Amok-Alarm an der ZHdK

04. Dezember 2014 17:07; Akt: 05.12.2014 11:04 Print

Falsch gewählte Nummer löste Polizei-Einsatz aus

Die Ursache des Amok-Alarms vom Donnerstagmorgen auf dem Toni-Areal ist geklärt. Eine irrtümlich gewählte Notfallnummer führte zum Grossaufgebot mit über 100 Polizisten.

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Der Amok-Alarm in der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) vom Donnerstagmorgen war vermutlich bloss ein simpler Telefonnummern-Verwähler: Wie die Stadtpolizei mitteilte, hat sie die Person gefunden, welche die falsche Nummer gewählt hat.

Die ZHdK und die im gleichen Gebäude eingemietete Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) haben für den Fall eines Amoklaufs eigens eine Notfallnummer eingerichtet. Wird sie gewählt, wird in den Schulen sofort Alarm ausgelöst und anschliessend dementsprechend von den Schülern und Lehrern sofort die Polizei benachrichtigt.

Nummer nur wenigen Leuten bekannt

«In unserer Sicherheitsorganisation gibt es ein Sicherheitssystem, zu dem die Notfallnummer gehört», sagt Thomas Meier, Rektor der ZHdK, auf Anfrage. «Sobald man diese wählt, wird das interne Warnsystem sofort ausgelöst und die Schüler und Dozenten werden via Lautsprecher aufgefordert, in den Zimmern zu bleiben und sich von den Fenstern fernzuhalten.»

Die Telefonnummer sei nur einem engen Kreis von Leuten bekannt, so Meier. Wenn sich aber jemand ausgerechnet auf diese Nummer verwählt, wird sofort Alarm ausgelöst, der einen Grosseinsatz von Polizei und Rettungskräften mit sich bringt, wie sich am Donnerstag zeigte.

Nach drei Stunden Entwarnung

Es klappte alles wie am Schnürchen. Die Notfallnummer klingelte kurz vor 08.45 Uhr, der Amok-Alarm ging los, gleichzeitig ging bei der Polizei die Meldung ein und diese rückte aus. Diese reagierte nach Dispositiv: Schutz und Rettung schickte Ambulanzen und einen Notfallarzt, ein Careteam wurde aufgeboten. Man nehme jeden Alarm ernst, teilte die Polizei später mit.

Polizeikräfte riegelten das riesige Gebäude auf dem Toni-Areal im Kreis 5 ab, per Lautsprecher wurden die rund 5000 Personen, die drin waren, angewiesen, sich in den Räumen einzuschliessen und dicht am Boden zu bleiben. Polizeigrenadiere in Kampfmontur wurden losgeschickt, um das Gebäude zu durchsuchen. Polizei-Detektive nahmen Ermittlungen auf. Nach gut drei Stunden gab die Polizei schliesslich Entwarnung. Die Leute konnten das Gebäude verlassen.

Verantwortlichkeiten abklären

Nun will die Schule das Sicherheitssystem überprüfen. Schon seit einer Woche sei man dabei, die Abläufe zu verbessern. «Als Sofortmassnahme wird die Nummer nun umgehend stillgelegt», sagt Meier. Ob sie tatsächlich unabsichtlich gewählt worden ist, klärt die Polizei jetzt ab.

Laut Meier müssen nun die Verantwortlichkeiten abgeklärt werden. Je nach Resultat könne das Ereignis vom Donnerstag für die einen oder anderen finanzielle Folgen haben. Der Einsatz kostet laut Polizei mehrere zehntausend Franken.

Klar sei, dass die Schule für das Sicherheitssystem als solches keine Verantwortung trage. Sie sei dagegen verantwortlich für die Sicherheitsorganisation, also dafür, was nach einem Alarm unternommen werde. Und das «ist heute sehr gut gelaufen», so Meier. «Dass nichts passiert ist, ist die beste Nachricht.»

