Bülach

23. Juni 2011 23:50; Akt: 23.06.2011 17:15 Print

Ex-Kadermann muss hinter Gitter

von Attila Szenogrady - Ein ehemaliger Kadermann der Tamdia AG hat eine Ärztin sowie eine Hausfrau um rund 190 000 Euro geprellt. Nun muss der einschlägig vorbestrafte Treuhänder für sechs Monate hinter Gitter.

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Aus Angst vor den Medien hatte der heute 47-jährige Angeklagte bereits im letzten Oktober den ersten Strafprozess in Dielsdorf geschwänzt. Er fühle sich einer Konfrontation mit der Presse nicht mehr gewachsen, liess er damals ausrichten. Am Donnerstag erschien er auch nicht zu einem Berufungsprozess am Zürcher Obergericht und akzeptierte damit den Entscheid von Dielsdorf. Dieses hatte den langjährigen Kadermann des Tamedia-Konzerns wegen mehrfacher Veruntreuung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Als Zusatzstrafe zu einer früheren Sanktion von 24 Monaten bedingt.

Zwei Damen um 190 000 Euro geprellt


In der Untersuchung hatte der beschuldigte Treuhänder ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Demnach hatte er im Frühjahr 2009 zwei Frauen im Hinblick auf angebliche Wohnfinanzierungen im Bezirk Dielsdorf um rund 190 000 Euro gebracht. Bei der ersten Geschädigten handelte es sich um eine über 70-jährige Aerztin, die dem Beschuldigten 160 000 Euro anvertraut hatte. Das zweite Opfer, eine Berner Hausfrau, hatte ihm 30 000 Euro übergeben.

In der Folge vertröstete der Angeklagte die beiden Frauen und gab die Gelder für persönliche Bedürfnisse aus.

Einschlägig vorbestraft

Der Beschuldigte ist kein unbeschriebenes Blatt. So war er zwischen 1994 und März 1999 Geschäftsleiter der Pensionskassen bei Tamedia und verwaltete damals eine Geldsumme von über 700 Millionen Franken. Im Oktober 2003 kassierte er wegen Veruntreuung am Bezirksgericht Zürich eine bedingte Gefängnisstrafe von 18 Monaten. Er hatte bei Tamedia bei diversen Vermögensdelikten einen Schaden von über 3,3 Millionen Franken angerichtet. Unter anderem hatte er sich mit illegalen „Schubladengeschäften“ (illegale Aktienkäufe) in Millionenhöhe bereichert. Tatmotiv: Er hatte seinen Jahreslohn als Tamedia-Kadermann von über 140 000 Franken als zu mickrig betrachtet. Zudem vermisste er angemessene Bonuszahlungen.

Heute arbeitet der Beschuldigte gemäss den Dielsdorfer Akten als Fussballtrainer im Nachwuchsbereich.

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