Kilchberg ZH

17. September 2015 18:46; Akt: 17.09.2015 22:17 Print

Familie widersetzt sich der Ausschaffung

Die Polizei wollte die tschetschenische Familie M. ausschaffen. Doch diese zeigte sich am Flughafen so renitent, dass das Vorhaben scheiterte – Fortsetzung folgt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als es am Donnerstag um vier Uhr morgens an der Haustüre von Familie M. in Kilchberg ZH klingelt, öffnet Markha, die älteste Tochter, die Tür. Draussen stehen rund zwölf Polizisten und erkundigen sich nach Markhas Mutter. Diese schläft, wird aber bald unsanft geweckt. Polizisten fordern die Familie auf, sofort ihre Habseligkeiten zu packen und den Minibus zu besteigen. Die Familie weiss: Der Bus wird sie an den Flughafen bringen, wo sie ein Flugzeug erwartet, das sie in ihre alte Heimat nach Tschetschenien ausschaffen soll.

Als sich die Mutter und ihre drei Kinder sträuben, ihre Sachen zu packen, beginnen die Polizisten selbst damit, alles einzusammeln und «lieblos» in Säcke zu werfen, wie Markha es beschreibt. Schliesslich geben sie nach und besteigen den Bus zum Flughafen. Dort steht schon eine kleine Maschine bereit. Markha und ihr Bruder werden in das Innere des Flugzeugs gebracht, die Mutter mit dem jüngsten Sohn, der gerade unter schwerem Fieber leidet, und die zweite Schwester legen sich auf den Boden und setzen sich heftig zur Wehr. Solange, bis die Polizisten aufgeben und die Familie wieder zurück in ihre Wohnung nach Kilchberg bringen.

Breite Unterstützung

Es ist nicht das erste Mal, dass Familie M. gegen die Behörden ankämpft. Doch so knapp wie am Donnerstagmorgen war es noch nie. Seit beinahe vier Jahren lebt die Familie nun in Kilchberg. Zuvor war sie aus Angst vor Verfolgung aus Tschetschenien geflüchtet. In der Schweiz ersuchte sie schliesslich um Asyl, das jedoch abgelehnt wurde. Die Beweggründe der Familie seien nicht gravierend genug, um den Aufenthalt in der Schweiz zu genehmigen, wie das Migrationsamt nach zwei Jahren mitteilte. Seither kämpft die Familie umd Bleiberecht.

Und sie kämpft nicht allein. Eine ganze Gruppe von Kilchbergern hat sich zusammengetan, um der Familie zu helfen. Die Tschetschenen seien mittlerweile so gut integriert, dass man auf dem Pausenhof der Kilchberger Schule gar nicht mehr erkennen könne, wer Markha und ihre Geschwister sind. Sie sprächen perfektes Hochdeutsch und teilweise auch Schweizerdeutsch, sagt Ronie Bürgin, Initiant und Freund der Familie.

Rekurs gegen die Ausschaffung

Um der Familie den Verbleib zu ermöglichen, lancierten Freunde die Website hierzuhause.ch. Dort werden die Geschichte der Familie und die politische Situation bis ins Detail geschildert. Ausserdem gibt es die Möglichkeit, die Familie mit einer Stimme zu unterstützen. Bisher haben dies rund 1500 Personen getan – jedoch ohne grosse Wirkung. Am Mittwoch noch sei beim Bundesamt für Migration zwar ein Rekurs gegen die Ausschaffung aufgegeben worden, so Bürgin. Dieser lag den Behörden in der Donnerstagnacht aber noch nicht vor.

Für die Ausschaffung zuständig ist das Migrationsamt des Kantons Zürich. Dieses bestätigte den Vorfall gegenüber 20 Minuten zuerst, zog diese Aussage später aber ohne Begründung wieder zurück und verwies auf das Staatssekretariat für Migration, wo allerdings niemand erreicht werden konnte.

(zed)