Fall Boppelsen

19. September 2019 04:48; Akt: 19.09.2019 04:48 Print

Ex-Mitgefangene spricht über die Killer-Ehefrau

von Jennifer Furer - Das Bezirksgericht Bülach befasst sich derzeit mit dem Mordfall Boppelsen. Nun spricht eine Ex-Mitgefangene über Ehefrau Corine K.

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Mehrmals bricht Corine K.* während ihrer Befragung vor dem Bezirksgericht Bülach in Tränen aus, wenn sie über die Taten spricht, die ihr, ihrem Noch-Ehemann Thomas K.* und dem Komplizen Markus N.* vorgeworfen werden.

Der Hauptangeklagte Thomas K. soll zwei Männer getötet haben, in dem er ihnen die Atemwege mit Klebeband verschloss. Er muss sich wegen mehrfachen Mordes verantworten. In einem Fall wirft die Staatsanwaltschaft Corine K. und Markus N. Mittäterschaft vor.

Zehn Wochen mit Corine K. im Gefängnis

Während Corine K. leise über die ihr vorgeworfenen Taten sprach, schluchzte und weinte sie. Sie bestritt vor Gericht eine Tatbeteiligung. K. gibt sich als von ihrem Mann unter Druck gesetzte Frau, die sich in einer zerrütteten Ehe befindet und Geldsorgen hat.

Diametrial anders ist das Bild, das eine Ex-Mitgefangene von K. zeichnet. Sie sass zehn Wochen mit der Angeklagten im Gefängnis Dielsdorf und arbeitete mit der 29-Jährigen in der Küche. «Irgendwann hat Corine mit mir über die Taten, die ihr vorgeworfen werden, angefangen zu sprechen», sagt die Ex-Gefangene.

«Angehörigen verdienen Wahrheit»

Die Frau sagt über K.: «Sie ist keine Frau, die weint. Corine ist kalt, herz- und emotionslos.» Wenn sie über die ihr vorgeworfenen Taten und die Beseitigung der Leichen gesprochen habe, dann immer in einem nüchternen Ton. «Sie hatte meines Erachtens nie ein schlechtes Gewissen oder gar Reue gezeigt», sagt die Ex-Mitgefangene.

«Zwei Menschen sind auf brutalste Art getötet worden, die Angehörigen verdienen die komplette Wahrheit», sagt die Ex-Gefangene. Dies sei der Grund, warum sie sich nun öffentlich zu K. äussere. Es könne nicht sein, dass die 29-Jährige allen etwas vormache, hinten durch aber ohne Emotionen und Reue über die Taten spreche.

Verteidiger gibt keinen Kommentar ab

Leid würden der Ex-Mitgefangenen auch die beiden Töchter des Killer-Ehepaares tun. «Ich hoffe nicht, dass sie je wieder in die Obhut von Corine kommen, sondern ein normales Leben fernab dieser grausamen Geschichte führen können», sagt die Ex-Mitgefangene.

20 Minuten hat alle Vorwürfe gegen Corine K. ihrem Verteidiger vorgelegt. Dieser schreibt dazu: «Ich gebe dazu keinen Kommentar ab.»

«Sie hat besondere Kaltblütigkeit gezeigt»

Es gilt für Corine K., Thomas K. und Markus N. die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwältin fordert für das Ehepaar sowie auch für den Komplizen eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Thomas K. soll zudem verwahrt werden.

Auch die Staatsanwaltschaft äussert sich auf eine Anfrage von 20 Minuten nicht. Es heisst, dass die Staatsanwaltschaft nach der Anklageerhebung und somit auch während des Gerichtsverfahrens in aller Regel keine Fragen beantworten. In ihrem Plädoyer äusserte sich die Staatsanwältin zu Corine K. Sie sagte: «Sie hat besondere Kaltblütigkeit gezeigt. Sie hat ihre Kinder bewusst zur Tatbegehung mitgenommen», um ein «perfektes Alibi» zu haben.

Die Beschuldigten hätten gelogen und manipuliert

«Alle drei Beschuldigten könnten mehr erzählen, als sie es getan haben», so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Die Beschuldigten hätten gelogen, manipuliert und geschwiegen. Sie hätten es vorgezogen, Teilwahrheiten zu erzählen und Lügen zu finden. Sie würden kein Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer zeigen. «Ihretwegen werden diese nie die Wahrheit erfahren.»

Der Verteidiger von Corine K. wird sich am kommenden Montag in seinem Plädoyer äussern, genauso wie der Verteidiger von Markus N. Der Verteidiger von Thomas K. hielt sein Plädoyer bereits und kritisierte die Staatsanwältin: «Das Plädoyer strotzt vor Vermutungen und Hypothesen.» Der Verteidiger fordert für Thomas K. eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. Voraussetzungen für eine Verwahrung seien nicht gegeben. Er beantragt aber eine ambulante Massnahme.

*Name der Redaktion bekannt