Nach Kritik wegen Nachtflügen

29. August 2019 04:52; Akt: 29.08.2019 04:52 Print

Flughafen will Ausbau im Geheimen verhandeln

von J. Furer/S. Ehrbar - Der Flughafen Zürich plant einen Ausbau in der Nacht. Künftig sollen solche Pläne nicht mehr öffentlich werden. Ein Politiker reagiert jetzt.

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Der Flughafen Zürich will, dass nachts mehr Flugzeuge starten. Er hat dem zuständigen Komitee für die Slot-Koordination beantragt, zwischen 22 und 22.20 Uhr sechs neue Abflüge zu bewilligen. Die Kapazität zwischen 22 und 23 Uhr würde so von 36 An- und Abflügen auf 42 steigen.

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Das Vorhaben des Flughafens sorgte bei der Fluggesellschaft Swiss für Kritik. Bevor die Nachtslots ausgebaut werden, solle der Flughafen dafür sorgen, den Betrieb pünktlicher zu machen. Auch der Pilotenverband Aeropers übte Kritik. Thomas Hardegger, SP-Nationalrat und Präsident des Schutzverbands Zürich Flughafen, prangerte zudem die erhöhte Lärmbelastung der Bevölkerung an.

Nicht für Öffentlichkeit bestimmt

Die in die Diskussion um den Ausbau involvierten Personen reagieren nun auf die Kritik. Sie machen künftig Diskussionen über solche und ähnliche Anträge nicht mehr öffentlich, wie es bis jetzt der Fall war. Bis anhin wurden die Protokolle des zuständigen Komitees der Slot Coordination Switzerland der Öffentlichkeit auf deren Internetseite zugänglich gemacht. Damit soll nun Schluss sein.

Die Begründung: Bei den Protokollen handle es sich um interne Protokolle, die für einen Kreis von Fachspezialisten bestimmt seien. «Nach neuerlicher Prüfung wurde klar, dass diese fälschlicherweise auf der Website publiziert waren», sagt Philipp Bircher, Sprecher des Flughafen Zürich.

Ergebnisse könnten nachgefragt werden

Die Website sei «nicht der angemessene Ort», um interne Fachdokumente zu publizieren beziehungsweise unter den an der Diskussion Beteiligten auszutauschen. «Die Diskussionen werden im Kreise der Spezialisten geführt und sind für die beteiligten Sitzungsteilnehmer, nicht aber für die Öffentlichkeit bestimmt», so Bircher weiter.

Die Ergebnisse des Austauschs, also allfällige Veränderungen bei den Slots, könnten aber jederzeit bei der Slot Coordination in Erfahrung gebracht werden.

Versprechen gebrochen

Das Vorgehen des Flughafens stösst SP-Nationalrat Thomas Hardegger sauer auf. «Offensichtlich wollen der Flughafen und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) die Slot-Vergabe vor der Öffentlichkeit geheim halten», sagt er. Dabei sei sie vergleichbar mit dem Fahrplanverfahren bei Bus und Bahn. «Ein Fahrplanentwurf wird öffentlich aufgelegt und alle Interessierten können Stellung beziehen.»

Hardegger sagt: «Die Öffentlichkeit hat ein Anrecht darauf, zu wissen, wie die Bewilligungsbehörde des Flugplanes, das Bazl, mit der Aufsicht über die Einhaltung der Betriebszeiten umgeht.» Würden noch mehr Slots vergeben, würde die Verspätungssituation noch schlechter – entgegen allen Versprechungen, die gegenüber der Bevölkerung ausgesprochen worden seien.

Täglich Flüge während Nachtsperre

«Der Flughafen hat in der Vergangenheit die Vergabe von so vielen Slots beantragt, dass bei der Abwicklung der Starts und Landungen die ordentlichen Betriebszeiten nie eingehalten werden können», sagt Hardegger. Täglich würden während der Nachtsperre Flüge durchgeführt

Kritische Worte teilt der SP-Nationalrat und Präsident des Schutzverbands Zürich Flughafen nicht nur wegen des Lärms und der Verspätungen aus, sondern auch wegen des Kommunikationsverhaltens des Flughafens.

