Weitere Tötung?

05. August 2019 04:48; Akt: 05.08.2019 10:01 Print

Ex-Pflegerin aus Zürcher Spital ermordete Seniorin

von Jennifer Furer - Eine ehemalige Pflegerin des Spitals Usters wurde in Deutschland wegen Mordes verurteilt. Jetzt werden Ermittlungen in einem Zürcher Fall wieder aufgenommen.

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Bis heute ist ungeklärt, wer einem 84-jährigen Patienten im Spital Uster Insulin gespritzt hat, obwohl er gar kein Diabetiker war. Der Mann konnte gerettet werden, starb aber zwei Wochen später an einer Lungenentzündung. Die Insulin-Überdosis habe zwar nicht direkt zum Tod geführt, hätte diesen aber zur Folge gehabt, wenn dem Mann nicht sofort geholfen worden wäre, sagte die damals zuständige Staatsanwältin.

Der Fall ereignete sich im Jahr 2006. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen «vorsätzlicher, eventuell fahrlässiger Tötung». Sie ging davon aus, dass die Insulin-Überdosis «bewusst verabreicht wurde». Ins Visier der Behörden geriet eine damals 26-jährige deutsche Pflegerin. Sie bestritt den Vorfall. Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte sich der Verdacht gegen die Frau nicht erhärten, der Fall wurde sistiert – die Pflegerin nach drei Wochen im Gefängnis freigelassen.

Rentnerin erstochen

Jetzt kommen die Ermittlungen im Insulin-Fall wieder ins Rollen. Denn die heute 38-Jährige wurde in Deutschland wegen Mordes vom Landgericht Darmstadt verurteilt, wie Robert Hartmann, Oberstaatsanwalt aus Darmstadt, zu 20 Minuten sagt. Sie hat am 24. März 2017 zusammen mit ihrem zehn Jahre jüngeren Ex-Freund eine Rentnerin in deren Wohnung im südhessischen Dieburg erstochen und dafür eine lebenslange Haftstrafe kassiert.

Gegen das Urteil des Landgerichts ist Revision eingelegt worden. «In dieser wird das Urteil nur auf Rechtsfehler hin überprüft», so Hartmann. Solche Fehler seien aber nicht festgestellt worden. Die gegen das Urteil des Landgerichts Darmstadt eingelegte Revision sei deshalb verworfen worden – und das Urteil ist somit rechtskräftig.

Entscheid, Serienmörderin zu werden

Die ehemalige Pflegerin befindet sich derzeit im Gefängnis, wie Hartmann sagt. «Die Ermittlungen zu dem Fall mit Bezug in die Schweiz sind noch nicht abgeschlossen.» Aufgrund des erforderlichen Rechtshilfeverkehrs in die Schweiz würden die Ermittlungen «noch eine Weile andauern». Wie lange, kann Oberstaatsanwalt Hartmann nicht sagen.

Die heute 38-Jährige war wegen Depressionen und akuter Alkoholabhängigkeit in stationärer Therapie. Dort hat sie ihren Ex-Freund kennengelernt, der an Depressionen und Schizophrenie leidet. Wie deutsche Medien berichten, sagte der Staatsanwalt an der Verhandlung, dass die Frau und ihr Ex-Freund in ihrem «erheblich reduzierten Selbstwertgefühl» nach Anerkennung gestrebt hätten und sich nach der Entlassung aus der Psychiatrie Horrorfilmen und blutrünstigen Fernsehserien hingegeben hätten — bis der gemeinsame Entschluss gereift sei, Serienmörder zu werden.

Auch der vorsitzende Richter kam in seinem Mord-Urteil zur gleichen Schlussfolgerung und sagte an der Verhandlung: «Angeregt von romantisierten Vorstellungen über Serienmörder und die Fernsehsendung ‹Killer-Paare› haben sie gemeinschaftlich aus Habgier gehandelt und zudem die Arg- und Wehrlosigkeit der 81-Jährigen ausgenutzt.»