Betroffener wehrt sich

02. Juli 2014 13:41; Akt: 02.07.2014 14:23 Print

Epilepsie-Anfall beim Parkieren – Busse kassiert

Der 58-jährige Schaffhauser H.E. erlitt in seinem Auto einen Epilepsie-Anfall – zum Glück während des Parkierens. Jetzt wird er dafür bestraft. Zu Unrecht, wie er findet.

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H.E. hat 170'000 Kilometer mit dem Motorrad zurückgelegt hier vor dem Vulkan Bromo in Indonesien. Zurück in der Schweiz wurde E. ein Anfall im Auto zum Verhängnis.

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«Ich stelle mich auf einen längeren Rechtsstreit ein», sagt H. E.* (58). Er will die Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen und bezahlen. «Das geht gegen mein Rechtsempfinden», sagt er

Am 25. April wollte E. seine Schwester in Schaffhausen besuchen. Gerade als er das Auto auf einem Privatparkplatz abstellen wollte, spürte er ein Unwohlsein. Er streifte eine Mauer und verbog dabei leicht das Nummernschild des Autos, konnte aber den Schalthebel noch auf «P» stellen und den Motor ausschalten – dann erlitt er einen epileptischen Anfall.

Seine Schwester fand ihn bewusstlos im parkierten Auto. Erst im Spital wachte E. wieder auf. Mit den Sanitätern tauchten aber auch zwei Polizisten auf, die ihn auf der Intensivstation befragten. Er stand zu diesem Zeitpunkt stark unter dem Einfluss von Medikamenten. Die Beamten erstellten ein Unfallprotokoll, das E. erst drei Wochen später mit Hilfe eines Anwalts einsehen konnte. Dort hatten die Polizisten «Verdacht auf Fahren im angetrunkenen Zustand» angekreuzt. E.: «Alle Tests widerlegten diesen Verdacht – ich habe weder getrunken noch sonstige Betäubungsmittel konsumiert.»

«Nichtbeherrschen des Fahrzeugs»

Dennoch flatterte ihm nun ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Schaffhausen in seinen Briefkasten: Eine Busse von 300 Franken, Staatsgebühr von 250 Franken, Polizeirechnung 462 Franken – total satte 1012 Franken. Grund: «Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtbeherrschen des Fahrzeugs.»

H.E. sagt: «Ich soll für Nichtbeherrschen des Fahrzeuges gebüsst werden, obwohl ich einen Krampfanfall hatte.» Er, der in den letzten Jahren mit dem Motorrad unfallfrei 170'000 Kilometer quer durch 75 Länder zurückgelegt hat. Nun hat er einen Anwalt eingeschaltet und Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben. Dass er wegen des Anfalls wohl nicht mehr Auto fahren darf, will er gar nicht anfechten – nur die Busse für einen nicht selbst verschuldeten «Unfall» stösst ihm sauer auf.

Bei der Staatsanwaltschaft Schaffhausen heisst es: «Es handelt sich nach wie vor um ein laufendes Strafverfahren, in welchem die Ursache des Verkehrsunfalles weiter geprüft wird.» Deshalb dürften noch keine weiteren Angaben gemacht werden.

*Name der Redaktion bekannt

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lolol am 02.07.2014 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    So tickt sie. Unsere Geldabsaugmaschine

    die Sie Polizei nennen. Die Justiz ist auch nicht besser. Ich schäme mich manchmal Schweizer zu sein.

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  • J. Meyer am 02.07.2014 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdig

    Wie oben zu lesen ist, handelt es sich um einen Privatparkplatz, wo dieser sein Auto parkierte just in dem Moment, wo er einen Anfgall erlitt, aber keine weiteren Personen oder Gegenstände Schaden erlitten. Kann die Polizei wirklich intervenieren? Frage deshalb, weil ich selbst einen ähnlichen Fall erlebt habe, allerdings ohne Anfall, aber mit 2 Beteiligten, wo die Polizei mit dem Argument NICHT intervenierte, weil es sich um einen Privatparkplatz handle. Finde das schon etwas merkwürdig in diesem Artikel. Kantonale Unterschiede oder nach Lust u Laune der Polizei?

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  • Polyp am 02.07.2014 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Prophylaktisch Strafen

    Bald werden vorsoglich Bussen verteilt und Ausweise entzogen. Schliesslich könnte es jederzeit jeden Verkehrsteilnehmer treffen. Das weiss man ja nie!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PolizerMachDichFrei am 02.07.2014 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nichtbeherschen des Fahrzeuges

    Das gibt immer Kohle ! Die Bürger meckern, aber schreien nach härteren Strafen und Verschärfung der Gesetze. Wenn es einen dann trifft oder Bekannte, ist unser System dann plötzlich doof. Sorry, aber so kommen wir nicht weiter

  • mr.k9 rodriguez am 02.07.2014 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh ooh

    ist es nicht fahrlässig einen epileptiker ein fahrzeug auf einer öffentlichen strasse bzw. autobahnen fahren zu lassen? ist ja klar das dieser sein fahrzeug nicht mehr unter kontrolle hat, wenn er einen anfall erleidet...

  • Loren'tutscho am 02.07.2014 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Epileptische Anfälle tödlich

    Vor 5 Jahren hat doch ein Epileptiker beim Bürkliplatz zwei Fischer totgefahren? Dem Einten hat es durch die Wucht des Aufpralles die Beine abgeschnitten. Epileptische Anfälle können tödlich sein. Auch für Dritte.

  • ein verurteilter Verkehrskrimineller am 02.07.2014 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsgebühr

    Staatsgebür 250.-Fr in SH und in Zürich bezahlt man satte 700.- Fr. und das ist in ZH der Mindestansatz. Lustig ists in der Schweiz mit den Gebührenabzokkerei in jedem Dorf andere Ansätze. Haupsache, der Rubel rollt in die Staatskasse!

  • R.l. L am 02.07.2014 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle gleich vor dem Gesetz

    Alle gleich vor dem Gesetz...... Ha ha ha das ich nicht lache.... Muss ich bei einem Unfall den ich verschuldet habe und die Polizei kommt den Check abgeben?