Zürich

19. Januar 2017 14:02; Akt: 19.01.2017 15:10 Print

Ex-Grünen-Nationalrat Vischer (67) ist tot

Am Dienstag ist Daniel Vischer im Zürcher Universitätsspital gestorben. Tags zuvor konnte er daheim mit seiner Frau Bettina und den beiden Kindern den 67. Geburtstag feiern.

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«Wir haben schon gespürt, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt», sagte Daniel Vischers Frau. Am Dienstag ist der ehemalige Grünen-Nationalrat im Zürcher Universitätsspital gestorben — einen Tag nach seinem 67. Geburtstag.

Vischer litt seit Jahren an Krebs, ausgerechnet jener Krankheit, vor der er sich hypochondrisch sein ganzes Leben lang gefürchtet hatte. Er musste sich operieren lassen und sich einer ständigen Chemotherapie unterziehen, nahm es aber mit Gleichmut und Humor. Beklagt hat er sich nie, höchstens geredet darüber, und das nicht mit jedem. Wo er denn gesteckt habe, fragte man ihn beim letzten Znacht, das war vor ein paar Monaten. «Ich bin fast gestorben», sagte er und lachte laut.

Gebürtiger Basler

Politisiert hat der gebürtige Basler von Jugend an. Am 16. Januar 1950 als Sohn einer noblen Basler Familie geboren, stieg Vischer im jugendlichen Alter bei den Progressiven Organisationen der Schweiz (Poch) ein. 1973 wurde er ins Zentralsekretariat der Partei berufen. Im gleichen Jahr zog er von Basel nach Zürich und widmete sich in den nächsten Jahren hauptberuflich der Politik.

1983 wurde er in den Zürcher Kantonsrat gewählt. Nach Auflösung der Poch wechselte er 1990 zu den Grünen und war von 1999 an Chef der grünen Kantonsratsfraktion. Von 2000 bis 2005 engagierte er sich als Verfassungsrat für die neue Zürcher Kantonsverfassung.

Kein Hinterbänkler

Nach 20 Jahren im Kantonsrat gelang ihm 2003 der Sprung nach Bern. Zwar nicht ins Stöckli, wie der mittlerweile 53-Jährige beabsichtigt hatte, aber komfortabel in die grosse Kammer.

Sowohl im Kantonsrat als auch im Nationalrat war Vischer weit entfernt davon, ein Hinterbänkler zu sein. Seine leidenschaftliche Debattierlust, seine Scharfzüngigkeit, seine rhetorische Brillanz und gleichzeitig seine Bereitschaft, andere Meinungen gelten zu lassen, machten ihn zum Inbegriff des engagierten, über die Parteigrenzen hinaus geschätzten Parlamentariers.

Für Stärkung der Vaterrolle eingesetzt

Auch Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Schweiz, bezeichnete Vischer als eine der «markantesten und prägendsten Figuren», wie sie am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Der eigenwillige liberale Querdenker sei allseits geschätzt worden.

Gemäss Rytz hat er sich insbesondere für die Modernisierung des Familienrechts eingesetzt, insbesondere für die Stärkung der Vaterrolle. Zudem habe er profunde Kenntnisse in der Finanzpolitik besessen. Er habe immer wieder den Abbau von Steuern kritisiert. Dadurch würden dem Staat wichtige Mittel entzogen - beispielsweise für die Bildung.

Vischer und die Swissair

Einem breiten Publikum bekannt wurde Vischer im Zusammenhang mit dem Untergang der Swissair: Seit 1993 Präsident der Gewerkschaft VPOD Luftverkehr, vertrat er mit Entschlossenheit die Anliegen der betroffenen Arbeitnehmerschaft.

2015 - nach zwölf Jahren im Nationalrat - verzichtete Vischer darauf, noch einmal bei den eidgenössischen Wahlen anzutreten - wenn auch nicht ganz freiwillig: Weder seine Gesundheit noch das erreichte Rentenalter hatten ihn zu diesem Entscheid bewogen, sondern drohende parteiinterne Querelen.

Schauspieltalent

Ob als Parlamentarier oder als Gewerkschafter: Vischer genoss seine Auftritte jeweils sichtlich. Ihm war durchaus ein gewisses schauspielerisches Talent eigen. Nicht zufällig hatte es ihn ans Theater gezogen, nachdem er 1970 in Basel seine A-Matur absolviert hatte.

Er arbeitete als Regieassistent und liebäugelte vorübergehend gar mit einer Theaterkarriere, bevor er den Weg in die Politik einschlug. Erst im Alter von 29 Jahren begann Vischer ein Jurastudium, erwarb 1987 das Anwaltspatent und war fortan neben der Politik als Rechtsanwalt tätig, auch noch nach seinem Rücktritt als Nationalrat. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern lebte mit seiner Frau in Zürich.

(jen/sda)