«Schande von Zürich»

22. April 2013 18:45; Akt: 22.04.2013 18:45 Print

Fackelwurf ist vorsätzliche Körperverletzung

von Attila Szenogrady - Der militante FCZ-Fan, der eine 2000 Grad heisse Fackel in den GC-Sektor geworfen hatte, muss zwei Jahre bedingt ins Gefängnis. Das Zürcher Obergericht hat das Urteil verschärft, aber das Strafmass bestätigt.

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Der Vorfall vom 2. Oktober 2011 ging als «Schande von Zürich» durch die Presse. Damals fand ein Derby zwischen GC und FCZ im Zürcher Letzigrund-Stadion statt. Als der heute 25-jährige FCZ-Fan in der 70. Minute sah, wie einige GC-Fas mehrere FCZ-Embleme verbrannten, rastete er aus. Zusammen mit einem Komplizen vermummte er sich und rannte in Richtung GC-Ecke.

Dort warfen die beiden Männer zwei 2000 Grad heisse Fackeln in das Publikum. Ein Zuschauer wurde an der Schulter getroffen und leicht verletzt. Kurz darauf prügelten die verfeindeten Fan-Gruppen auf sich ein. Der Schiedsrichter sah sich gezwungen, das Spiel abzubrechen.

«Es wird nie wieder vorkommen»

Am Montag musste sich der Hauptbeschuldigte vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Der schwerhörige Briefträger konnte nur mit Mühe der Verhandlung folgen. Allerdings wollte er ohnehin zur Sache nichts mehr sagen.

Er erklärte lediglich, dass er sich weiterhin an sein mehrjähriges Stadionverbot halte und seinen Freundeskreis gewechselt habe. In seinem Schlusswort erklärte er, dass er sich entschuldige und versicherte: «Es wird nie wieder vorkommen.»

Milde Geldstrafe verlangt

Wesentlich mehr hatte sein Verteidiger Matthias Brunner zu berichten. Er wehrte sich gegen ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Dieses hatte den FCZ-Fan im Mai 2012 wegen Gefährdung des Lebens, versuchter einfacher Körperverletzung, Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz sowie Übertretung des zürcherischen Strafvollzugsgesetzes zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie 500 Franken Busse verurteilt.

Brunner verneinte eine Lebensgefährdung und sah lediglich mehrfach versuchte einfache Körperverletzung sowie Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz als erfüllt an. Deshalb setzte er sich für eine relativ milde und bedingte Geldstrafe von 135 Tagessätzen zu 100 Franken ein. Rechtsanwalt Brunner zerpflückte das erstinstanzliche Urteil, das auf völlig unbegründeten Spekulationen aufgebaut sei. So habe nur eine geringe Gefahr bestanden. Zudem sei es bei den betroffenen Personen zu keinen relevanten Verletzungen gekommen. Seinem Mandanten gestand er eine einmalige Entgleisung zu. «Meinem Klienten sind die Sicherungen durchgebrannt», plädierte er.

Schuldspruch verschärft, Strafe bestätigt

Das Obergericht lehnte die Anträge der Verteidigung ab und verschärfte sogar die erstinstanzliche Würdigung. So kam es beim Fackelwurf neu zu einem Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Obwohl die Staatsanwaltschaft auf eine Berufung verzichtet und die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils verlangt hatte.

Die Oberrichter kamen mehrheitlich zum Schluss, dass das Verschlechterungsverbot nur für die Strafzumessung, nicht aber bei der rechtlichen Würdigung gelte.

Schwere Verletzung in Kauf genommen

Das Obergericht zeigte sich überzeugt, dass der Beschuldigte mit seinem Fackelwurf eine schwere Verletzung eines Zuschauers in Kauf genommen hatte. «Was, wenn die Fackel nackte Haut getroffen hätte?», wollte der Gerichtsvorsitzende Stefan Volken wissen. Eine Gefährdung des Lebens schlossen die Oberrichter allerdings aus.

Nun kam es aber zu einem nicht alltäglichen Urteil. Mit der versuchten schweren Körperverletzung verdoppelte sich der Strafrahmen von fünf Jahren auf zehn Jahre Freiheitsentzug. Trotzdem blieb es bei der erstinstanzlichen Strafe von zwei Jahren bedingt. Dafür trug die Staatsanwaltschaft die Verantwortung. Sie hatte ja auf eine Berufung verzichtet.