Sitzungen mit Protokollen abgeschafft

Der Schutzverband habe schon bei der Erteilung von Ausnahmebewilligungen von Nachtflügen die gleiche Erfahrung gemacht. «Der Öffentlichkeitsbeauftragte des Bundes bestätigte uns das Recht auf Einsicht in die Protokolle der Aufsicht, weil sie hoheitlich handle. In der Folge wurden Sitzungen mit Protokollen abgeschafft», so Hardegger.

Er werde nun politisch aktiv: «Ich werde in der Herbstsession einen Vorstoss einreichen, der Transparenz bei Flugplanverfahren und bei der Genehmigung von Ausnahmebewilligungen verlangt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B.Vetter am 29.08.2019 05:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachtflüge

    Passt ja super immer mehr Flüge und Null CO2 Ausstoss. Komm gar nicht mehr aus dem Staunen.

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  • Fred am 29.08.2019 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unlogisch

    Die Süddeutschen jammern über den Fluglärm. Und von wo aus fliegen sie in die Ferien? Von Kloten. Konsequenterweise müssten die jetzt von München oder Frankfurt aus fliegen!

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  • Werner am 29.08.2019 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oeffentlichkeitsgesetz

    Wieso, es gilt ja das Oeffentlichkeitsprinzip nachdem Oeffentlichkeitsgesetz.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Irena Bürge-Puderka am 30.08.2019 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Flughafen Ausbau

    Herr Hardegger hat recht! Das Kommunikationsverhaltens des Flughafen ist nicht akzeptabel. Unsere Steuergelder beanspruchen, diverse Gebühren einkassieren und nicht weitergeben, aber mit Betroffenen nicht kommunizieren! Und das stimmt auch; den ganzen Sommer wurde Teils bis 2 Uhr nachts gestartet. Jeder , der im Hallenstadion aufgetreten ist, will noch schnell nach Hause fliegen.

  • Garlic am 30.08.2019 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Lärm nervt

    Lärm nervt, besonders der Bahnlärm tief in der Nacht! Wann gibts endlich eine Nachfahrverbot für die Bahn so wie bei den Lastwagen und beim Flughafen? Was macht die Lärmliga gegen den Bahnlärm??

  • Wisdom am 30.08.2019 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Fluglärm ist 100% vermeidbar

    Es ist Zeit in neue Technologien zu investieren sofern es diese nicht längst schon gibt.

  • Warum Nicht am 29.08.2019 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    24/24?

    Einigen wir Uns auf 24Std an 24 Tagen im Monat. In den Monaten mit 31 Tagen wäre dies jeweils vom 1-24. der Fall. Ausgenommen der August, der als Kompensationsmonat gilt. In den Monaten mit 30 Tagen vom 4-27. Bleibt noch der umstrittene Februar. Im Februar wird jeweils während 16 Tagen geflogen. Die restlichen Tage werden in den Kompensationsmonat übertragen, sofern 3 (Drei) Tage vor und nach dem Kompensationstag kein Sonn- oder Feiertag war/sein wird. Sollte dies widererwarten der Fall sein, so werden die Kompensationstage auf die restlichen Monate aufgeteilt. Wie, wird von einem Ausschuss en

  • Spezli am 29.08.2019 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profitieren aber jammern!

    Es ist schon seltsam! Dr Flughafen ist in den 50 er Jahren gebaut worden! Seither hat es sehr viele dazu bewogen in Flughafen Nähe günstig Land zu erwerben um ein Eigenheim zu bauen, im Bewusstsein das in unmittelbarer Nähe der Flughafen steht. Genau diese Zeitgenossen haben heute die übelsten Tricks Behinderungspolitik zu betreiben! Die 5er und Wegglipolitik funktioniert halt einfach nicht! Zudem ist Der Flughafen heute immer noch ein potenzieller Arbeitgeber!!