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    SBB Werbung darf aber in Kreisel sein...

    Was ist eigentlich mit Zügen und SBB Logo in Kreiseln (Effretikon)? SBB ist auch eine AG und somit ist ein Zug mit SBB Logo auch Werbung oder was übersehe ich?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rölu79 am 06.11.2019 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beide weg,oder beide bleiben

    Wenn der Puck gehen muss,so muss die Heckflosse der Swiss auch weg! Den damit wird auch Werbung gemacht und Souvenir verkauft!! Gleich wie beim EHC Kloten! Entweder beide bleiben oder beide weg!

  • Peter Müller am 06.11.2019 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bürorntscheide

    Wieder einmal ein fragwürdiger Entscheid eines "Sesselfurzers" in Zürich! Wer viel mit Bauen zu tun hat, kann eine ganze Oder per singen. Die heben bei wichtigsten Bauvorhaben nicht einmal ihren Allerwertesten vom Sessel. Paragraphenreiterei ist die Doktrin!

  • Chris W am 06.11.2019 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kloten auf dem Abstieg

    Kloten hat ein Problem: Der HC steigt ab und die Fluggesellschaft wurde gegroundet. Wie lange dauert es wohl noch, bis Kloten zu einem Stadtteil von Zürich wird?

  • asyo am 06.11.2019 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo gehen wir hin

    Haben wir keine anderen Probleme? Genau das ist der Grund, warum wir in der Schweiz kein Gemeinschafts-Gefühl haben. Man darf nicht mal auf den heimischen Club stolz sein resp. dies zum Ausdruck bringen. P.S. ich bin kein Hockeyfan

  • Du Da am 06.11.2019 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flügel gut? Alles gut

    Wo ist denn hier der Unterschied ? Wohl Aktien bei Swissair, neu der Swiss , darum darf der Flügel bleiben!!! Bin wahrlich nicht EHC Kloten Fan, Doch das ist Kult und Gehört in die Stadt, Der Puck Der Flügel Konzentriert Euch auf Anderes bitte