Bassersdorf ZH

22. Februar 2011 08:00; Akt: 21.02.2011 23:39 Print

Ex-Rocker-Boss verurteilt

von Attila Szenogrady - Was der Bundesanwaltschaft nicht gelungen ist, hat eine Frau aus Bassersdorf erreicht. Sie hat als Opfer eines Faustschlags die Verurteilung eines früheren Kadermannes der Zürcher Hells Angels erwirkt.

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Es war am 7. Dezember 2009, als eine heute 34-jährige Frau aus Bassersdorf mit ihrem damaligen Freund ein Konzert im Hallenstadion besuchte. Nach dem Anlass wollte das Paar noch in den Ausgang und begab sich in den Zürcher Kreis 4. Dort suchte der Mann eine halbe Stunde nach Mitternacht die Toilette einer Bar auf. Seine Begleiterin wartete solange draussen auf der Strasse.

Faustschlag ins Gesicht

Fest steht, dass die Barbetreiberin und ihr Gatte, ein ehemaliger Kadermann der Zürcher Hells Angels, gar keine Freude am WC-Besucher hatten. Sie hielten ihn für einen Drogenhändler und forderten ihn auf, das Lokal zu verlassen. Ein Sicherheitsbeamter der Bar führte den vermeintlichen Dealer auf die Strasse, wo es zu einer Rangelei kam. Als die Bassersdorferin bemerkte, dass ihr Partner körperlich attackiert wurde, bekam sie Panik, griff kreischend ein und wollte ihn am Arm zurückziehen.

Laut Anklage trat nun der durch die Schreie genervte Ex-Hells Angels hinzu und schlug der Geschädigten mit seiner Faust wuchtig auf das rechte Auge. Mit der Folge, dass die Frau zu Boden fiel und einen Gesichtsschädelbruch erlitt. Um eine Schädigung des Sehnervs zu vermeiden, musste sich das Opfer einer Notoperation unterziehen und leidet heute noch unter Angstzuständen.

«Ich würde niemals eine Frau schlagen»

Die erheblich verletzte Bassersdorferin erhob Strafanzeige gegen den Ex-Rocker und identifizierte diesen klar als den fraglichen Schläger. Nicht nur bei der Staatsanwaltschaft, sondern auch im letzten Herbst vor dem Bezirksgericht Zürich. Der Angeklagte wies jedoch jegliche Schuld von sich. «Ich würde niemals eine Frau schlagen», versicherte er vor den Schranken und schob die Schuld auf eine andere, unbekannte Person ab. Diese sei hinter ihm gestanden und habe plötzlich einen Faustschlag gegen die Geschädigte ausgeführt, sagte er. Auch die Verteidigung verlangte deshalb einen vollen Freispruch.

Dem Opfer geglaubt

In seinem nun eröffneten Urteil ist das Gericht den glaubhaften Darstellungen des Opfers und damit der Anklage gefolgt. Es verurteilte den angeschuldigten Mittfünfziger wegen Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 90 Franken sowie 1 800 Franken Busse. Der Einzelrichter Hans-Jürg Zatti sprach von einer erheblichen Verwerflichkeit der Tat und stufte die Darstellungen des Beschuldigten als Schutzbehauptungen ein.

Teurer Faustschlag

Aus dem Urteil geht hervor, dass es sich beim bisher nicht vorbestraften Ex-Rocker-Boss, er ist kürzlich aus dem bekannten Motorrad-Club ausgeschieden, um einen Ersttäter handelt. Selbst die Bundesanwaltschaft konnte ihm nach der umfangreichen Strafuntersuchung aus dem Jahre 2004 nichts Strafbares nachweisen. Der Faustschlag kommt ihn nun dennoch teuer. So soll er neben der Busse von 1 800 Franken der Frau einen Schadenersatz von 483 Franken und eine Genugtuung von 3000 Franken bezahlen. Zudem eine Prozessentschädigung von weiteren 3 700 Franken. Nicht zuletzt gesellen sich die Gerichtskosten von über 2000 Franken hinzu.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • no club am 23.02.2011 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    eigenartig

    zumal der angeklagte nicht vorbestraft war.

  • Kona Russ am 22.02.2011 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Weltfremde Richter

    schon komisch, feige, allgemein gefährliche Schläger erhalten bei uns grundsätzlich bedingte Strafen und ein lächerlicher Pneustecher muss 7 Monate unbedingt ins Gefängnis. Was sind das für Richter?

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  • Budy am 22.02.2011 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wie es wirklich war, weiß man nicht

    Im Zweifel für den Angeklagten gibt es wohl nicht mehr. Ob die leicht hysterische Frau, die total überzogen reagiert hatte (wegen eines WC-Besuch), die Warheit sagt ist wohl auch fraglich. Währe der Beschuldigte ein Banker gewesen, währe er frei gekommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sam am 27.02.2011 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Abstreiten führt nicht zu "in dubio pro reo"

    Wer erlaubt sich, anhand eines 20-Minuten-Artikels ein Urteil zu bilden, so wie es die Kommentatoren hier tun? Keine Ahnung wie ein Prozess abläuft, keine Ahnung von Gesetzgebung, aber einfach mal seine Ressentiments gegen den Staat rausplärren. Da fühlt Ihr Euch super aufmüpfig, gell.

  • David am 25.02.2011 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    in dubio pro reo

    Sehr eigenartiges Urteil....aber eben, wie gewohnt. Bin auch der Meinung, wenn es ein Polizist oder "Hirschmännchen" gewesen wäre, hätte es einen Freispruch gegeben hätte.

  • no club am 23.02.2011 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    eigenartig

    zumal der angeklagte nicht vorbestraft war.

  • Budy am 22.02.2011 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wie es wirklich war, weiß man nicht

    Im Zweifel für den Angeklagten gibt es wohl nicht mehr. Ob die leicht hysterische Frau, die total überzogen reagiert hatte (wegen eines WC-Besuch), die Warheit sagt ist wohl auch fraglich. Währe der Beschuldigte ein Banker gewesen, währe er frei gekommen.

  • Kona Russ am 22.02.2011 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Weltfremde Richter

    schon komisch, feige, allgemein gefährliche Schläger erhalten bei uns grundsätzlich bedingte Strafen und ein lächerlicher Pneustecher muss 7 Monate unbedingt ins Gefängnis. Was sind das für Richter?

    • Beobachter am 22.02.2011 17:39 Report Diesen Beitrag melden

      Richter? wo?

      Richter? das hast Du recht. In Yverdon muss man Busse bezahlen wenn nach Lokalschluss im Lokal geraucht wird - was sind das für Richter?

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