Deutsche Polizei ermittelt

24. Mai 2016 15:33; Akt: 24.05.2016 15:33 Print

Fiel Zürcher Galerie auf Kunstfälscher rein?

Eine Zürcher Galerie soll ein Gemälde des wohl bekanntesten Kunstfälschers unserer Zeit verkauft haben – als Original. Unklar ist, wer es gekauft hat.

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Gemäss ersten Erkenntnissen des Berliner Landeskriminalamts (LKA) soll die Kunstgalerie Orlando im Zürcher Kreis 2 in einen Kunstfälscher-Skandal verwickelt sein. Grund der Ermittlungen des LKA ist der Verkauf des Gemäldes «Kleines kubistisches Stillleben» des französischen Künstlers Louis Marcoussis.

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«Wir können heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon sprechen, dass wir es hier mit einer Fälschung zu tun haben», sagt René Allonge, Kriminalhauptkommissar beim LKA Berlin. Die mutmassliche Fälschung soll vom deutschen «Meisterfälscher» Wolfgang Beltracchi (65) angefertigt worden sein. Erhalten habe die Galerie das besagte Gemälde im Jahr 2008. Bevor es nach Zürich vermittelt wurde, war das Gemälde in Paris für über 300'000 Euro gehandelt worden.

300 Kunstwerke gefälscht

Mit seinen Kunstfälschungen hat Beltracchi Millionen verdient. 2010 flog sein Schwindel jedoch auf. Im folgenden Jahr kassierte Beltracchi in Köln vor Gericht eine sechsjährige Haftstrafe wegen Kunstfälschung. Im Januar 2015 wurde er jedoch auf Bewährung freigelassen.

Gemäss eigenen Angaben hat Beltracchi rund 300 Kunstwerke bekannter Künstler gefälscht. Gegenstand der Verhandlungen vor dem Kölner Gericht waren jedoch nur 14 von seinen Gemälden. Laut «Spiegel» soll er allein für den Verkauf dieser Werke insgesamt 16 Millionen Euro kassiert haben.

Noch ist unklar, wer der Käufer der mutmasslichen Marcoussis-Fälschung ist. Das LKA Berlin geht davon aus, dass es sich entweder in der Schweiz oder in einem anderen europäischen Land befindet. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» wollte sich Galeristin Susanne Orlando zu dem Fall nicht äussern. Bis dato wurden in der Schweiz diesbezüglich keine Ermittlungen seitens der Polizei aufgenommen.

(rad)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Reiter am 24.05.2016 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kunstfälscher werden oftmals wie Helden gefeiert..

    Bei einem Vortrag gegen Kunstfälschungen, wird nie darauf hingewiesen, wie man sich tatsächlich gegen Fälschungen schützten kann. Dies kann in erster Linie nur der Künstler selbst machen, bzw. auch aktenkundig registrieren lassen. Erst dann hat es für die nächste Generation einen Vorteil, die Echtheit bei einer Expertise festzustellen. Ansonsten wird man diese Sachlage einer Echtheit nie im Griff und bestimmen können. Aber, man arbeitet auch bewusst dagegen Kunst absolut fälschungssicher zu machen! Ich persönlich hatte ein Gespräch mit einem Vorstandsmitglied einer der größten Versicherungsanstalten gegen Kunstfälschungen in Deutschland wo er mir sagte: Es wäre natürlich toll wenn es ein System gegen Fälschungen gebe, aber wir wollen lieber dies so beibehalten - wie es ist. Ich fragte daraufhin warum, er sagte mir im Vertrauen: Weil wir mit Expertisen von Fälschungen das ganz große Geld machen. Bei einem Original, wäre es zu eindeutig und sicher, da ist nichts mehr zu verdienen! Das große Geld wird mit Expertisen gemacht. Hier steckt ein großer Wirtschaftszweig in dieser Branche dahinter, wo jeder von Unten bis ganz Oben seine Finger im Spiel hat. Kunstfälscher werden heute oftmals wie Helden gefeiert, obwohl sie straffällig wurden und dadurch den ganzen Kunstmarkt in Zweifel und Unsicherheit bringen. Aber das nimmt man in Kauf. Die Hintermänner werden meistens nie gefasst! Meint: Fingerprint on Art

  • Andi am 24.05.2016 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fälscher ja, aber

    Auch einer der besten Maler überhaupt. Kopiert alle und nimmt ein paar Bonzen aus. Ist nicht 10% so schlimm wie Sexualstaftäter oder Gewaltverbrecher.

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  • Katarina am 24.05.2016 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ich möchte einen echten Beltracchi

    Ich habe die Filme über ihn gesehen und ich muss sagen, das ist wirklich ein Genie, ich möchte gerne einen echten Beltracchi.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Prof. Dr. Van Valsen am 25.05.2016 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte korrekt recherchieren...

    Beltracchi kopiert (fälscht) keine Originale sondern entwirft neue Sujets im Stile der jeweiligen Künstler.

    • Mona Lisa am 25.05.2016 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Prof. Dr. Van Valsen

      Schön haben Sie das gesagt Herr Prof.

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  • Michelangelo am 24.05.2016 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Die Fälschung ist original...genial...

    ...nur die Unterschrift nicht. Michelangelo geörte auch zur Gilde. Es kamen dabei keine Kleinanleger zu Schaden. Auch das BGer geht hier mit Mitleid gegenüber Sammlern sehr sparsam um. Wie wär's mit Abklärungen zur Provenace? Oder der Durchführung von Farb- und Materialanalysen etc.? Da merkt man schnell, ob die Leinwand gealtert wurde oder die Craquelures aus dem Backofen stammen. Auch unter den Galeristen gibt es Pfeifen. Man denke nur auch an die Skulpturen etwa von Maillol oder Laurens...

  • Hobby Aquarell Maler am 24.05.2016 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    250 Kuckuckseier

    Als Hobby Künstler werde ich nie erfahren, ob auch meine Bilder von ihm gefälscht worden sind, wenn noch 250 Kuckuckseier im Umlauf sind.

  • Robin Hood am 24.05.2016 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunstfälscher trifft auf Wirtschaftskriminelle

    Die meisten, die solche Beträge ausgeben für Kunst, wollen ihr Geld doch nur rein waschen von Drogen, Prostitution, Steuerhinterziehung. Die Armen trifft es nicht. Halb so schlimm.

  • PopArtist am 24.05.2016 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunst liegt im Auge des Betrachters

    Etikettenschwindel gibt es überall. Seien wir doch ehrlich : Als Konsumenten lassen wir uns von jedem Mist blenden. Ausserdem Arme hat es bei der Kunstfälschung nicht getroffen.