Luzerner Geisterfahrer

23. Dezember 2011 12:01; Akt: 23.12.2011 12:52 Print

Flucht vor der eigenen Hochzeit - drei Jahre Haft

Um seiner Hochzeit zu entkommen, raste ein Luzerner im Mai auf einer tschechischen Autobahn mit über 150 Sachen 70 Kilometer weit – als Geisterfahrer. Seiner Gefängnisstrafe dürfte er dennoch entgehen.

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Der Schweizer entschuldigt sich bei den Tschechen für seine Amok-Fahrt. (Bild: tncz)

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Drei Jahre soll ein Luzerner in Tschechien hinter Gitter. Dieses Urteil fällte am Dienstag, 20. Dezember, das Obergericht in Prag, wie «Le Matin» berichtete. Es ist die Strafe für eine Amokfahrt des Schweizers, die er betrunken und unter Drogen in der Nähe von Prag beging.

Im vergangenen Mai war er auf der tschechischen Autobahn R10 bei Prag über 70 Kilometer weit in die entgegengesetzte Richtung gerast. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometer flüchtete er vor der Polizei. Bei den Ausweichmanövern überschlugen sich zwei Autos, zwei landeten in einem Graben und eines in einem Zaun. Erst als seinem Auto der Sprit ausging, war die Geisterfahrt des Schweizers zu Ende. «Wie durch ein Wunder», so die nationalen Medien, wurde niemand verletzt.

Erstinstanzlich war das Urteil noch milder ausgefallen. Nach dem Prozess am 17. Oktober war der Luzerner aus der Haft entlassen worden. Gemäss lokalen Medien musste er eine Kaution von 400 000 Kronen (19 000 Franken) bezahlen und wurde dann freigelassen. Mittlerweile soll er das Land verlassen haben und in die Schweiz zurückgekehrt sein.

Angst und ein explosiver Cocktail

Die Fahrt des verrückten Schweizers sorgte in Tschechien für Schlagzeilen. Denn der Mann narrte nicht nur die Polizei und fuhr im Wildwest-Stil ohne anzuhalten, bis ihm das Benzin ausging, er floh auch vor seiner Hochzeit mit einer Tschechin.

Seine Angst vor der Heirat und ein explosiver Cocktail hätten ihn in einen Zustand des Wahnsinns versetzt, sagte er dazu in seinem ersten Prozess vor Gericht. «Ich nahm Medikamente (Antidepressiva) und Methamphetamin.» Diese Mischung habe ihn total paranoid gemacht. Er glaubte, man wolle ihn umbringen. Vor Gericht gab er sich reuig: «Ich möchte mich bei allen entschuldigen. Ich bin ein ehrlicher Mensch. Ich habe ein Kind, eine schwangere Freundin und ich würde niemals wissentlich ihre Zukunft gefährden.»

So lange er nicht in die Tschechische Republik zurückkehrt, muss der Luzerner den Rest seiner Strafe nicht absitzen. Die Schweiz liefert ihre Staatsangehörigen nicht aus, so das Bundesamt für Justiz.


(ann)