Gefährliche Kreuzung

05. Juli 2018 10:13; Akt: 05.07.2018 12:09 Print

«Bei der Sicherheit der Kinder wird gespart»

Eltern aus Schlieren sind besorgt. Immer wieder würden Schulkinder bei der Engstringerkreuzung in gefährliche Situationen geraten.

Viele Eltern in Schlieren begleiten ihre Kinder wegen der gefährlichen Engstringerkreuzung zur Schule und zum Kindergarten.
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Die Engstringerkreuzung in Schlieren bereitet vielen Eltern Sorgen. Gestresste Verkehrsteilnehmer, eine hohe Anzahl an Lastwagen und extrem kurze Grünphasen stellen für ihre Kinder eine Gefahr dar – besonders auch, weil die Kreuzung auf ihrem Schulweg liegt.

20 Minuten war vor Ort und kann bestätigen: Auch ein Erwachsener muss in zügigen Schritten die Kreuzung queren, um rechtzeitig auf die andere Strassenseite zu kommen. Für Kinder scheint es schon fast unmöglich zu sein. Zudem gibt es genug Verkehrsteilnehmer, die noch bei Rot über die Kreuzung donnern.

«Es muss erst etwas Schlimmes passieren»

«Wir verstehen nicht, warum nichts unternommen wird», sagt eine besorgte Mutter, die jeden Tag ihre Tochter in die Schule begleitet. Die 7-Jährige besucht die Primarschule im Schulhaus Zelgli. «Mir ist durchaus bewusst, dass es für Kinder wichtig ist, den Schulweg alleine zu meistern.» Aber das sei hier unmöglich. An dieser Kreuzung seien die Autofahrer oft gestresst oder am Handy.

Auch Susann Schweizer, die nun seit vier Jahren in Schlieren wohnt, begleitet ihre Kinder täglich. Sie hat schon viele Briefe an die Schulpflege und Stadtverwaltung geschrieben, aber leider ohne Erfolg. Schweizer befürchtet deshalb: «Es muss wohl erst etwas Schlimmes passieren, bis etwas unternommen wird.»

«Die Stadtverwaltung stellt sich taub»

Darauf will Andrin Brüderlin aber nicht warten. Der in Schlieren wohnhafte Vater zweier Kinder hat die Petition «Wir wollen einen sicheren Schulweg für die Kinder vom Zelgli» gestartet.

Darin heisst es: «Ein Lotsendienst wäre das Mindeste, was an dieser Kreuzung für eine sichere Querung sorgen würde.» Noch besser seien längere Grünphasen oder bauliche Massnahmen wie eine Unterführung, so Brüderlin. Die Schulpflege und Stadtverwaltung Schlieren stelle sich bei diesem Thema aber taub.

«Es fehlt an politischem Willen»

Gerade die vierjährigen Kinder, die den nebenan gelegenen Kindergarten besuchen, seien nicht fähig, eine so komplexe Verkehrssituation zu meistern. «Daher braucht es eine permanente Unterstützung für die Kinder bis zum 8. Lebensjahr», sagt Brüderlin.

Aber es fehle wohl am politischen Willen, etwas zu unternehmen: «Die Verantwortlichen verstecken sich lieber hinter irgendwelchen fachlichen Abklärungen und fadenscheinigen Ausreden.» Das Problem werde dann als erledigt angesehen.

Ignoranz macht Anwohner wütend

Genau diese Ignoranz macht auch eine weitere Anwohnerin und besorgte Mutter hässig: «Für alles andere wird in Schlieren Geld ausgegeben, aber bei der Sicherheit der Kinder wird gespart.» Sie sei deshalb froh, dass sich mit dem Start der Petition eine kleine Bürgerrevolte gebildet hat: «Die Leute haben langsam genug und nehmen es nun selbst in die Hand.»

Deshalb war auch für Juli eine Demo bei der umstrittenen Kreuzung geplant. «Diese wurde aber nun aus Sicherheitsgründen abgesagt», sagt die Frau, die lieber anonym bleiben möchte. Es hätten sich zu viele Leute gemeldet. «Die Organisatoren haben befürchtet, dass es ausartet.» Ob nun trotzdem Leute kommen, sei unklar. «Diese Kreuzung wühlt Eltern und Bewohner auf. Das müssen auch die Verantwortlichen der Schulpflege und Stadtverwaltung Schlieren endlich einsehen.»

