Fall Bonstetten

01. April 2010 08:15; Akt: 01.04.2010 10:27 Print

Externer Gutachter nimmt Untersuchung auf

Haben die Bonstetter Behörden geschlampt? Ein externer Gutachter soll nun ausleuchten, weshalb Gustav G. Ende Februar seinen vierjährigen Sohn Florian tötete.

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Ein externer Gutachter soll genauer untersuchen, wie es zur Tötung eines Kindes in einem Winterthurer Hotelzimmer kommen konnte. Vor allem geht es darum, ob die Vormundschaftsbehörde Bonstetten angemessen auf die Gefährdung des Kindes durch seinen Vater reagierte.

Ein am Donnerstag veröffentlichter Zwischenbericht der Zürcher Justizdirektion attestiert der Gemeinde Bonstetten, sie habe die Familie mit viel Aufwand seit mehreren Jahren betreut. Am 18. Januar 2008 haben die Behörden aus einem Zeitungsbericht erfahren, dass der Mann früher schon einmal versucht hatte, einen inzwischen erwachsenen Sohn zu töten.

Kurz darauf sei der kleine Bub in einer Pflegefamilie platziert worden. Ein knappes Jahr später kam er allerdings wieder in die Obhut seines Vaters. Dieser tötete das Kind am letzten Februarwochenende dieses Jahres in einem Hotelzimmer in Winterthur.

Justizdirektor Markus Notter will nun innert vier Monaten von einem externen Gutachter einen Bericht. Genauer abgeklärt werden soll vor allem, ob die Gemeinde Bonstetten ZH einer möglichen Gefährdung des Kindes durch seinen Vater genügend Rechnung getragen habe.

Auch, ob der Vater vor der Tat in einem «emotionalen Ausnahmezustand» befand, den man hätte erkennen können und sollen, ist Gegenstand der Abklärung.

Angemessenes Verhalten abklären

Der Zwischenbericht stützt sich auf Berichte der Vormundschaftsbehörde Bonstetten und des Bezirksrats Affoltern. Aus ihnen gehe zwar hervor, dass die Behörde auf die Frage einer möglichen Gefährdung reagierte. Es lasse sich aber nicht feststellen «ob ihr Vorgehen angesichts der Situation tatsächlich angemessen war». Dies soll nun der externe Gutachter klären.

Der Zwischenbericht nennt sowohl bei Vater und Mutter Risiken: Beim Vater war es seine Vergangenheit, bei der Mutter die Möglichkeit, dass sie das Kind nach Brasilien entführen könnte - dies waren auch die gegenseitigen Vorwürfe der beiden.

Der Vater machte gemäss Bericht kein Geheimnis aus seiner Vergangenheit, sondern gab breitwillig Auskunft. Er liess zudem ein Gutachten über sich erstellen.

In einer Stellungnahme attestiert die Psychotherapeutin dem Mann eine gute Steuerungsfähigkeit auf risikorelevante Faktoren. Es gelinge ihm gut, sein Verhalten zu kontrollieren und zu steuern. Eine allfällige Gefährdung Dritter könne man naturgemäss bei niemandem ausschliessen.

Anwalt der Mutter: Gemeinde verbrüderte sich mit Vater

Der Anwalt der Mutter, Wolf Burkard, zeigte sich auf Anfrage der SDA mit dem Bericht «im Grundtenor nicht einverstanden». Er könne nicht feststellen, dass die Gemeinde sorgsam und umsichtig vorgegangen sei. Die Gemeinde habe sich klar mit dem Vater verbrüdert. Er will eine Haftungsklage gegen die Gemeinde einreichen.

Die Gemeinde Bonstetten hingegen begrüsst den Bericht, wie sie am Donnerstag mitteilte. Es habe von keiner Seite ein Signal gegeben, dass die Situation eskalieren könnte. Aus den Abläufen während der letzten Tage sei für die Vormundschaftsbehörde nirgends erkennbar gewesen, dass sich der Vater anders als in den vorausgehenden Jahren verhalten würde.

Gegen den Vater ist eine Strafuntersuchung in Gange. Der Anwalt der Mutter prüft nun, ob er Strafklage gegen den Vater erhebt, wie er weiter sagte. Die Mutter des Buben hatte nach der Tat schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde erhoben, die ihrer Ansicht nach die Situation nicht ernst genug genommen habe.

(sda)