Streit um Auto auf Trottoir

23. Mai 2019 10:44; Akt: 23.05.2019 14:07 Print

Falschparker wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

von T. Mathis - Zwei Männer stritten sich wegen eines falsch parkierten Autos. Der 79-Jährige starb nach dem Streit. Der 55-Jährige ist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden.

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Das ist passiert

Ein Streit um ein falsch parkiertes Auto in Zürich-Schwamendingen endete im November 2017 tödlich. Ein Mann parkierte sein Auto ordnungswidrig auf dem Trottoir. Daran störte sich ein 79-Jähriger. Er wies den Mann zurecht. So kam es zur Auseinandersetzung, bei der der 55-jährige Beschuldigte mindestens dreimal gegen den Kopf des Opfers schlug. Wegen der Schläge verlor dieses den Stand und stürzte zu Boden. Der Beschuldigte trat dann mindestens einmal gegen den Rumpf des Opfers. Das Opfer verstarb noch vor Ort an Herzversagen.

So verteidigt sich der Beschuldigte

Beim Prozess am Donnerstag bestritt der 55-jährige Beschuldigte die Aussage von zwei Zeuginnen, dass er das am Boden liegende Opfer getreten habe. Auch zu den Schlägen sei es nur gekommen, weil er sich gewehrt habe. «Das Opfer hat mich mit einem Schlüsselbund angegriffen.» Er habe dann sein Gesicht mit seinen Händen geschützt und herumgefuchtelt. Dabei habe er das Opfer im Gesicht getroffen. «Es tut mir sehr leid, dass er gestorben ist.»

Der Verteidiger forderte einen vollständigen Freispruch für seinen Mandanten. Dieser habe keinen Streit gesucht. Ursache für den Konflikt sei vielmehr das übertriebene Vorgehen des Opfers gewesen, das auch bei anderer Gelegenheit gern Leute zurechtgewiesen habe. «Wegen einer Lappalie hat er dem Beschuldigten alle Schande gesagt.» Die Aussage der Zeuginnen zweifelt er an, unter anderem weil es dunkel gewesen sei und sie vom Auto aus zugeschaut hätten.

Staatsanwaltschaft forderte 11 Monate bedingt

Der Staatsanwalt dagegen sah den Sachverhalt als erstellt an, gestützt auf Zeugenaussagen und das rechtsmedizinische Gutachten. Der Beschuldigte habe die Sorgfaltspflicht verletzt. Aus Lebenserfahrung hätte er voraussehen müssen, dass die Schläge und Tritte gegen einen 79-jährigen Mann zu dessen Tod führen können. «Es gibt auch den Spruch, dass man keinen alten Menschen aufregen soll, weil er sonst noch ein Herzchriesi bekommt.» Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten.

Das Urteil des Gerichts

Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich fiel aber noch etwas höher aus. Es verurteilte den 55-jährigen Schweizer wegen fahrlässiger Tötung und einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Er hätte sehen müssen, dass es sich beim Opfer um einen alten, schmalen Mann gehandelt habe. Diesem Umstand hätte er sein Verhalten anpassen müssen, so die vorsitzende Richterin. «Er hat den Streit zwar nicht begonnen, doch erhebliche Gewalt angewendet.»