Drei Fehlalarme in drei Wochen

Der jüngste Fehlalarm war bereits der dritte innert drei Wochen. Die beiden ersten hatten allerdings andere Auslöser. Beim ersten Mal war es eine technische Ursache, beim zweiten Mal hatte jemand aus Versehen einen Alarmknopf gedrückt.

Nach den beiden ersten Fehlalarmen sei man daran gegangen, das System zu überprüfen, sagte Meier. Der jüngste Zwischenfall «zeigt, wie nötig dies ist». Zudem war laut Polizei ein Treffen der Hochschulleitungen mit der Stadtpolizei vereinbart worden – ausgerechnet auf heute Donnerstag.

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • morax am 04.12.2014 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch gut..

    Live-Test hat bewiesen dass es funktioniert! Hoffentlich wird es künftig immer genau so ernst genommen, wenn wirklich mal was los wäre! Die Polizei hat nen guten Job gemacht - sehr gut!

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  • Kurt Tenero am 04.12.2014 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übungseinsatz

    Immer wieder gute Übung

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  • Reseph am 04.12.2014 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheitssystem überdenken

    Was ist das für ein Sicherheitssystem, wo jeder eine Nummer wählen kann und dann ohne Rückfrage ein Alarm solchen Ausmasses ausgelöst wird? Von den Kosten ganz zu schweigen. Diese müsste der "Entwickler" eines solchen "Alarmsystems" übernehmen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Leutwiler am 05.12.2014 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Möchten Sie günstiger telefonieren?

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Deutsche Klassenlotterie für den Schaden aufkommen muss. Oder ein italienischer Wein- und Olivenölhändler. Oder Primacall, ein Krankenkassenvergleichsdienst oder ein Aktienbroker aus Singapur.

  • Rafi am 05.12.2014 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    That's art, baby

    Beste Live-Performance EVER!!! Wie schön das aufzeigt wie schwachsinnig es ist die amerikanische Paranoidität zu übernehmen...eine Amok-Nummer...ich kann echt nicht mehr vor Lachen :-D

  • KULT-Urbanause am 05.12.2014 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber einmal zuviel ausrücken...

    ... als einmal zu wenig. Dass Notfallsysteme dieser Art nur im beschränkten Rahmen verbessert werden können liegt leider am Zielkonflikt zwischen einfachen Alarm den man unter Stress auch noch hinbekommt und einem möglichen Fehlalarm durch versehentliche oder absichtliche Auslösung. Ich finde es gut dass die Behörden das alles sehr ernst nehmen.

  • Jimi am 05.12.2014 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fort Knox / Staatsgeheimniss

    Hä, ist da irgendetwas wertvolles im Toniareal? Sind die Menschen da mehr wert als woanders? Warum gibt es überhaupt eine solche Nummer? Viele Fragezeichen???

    • allan am 05.12.2014 09:56 Report Diesen Beitrag melden

      ehm...

      es ist eine schule. da diese beliebte ziele für amokläufer sind, sind sie mit alarmsystem ausgestattet. wir haben zum glück keine USA-vehrältnisse, wo metalldetektoren und überwachungskameras in schulen installiert sind. aber vorsicht ist besser als nachsicht. in schulen hat man in der regel unkontrollierten ein- und austritt, nicht wie in gewerbegebäuden, wo schon allein wegen datenschutz und betriebsgeheimnis etc. alles abgeschlossen und nur via badge betretbar ist.

    • Nachgezählt am 05.12.2014 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Panikmache

      WIeviele Amokläufe gibts den pro Jahr an CH Schulen? Null oder Null?

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  • mandy am 05.12.2014 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Absicht?

    ich tippe auf jemand macht das absichtilich - entweder weil die person sich krankerweise einen spass draus macht oder damit bezweckt, dass man beim 4. oder 5. mal nicht mehr an einen notfall sondern an ein weiteren Fehlalarm denkt... die notfallnummer wurde nun ja bereits stillgelegt.

    • allan am 05.12.2014 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      aha...

      genau. einfach mal was behaupten ohne beweise oder jegliche informationsgrundlagen.

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