«Die Eltern könnten sich doch zusammentun»

Beatrice Krebs, Präsidentin der Schulpflege Schlieren, hat durchaus Verständnis für die besorgten Eltern: «Aber aus rein fachlicher Sicht wurde die Kreuzung in Zusammenarbeit mit der Polizei als sicher eingestuft. Gemäss dieser Einschätzung ist der Weg für die Kinder zumutbar.»

Zudem würden direkt nach den Sommerferien Verkehrspolizisten an der besagten Kreuzung stehen: «Sie sind anfänglich für die Kinder da und zeigen ihnen, worauf sie achten müssen.» Einen Vorschlag hat sie dennoch: «Die Eltern könnten sich zusammentun und abwechselnd die Kinder auf dem Schulweg begleiten.»

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schlierenbewohnerin am 05.07.2018 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Finde es übertrieben

    Man sollte vielleicht auch mal anfangen den Kindern wieder ein Vorbild zu sein. Beobachte viele Erwachsene die mit den Kindern bei Rot über die Strasse gehen oder einfach so über die Strasse. Die Grünphase an dieser Kreuzung ist wirklich sehr kurz aber dann muss man dem Kind beibringen in der Mitte stehenzubleiben und auf die nächste Grünphase zu warten. Oder wie im Text vorgeschlagen: Eltern sollen sich mit dem Lotsendienst abwechseln. Eigeninitiative scheint heutzutage ein Fremdwort zu sein. Und es arbeiten bestimmt nicht alle Eltern Vollzeit.

  • simu am 05.07.2018 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verkehrte welt

    Mehr Sicherheit für unsere kinder, auch mehr Rechte, dass sie bei meiner Abschlussfeier grillen könennwas sie wollen und nicht den zugereisten anpassen müssen.

  • peter am 05.07.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht...

    so schlimm.... so lernen die Kinder vorsichtig zu sein und die Augen auf die Strasse zu richten und nicht auf das neue Smartphone!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bonnie_X am 05.07.2018 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politiker, die sich überarbeiten

    Die Eltern können sich ja zusammentun und das Problem selber lösen. Wofür wählt man hier Politiker? Wofür zahlt man Steuern? Aber schreien, es braucht mehr Kinder... wo ist denn nun diese familienfreundliche soziale Schweiz?

  • Peter Baumann am 05.07.2018 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildfunktion?

    Zuerst sollten die Erwachsenen lernen, sich selbst vorbildlich im Strassenverkehr zu verhalten. Zum Beispiel trotz Rotlicht querende Fussgänger oder Radfahrer, die über Trottoirs und Fussgängerstreifen fahren, Rotlichter ganz allgemein missachten, usw. usf. Wieviele dieser besorgten Eltern gehören in diese Kategorie? Also, kurz gesagt, zuerst vor der eigenen Tür wischen und sich selbst IMMER vorbildlich verhalten!

  • Pat Riot am 05.07.2018 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    Wenn die Gesellschaft etwas für die Sicherheit der Kinder tun möchte, dann sollte sie Abtreibungen wieder verbieten. Was ist das für eine Gesellschaft, die Tieren höheren Schutz bietet, als ihren ungeborenen Kindern? Mörder.

  • Sandra am 05.07.2018 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überwachung von Kreuzungen

    Ich wäre dafür dass solche Kreuzungen wie diese vermehrt mit Radaranlagen ausgestattet werden. Leider erkennen viele Autofahrer den Sinn einer Ampel nicht mehr und nehmen das erhöhte Unfallrisiko fahrlässig in Kauf. Vielleicht geht ja was wenns beginnt im Portemonnaie weh zu tun, was ich jedoch stark anzweifle. Es muss aber etwas getan werden, denn die Manieren im Strassenverkehr lassen sehr zu wünschen übrig...

  • Unterführung am 05.07.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer braucht das?

    Wer von den Bürgern wird nach Errichtung einer Unter-Überführung diese auch wirklich nutzen? Bitte, seid ehrlich, es werden nur sehr wenige sein. Sehe solches immer wieder in verschiedenen Städten in der CH. Endlich da und doch kaum gebraucht, weil ...