Kanton Zürich

20. Juli 2015 12:39; Akt: 20.07.2015 12:39 Print

Firmen suchen für August noch 1500 Lehrlinge

Einen Monat vor Lehrbeginn ist im Kanton Zürich noch jede siebte Lehrstelle unbesetzt. Für Experten ist klar: Die Ansprüche sind gestiegen.

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Im Kanton Zürich werden noch 205 angehende Coiffeusen und Coiffeure gesucht. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Im Kanton Zürich suchen diverse Unternehmen noch nach insgesamt 1500 Lehrlingen für den Lehrbeginn im August. Laut neusten Zahlen im Zürcher Lehrstellennachweis (Lena) gibt es für zahlreiche Berufe vakante Arbeitsplätze im zwei- bis dreistelligen Bereich. Besonders bei den Coiffeuren (205), Detailhändlern (185) und Restaurationsfachleuten (68) sind viele Stellen offen.

Für Christof Hasler vom Winterthurer KMU-Verband ist das nicht verwunderlich. «Berufe, die gesellschaftlich weniger Ansehen geniessen, bleiben auf der Strecke», sagt er zum «Landboten». Allgemein seien Schulabgänger wählerischer und anspruchsvoller geworden.

«Die Ansprüche sind gestiegen»

Auch Thomas Hess vom kantonalen Gewerbeverband (KGV) kann bestätigen, dass gewisse Berufszweige mit Imageproblemen zu kämpfen haben. «Heute wollen alle ins KV oder Grafiker werden, doch bei vielen reicht es wegen der Schulnoten eben nicht.» Wer dann keinen Handwerksberuf erlernen wolle, gehe halt einfach ins 10. Schuljahr.

Obwohl es bereits 2014 noch zahlreiche offene Lehrstellen gab, besuchten 19 Prozent aller Zürcher Schulabgänger das 10. Schuljahr. Dieses Jahr werden ähnliche Zahlen erwartet. Lijljana Ilic, Rektorin der Berufsvorbereitung Winterthur Profil: «Die Ansprüche der Jugendlichen sind ganz klar gestiegen.»

Im Zweifel lieber keinen Lehrling

Um dem entgegenzuwirken, werde an der Schule auch versucht, den Horizont der Jugendlichen zu erweitern. «Natürlich dürfen sie ihren Traumberuf verfolgen, aber sie sollen von Anfang an auch einen Plan B haben und bewirtschaften», so Ilic. Nach eigenen Erfahrungen sei das meistens nicht der Fall.

Nicht nur auf Seiten der Jugendlichen, sondern auch bei den Lehrbetrieben sind die Ansprüche gestiegen. Laut André Monhart, Leiter des Fachbereichs Berufsberatung beim Kanton Zürich, sind heutzutage immer mehr Kompetenzen gefragt. Im Zweifel würden Firmen deshalb lieber auf die Besetzung einer Stelle verzichten, als einen ungeeigneten Lehrling einzustellen.

(ced)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Samuel. am 20.07.2015 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MICH

    Nehmt mich Seit 3 Jahren auf der Suche nach einer Lehre. Habe Sek B und Arbeite seit 3 Jahren auf dem Bau. Egal was Einfach Lehre.

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  • Lisa am 20.07.2015 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn wunderts?

    Meine Lehre zur Coiffeuse war sehr streng. Ich habe 9.5 h am Tag gearbeitet, für Brutto 330/440/550, Umsatzbeteiligung & Überstundenzahlung habe ich nie erhalten. Und das war nur die Spitze des Eisberges. Bei solchen Verhältnissen wundert es mich nicht, dass es so viele offene Lehrstellen gibt. Ändert etwas daran, dann wird diese Lehre wieder lukrativer.

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  • DinChef am 20.07.2015 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gewinnt

    Es ist halt dasselbe wie vielfach bei der Partnersuche: Beide haben ihre Ansprüche und keiner sieht mehr seine Schwächen. Das Resultat: beide bleiben alleine, das heisst, keiner kommt ans Ziel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • clini am 21.07.2015 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wird zu viel verlangt

    Wen wunderts!?Wird auch immer mehr verlangt.Man muss schon das meiste können bevor man die Lehrstelle überhaupt bekommt. Schraubt entlich mal eure Erwartungen runter und gebt jedem der intresse zeigt und arbeiten will eine Chance.

  • Lilly am 21.07.2015 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schuld?

    Kein Wunder sind auch die Schüler anspruchsvoller geworden. Die Wirtschaft von heute möchte Master Abschlüsse!

  • ExStift am 20.07.2015 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stress für Lehrlinge

    Heute müssen angehende Lehrlinge, neben den üblichen Unterlagen noch ein Motivationsschreiben, Bewertungen der Schnupperstifte und einen völlig sinnlosen Multicheck zur Bewerbung einer Lehrstelle abgeben. Haben Sie dann ein Lehrstelle müssen Sie oftmals feststellen, dass sich im Lehrbetrieb niemand um die Ausbildung kümert und der Stift für die nächsten 3. bis 4. als billiger "Gango" benutzt wird. Ich frage mich wann das Amt für Berufsbildung und die Bildungsdirektion diese Missstände entlich anpackt und im Sinne des Lehrlinges löst. Auch Akademiker brauchen irgendwann Berufsleute!

