Tötungsversuch in Wetzikon ZH

29. Juli 2014 12:33; Akt: 29.07.2014 12:33 Print

Eispickel-Angreifer muss nicht ins Gefängnis

Ein Kosovare rammte einem jungen Mann in Wetzikon ZH einen Eispickel in den Rücken. Obwohl das Gericht dies als Tötungsversuch eingestuft hat, muss der 23-Jährige nicht in Haft.

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Mit seinem Eispickel kletterte Simon gewöhnlich in den Bergen, im Dezember 2012 wurde er damit jedoch schwer verletzt. (Bild: zvg)

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Ein Kosovare (21) veranstaltete mit seinem Schweizer Kollegen (19) im Dezember 2012 einen Höllenlärm in Wetzikon ZH vor dem Leue-Zentrum. Dies brachte den damals 27-jährigen Simon (Name der Redaktion bekannt) um den Schlaf. Kurz vor Mitternacht ging er hinaus, um sie zu bitten, etwas leiser zu sein. Er nahm seinen Eispickel mit, um sich vor allfälligen Angriffen zu schützen. Der Kosovare riss ihm diesen jedoch aus der Hand und rammte ihn in den Rücken – Simon musste sich einer grösseren Darmoperation unterziehen.

«Es war nur einem absoluten Zufall zu verdanken, dass er nicht starb», sagte sein Anwalt vor dem Bezirksgericht Hinwil, das sich vor wenigen Tagen mit dem Fall befasste. Angeklagt war der heute 23-jährige Kosovare wegen versuchter Tötung. Obwohl der Staatsanwalt den Beschuldigten wegen seines Alkohol- und Kokainkonsums als leicht- bis mittelgradig vermindert schuldfähig bezeichnete, forderte er laut dem «Zürcher Oberländer» eine Gesamtstrafe von acht Jahren Gefängnis und eine Busse von 1000 Franken. Die Haft solle aber zugunsten einer sogenannten Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben werden. In einer geschlossenen Spezialeinrichtung könnte der junge Mann seine abgebrochene Berufsausbildung beenden und würde therapeutisch betreut.

Letzte Chance für den Wiederholungstäter

Vor Gericht sagte der Angeklagte zwar, dass es ihm leid tue, dass es zu einer solchen Verletzung gekommen war. Für ihn war der Eispickel-Angriff aber ein Versehen gewesen. Auch sein Verteidiger sprach von «einfacher Körperverletzung» und forderte höchstens 18 Monate Haft. Das Gericht sah dies anders und stufte den Eispickel-Angriff als Tötungsversuch ein. Gemäss dem noch unbegründet vorliegenden Urteil wurde eine Strafe von siebeneinhalb Jahren angeordnet. Diese wird zugunsten einer Massnahme aber aufgeschoben. Das heisst, der Verurteilte muss nicht ins Gefängnis – ausser etwa, die Therapie hat keinen Erfolg. Hinzu kommen eine Busse von 1000 Franken sowie die Verpflichtung zur Zahlung von Schadenersatz, einer Genugtuung und Verfahrenskosten in der Höhe von über 42'000 Franken.

Mit dieser Massnahme versucht man ein letztes Mal den Verurteilten zu resozialisieren. Denn der Mann, der mit seiner Jugendgang in Wetzikon immer wieder für Ärger sorgte, war schon als 15-Jähriger zum ersten Mal straffällig geworden. Laut dem Vorsitzenden des Gerichts ist aber möglich, dass der Kosovare nach Beendigung der Massnahme oder eines Gefängnisaufenthalts ausgeschafft wird.

(som)