Ein sympathischer und vernünftiger Täter

Zum Schluss zeigten sich die Oberrichter über den Tätertyp erstaunt: «Wie kommt ein so sympathischer, vernünftiger und junger Mensch dazu, solch eine Idiotie vom Stapel zu lassen», fragte sich einer der Oberrichter. Es sei auch für den FCZ nicht gut, seine Fans vor Gericht zu sehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bobo am 22.04.2013 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    bedingt

    bedingt ist eigentlich straflos, dieser täter muss auch zuerst jemanden umbringen bis etwas passiert, aber das ist heute bei uns ja die norm, bedingt macht den meisten übeltätern leider keine angst

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  • Kari am 22.04.2013 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Frage an einen Jurist / eine Juristin: Wie ist das mit dem Stadionverbot? Ist dies eine gesetzlich verankerte Sache wie z.B das Rayonverbot oder ist dies ein Verbot, welches der Verein bzw. die Liga dem Täter auferlegt? Ich frage desshalb, weil's mich interessiert, ob der Täter die 2 jahre absitzen muss, wenn er wieder im Stadion auftaucht oder nur dann, wenn er eine sonstige Straftat nach Strafgesetzbuch begeht.

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  • Pete am 22.04.2013 23:34 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder die FCZler...

    In Basel Fackeln in den Familiensektor werfen, nach dem Derby auf GC-Fans usw. usw. Die Fczler sind die Fackelwerfer Nr. 1 in der Schweiz. Und das ist einfach nur hirnlos, dumm und ziemlich erbärmlich. Dieser primitive Haufen regt mich langsam auf, als auch einer, der schon lange keine Spiele mehr besucht. Vom Diebstahl vom Riesentrikot beim Sihlcity reden wir am besten gar nicht erst... Einfach nur peinlich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jörg,23,04.13 am 23.04.2013 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Fackel,

    Ja und er hat nur ,,,,Bedingt,,,und die Geldstrafe Lachhaft. er sollte in einer Spezialklinik für Verbrennungen ein Jahr Arbeiten, Eiter und Brandwunden säubern. 5 Jahre Stadion Verbot, deshalb musss eine Ausweiskontrolle her in Stadion so sieht man am Scanner ob der was auf dem Kerbholz hat die Kontr, dient zum Wohle Aller

  • Albaner Schlieren am 23.04.2013 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ausländer

    Wen ein Albaner einen niederschlägt weil er ihn beleidigt hat, dann muss er sofort in den Knast! Und wen ein Schweizer 2000 Grad Fackeln gegen mehrere Personen wirft, ist das natürlich wieder mal nichts schlimmes.... Traurig leider!

  • Marc am 23.04.2013 00:57 Report Diesen Beitrag melden

    Klartext: Straffrei

    Bedingte Gefängnisstrafe für mehrfach versuchte Körperverletzung?!? Was ja im Endergebnis aufs gleiche kommt wie straffrei. Lächerlich. Aber typisch für die schweizer Justiz, war nichts anderes zu erwarten.

    • Ferdinando am 23.04.2013 07:18 Report Diesen Beitrag melden

      Dem Richter den Arbeitsentzug

      Richtig da haben wir den Beweis für Kuschi Kuschi Richter

    • Valnes am 23.04.2013 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts kapiert?

      Der Richter hätte eine höhere Strafe verlegt. Weil die Staatsanwaltschaft gegen das erstinstanzliche Urteil keine Berufung eingelegt hat und damit auch keine höhere Strafe verlangt hat, konnte der Richter keine höhere Strafe aussprechen. Diesmal kann der Richter nun wirklich nichts dafür. In der Schweiz gibt es halt eben Gesetze, die auch die Richter zu beachten haben.

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  • Axel Schweiss am 23.04.2013 00:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht böse gemeint ;-)

    Da im TAGI keine Kommentarfunktion aufgeschaltet ist (warum wohl), schreibe ich meine Kommentar halt bei der Konkurrenz. Danke übrigens !! Eigentlich nur mit einem Zitat aus selbiger Zeitung: "Der schwerhörige, sympathisch wirkende Briefträger konnte nur mit Mühe der Verhandlung am Obergericht folgen. Allerdings wollte er zur Sache ohnehin nichts mehr sagen." Opfer oder Täter?? FCZ oder seriöser Journalismus ?? Macht euch selber ein Bild !

  • Pete am 22.04.2013 23:34 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder die FCZler...

    In Basel Fackeln in den Familiensektor werfen, nach dem Derby auf GC-Fans usw. usw. Die Fczler sind die Fackelwerfer Nr. 1 in der Schweiz. Und das ist einfach nur hirnlos, dumm und ziemlich erbärmlich. Dieser primitive Haufen regt mich langsam auf, als auch einer, der schon lange keine Spiele mehr besucht. Vom Diebstahl vom Riesentrikot beim Sihlcity reden wir am besten gar nicht erst... Einfach nur peinlich.