    • Susanne am 20.07.2015 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Multicheck

      Der ist nicht sinnlos, sondern ein wichtiges Instrument, dadurch die Einschätzung zu bekommen, ob es schulisch überhaupt reicht für die Gewerbeschule. Die Zeugnisse sind gerade bei der untersten Stufe oftmals sehr nett und Berichte sagen sehr wenig aus und sind Lehrer abhängig.

    • Susanne am 20.07.2015 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Basic-Check

      Der ist nicht sinnlos, sondern ein wichtiges Instrument, dadurch die Einschätzung zu bekommen, ob es schulisch überhaupt reicht für die Gewerbeschule. Die Zeugnisse sind gerade bei der untersten Stufe oftmals sehr nett und Berichte sagen sehr wenig aus und sind Lehrer abhängig. Wer bereits für das zu bequem ist, fällt schon mal aus der Wahl. Bereits zur Schnupperlehre erwarten wir den Test oder lassen es bleiben. Was macht es für einen Sinn, dass weiterhin bei den Malern 1 Drittel bei der Lehrabschlussprüfung durchfallen? Das ist vergebene Müh und ein Anderer hätte mehr Pfupf im Hinter!

    • ExStift am 21.07.2015 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Multicheck ist sinnlos

      Multicheck ist eine sinnlose Momentaufnahme der Tagesform eines Jugendlichen und nichts weiter als Geldmacherei. Der Stellwerktest ist zwar nicht Berufsspezifisch, dafür aber objektiver und im Lehrplan der Schule integriert. 100.-- für den Multicheck pro Berufsbild geht bei 3 Kindern und jeweils 2 Berufsbilder ganz schön ins Geld!

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  • xyz am 20.07.2015 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spass

    Wichtig ist doch das jeder den job macht der zu einem passt und nicht welcher ein gutes Image hat. KV ist überhaupt nicht toll. Kann stressig sein oder langweilig. Bei einem handwerk stehen alle Türen offen. Selbständigkeit oder Auslandsaufenthalt. Man sieht ein Ergebnis und wird gelobt, sehr entscheidend Dinge für die Psyche. Sehe jeden Tag überforderte Mitarbeiter. Auch einen job zu finden ist nicht einfach.ich arbeite im KV und mache es gerne. Aber meine Botschaft: Schaut was spass mach und lernt das und wenn ihr ansehen wollt, erarbeitet es. Werdet der oder die beste in dem Handwerk setzt neue trenz und erschafft neues.

    • Momo am 20.07.2015 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Du sprichst mir aus dem Herzen

    • Scorpionne am 21.07.2015 06:48 Report Diesen Beitrag melden

      Unbrauchbares Talent

      Ich denke auch,dass man nur Erfolg hat, wenn die Arbeit Spass macht. Aber was macht man,wenn Einem nix Spass macht oder man talentfrei ist? Es gibt ja immer so Dödel,die behaupten, das gäbe es nicht. Genau Denen habe ich aber bewiesen,dass es das gibt. War x mal in meinem Leben auf Berufs-und Laufbahnberatungen. Die waren schon in Kürze mit ihrem Latein am Ende bei mir. Denn ich habe genau eine Fähigkeit und darin bin ich,laut Test's auch überdurchschnittlich gut. Nur ,der Haken ist,dass man alleine damit in diesem Bildungssystem keinen Schritt weiterkommt:-(

    • Susanne am 21.07.2015 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unbrauchbares Talent

      Heute wartet jeder auf sein Traumjob, welcher genau nach seinen Talenten und Bedürfnisse zugeschnitten ist. Kein Wunder gibt's solche, die dabei Jahre warten, bis sie merken, dass damit kein Geld zu verdienen gibt und man runter kommen muss vom hohen Ross und sich mal mit Arbeit beschäftigen muss! Bis vor wenigen Jahren wars klar, dass man einer geregelten Arbeit nachgehen muss, um seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können und nicht um seine Luftschlösser zu bauen. Viele haben nicht ihren Wunschberuf gelernt und haben trotzdem ihren guten Weg gefunden!!!

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  • Reto am 20.07.2015 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realschüler nicht als zweite Wahl anschauen

    Das Schlimme ist ja, dass alle nur die besten Sekschüler wollen. Mir als Lehrmeister wäre es egal, welchen Notenschnitt ein Schulabgänger hat. Ich würde den Menschen sehen wollen, seine Arbeit im Betrieb bewerten und schauen wer am besten ins Team passt!

    • Susanne am 21.07.2015 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Tönt gut:

      Nur, wenn ein Schnupperlehrling in allen Hauptfächern unter 4,5 ist in der untersten Schulstufe, dann wird's schwierig mit der Gewerbeschule. Sie gaben anscheinend keinen eigenen Betrieb, sonst wüssten sie, dass die schwächeren Berufe nur noch ganz schwache Schüler nehmen sollten, welche jedoch nur für eine Attest-oder Anlehr -Ausbildung fähig sind.

    • Scorpionne am 21.07.2015 13:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Susanne

      Schon mal davon gehört,dass ein sogenannt schwacher Schüler in einem wohlgesinnten Umfeld aufblühen,sich im Turbogang entwickeln und sogar vielleicht einen Gymischüler überholen könnte? Sowas ist Ihnen gänzlich fremd, nicht wahr? Denn unter ihrem Leistungsdrill und ihrer menschlichen Kälte wird bisher alles, was nicht gründlich gehirngewaschen war, eingegangen sein.

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