Affoltern am Albis ZH

15. Dezember 2011 07:57; Akt: 15.12.2011 08:23 Print

Eklat im Bezirksspital

von Attila Szenogrady - Im Bezirksspital Affoltern sind ein Arzt und ein Krankenpfleger bei einem Streit aneinandergeraten. Der Mediziner hat darauf seinen Gegner wegen Ehrverletzung eingeklagt. Ohne Erfolg.

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Der Vorfall im Bezirksspital ereignete sich am 13. Dezember 2007. Damals bat ein Anästhesie-Arzt einen Krankenpfleger bei einer Arbeit am Computer um Hilfe. Als der heute 48-jährige Angestellte erklärte, dass er mit einer anderen Aufgabe beschäftigt sei und erst später helfen werde, kam es zu einem heftigen Streit. Dabei bezeichnete der Arzt den Pfleger als faul und schrie ihn an. Worauf der spätere Angeklagte nur noch nach Hause wollte. Ihm sei übel, sagte er und begab sich danach in den Umkleideraum.

Arzt packte Pfleger am Arm

Der aufgebrachte Arzt folgte dem Pfleger und sprach ihn in der Garderobe an. Dabei stellte sich der Mediziner in die Türe und wollte eine Antwort. Dann packte er den Angestellten am Arm, worauf dieser um Hilfe schrie, sich losriss und nach draussen rannte. Der Pfleger traf auf dem Gang auf eine Arbeitskollegin und eine Aerztin. Er verkündete ihnen, dass er soeben angegriffen worden sei. Dabei habe ihn der Arzt auch schlagen wollen, erklärte er und machte sich auf den Heimweg.

Anklage auf Ehrverletzung

Der Eklat in der Garderobe zog strafrechtliche Folgen nach sich. So klagte der Arzt seinen Gegner auf Ehrverletzung ein. So habe der Pfleger wissentlich vor anderen Personen eine unwahre Behauptung aufgestellt. Demnach habe ihn der Mediziner schlagen wollen. Was aber nicht stimme und für ihn ehrenrührig sei, führte der Ankläger aus. Zudem bestehe der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte zu einem späteren Zeitpunkt mittels selbst zugefügter Verletzungen den Exponenten des Bezirksspitals habe weismachen wollen, er sei beim Vorfall verletzt worden, schrieb der Arzt und verlangte für seinen Kontrahenten eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 100 Franken sowie 400 Franken Busse.

Arzt unterliegt

Schon das Bezirksgericht Affoltern fällte im Dezember vor einem Jahr einen vollen Freispruch aus. Mangels Beweisen. So sei nicht zweifelsfrei erstellt, was genau der Angeklagte auf dem Gang über den Ankläger gesagt habe, schrieb die zuständige Einzelrichterin. Alle einvernommenen Personen hätten sich nicht mehr genau erinnern können.

Der heute 59-jährigeArzt legte Berufung ein und verlangte am letzten Dienstag vor dem Zürcher Obergericht erneut einen Schuldspruch. Wiederum ohne Erfolg. Die Oberrichter bestätigten den Entscheid des Bezirksgerichts Affoltern und führten aus, dass die Aeusserungen des Beschuldigten vor dem Hintergrund des Handgemenges nachvollziehbar und nicht ehrverletzend gewesen seien. Mit dem Freispruch muss der erneut unterlegene Mediziner sämtliche bisher aufgelaufene Gerichtskosten von rund 4 200 Franken tragen. Zudem soll er dem Krankenpfleger eine Entschädigung von 300 Franken entrichten.

Für das Bezirksspital Affoltern ist das leidige Kapitel ohnehin schon länger abgeschlossen. So haben inzwischen sowohl der Ankläger als auch der Beschuldigte ihre Tätigkeit im Krankenhaus aufgegeben.