«Pflichtwidriges» Verhalten

13. Juni 2009 23:30; Akt: 14.06.2009 10:07 Print

Familienvater verblutet in Zürcher Spital

In Zürich stehen zwei Krankenschwestern des Waid-Spitals wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Sie sollen einen frischoperierten 27-jährigen Mann zu wenig überwacht haben. In der Folge starb der Mann.

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Der Vorfall ereignete sich am 4. Februar 2003 im Zürcher Stadtspital Waid. Der Mann war an diesem Tag operiert worden und musste eng überwacht werden. Vom frühen Nachmittag bis kurz vor 23 Uhr war eine damals 37-jährige Pflegefachfrau im letzten Jahr der Ausbildung für die Betreuung des Patienten zuständig. Anschliessend löste sie eine 23-jährige diplomierte Pflegefachfrau ab.

Alarmierende Werte nicht beachtet

Die wiederholten Messungen von Blutdruck und Puls ergaben bis kurz vor 20 Uhr unauffällige Resultate. Bei der nächsten Messung eine halbe Stunde später war der Blutdruck jedoch stark gesunken, der Puls deutlich schneller geworden.

Die Werte wiesen laut Anklage eindeutig auf einen Blutverlust hin. Dies hätte die fast fertig ausgebildete Pflegefachfrau wissen müssen, schreibt Regenass in der Anklageschrift.

Sie habe die Werte aber «pflichtwidrig» nicht beachtet. Weder habe sie etwas später nochmals eine Messung vorgenommen, noch habe sie eine diensttuende diplomierte Kollegin um Rat gefragt oder die zuständige Ärztin informiert.

Patientenblatt nicht recht angeschaut

Die zweite Angeklagte, eine diplomierte Pflegefachfrau, trat ihren Dienst um 22.20 Uhr an. Als erstes nahm sie am Übergaberapport teil, wo ihre Kollegin laut Anklageschrift erwähnte, der Blutdruck des frisch operierten Patienten sei «etwas tief».

Die 23-jährige Pflegefachfrau habe das Patientenblatt nicht genau studiert, schreibt Regenass. Sie habe nicht darauf geachtet, dass die letzte Messung schon über zwei Stunden zurücklag und dass die Werte auffällig waren.

Ebenso wenig habe sie sich ein genaueres Bild des Patienten gemacht, als dieser während des Rapports zweimal klingelte und als die Pflegeassistentin sie informierte, der Patient schwitze. Erst nach 23 Uhr nahm sie erstmals eine Messung vor.

Dadurch wurde laut Ankläger zu spät erkannt, dass es beim frisch Operierten zu inneren Blutungen gekommen war. Um 1.15 Uhr erlitt er einen Herzstillstand. Er konnte nicht mehr gerettet werden. Nach mehrtätigen ärztlichen Bemühungen starb er am 10. Februar 2003.

Staatsanwalt Daniel Regenass fordert bedingte Geldstrafen von 30 Tagessätzen in unterschiedlicher Höhe sowie Bussen von 2500 beziehungsweise 1200 Franken.


(sda)