Mehr Lärm?

20. Mai 2019 04:52; Akt: 20.05.2019 04:52 Print

Flughafen will gegen Willen der Swiss mehr Nachtflüge

von Stefan Ehrbar - Der Flughafen Zürich plant einen Kapazitätsausbau in der Nacht. Die Swiss kritisiert den Plan – und ein Politiker will ihn verhindern.

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Der Flughafen Zürich eilt von Rekord zu Rekord. 2,6 Prozent mehr Passagiere nutzten ihn in den ersten vier Monaten des Jahres im Vergleich zur Vorjahresperiode. Nun will der Flughafen einen Ausbau. Nachts sollen mehr Flugzeuge starten. Der Flughafen hat dem zuständigen Komitee für die Slot-Koordination im April beantragt, zwischen 22 und 22.20 Uhr sechs neue Abflüge zu bewilligen. Die Kapazität zwischen 22 und 23 Uhr würde so von 36 An- und Abflügen auf 42 steigen.

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Dabei hatte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) im Juli 2018 den Flughafen noch gerügt: Zwischen 22 und 24 Uhr komme es zu «teilweise erheblichen Überschreitungen der zulässigen Lärmbelastung». Damit diese nach 22 Uhr nicht weiter ansteigt, verbot das Bazl dem Flughafen die Vergabe neuer Landungen ab 21 Uhr und Starts ab 22.20 Uhr (siehe Box).

«Erst pünktlicher werden»

Während der Flughafen, die Germania, der Verband Swiss Business Aviation und die Vereinigung B.A.R., in der auch ausländische Airlines vertreten sind, dem Ausbau zustimmten, legte die Swiss ihr Veto ein.

Damit dürfte sie zwar auch ihre eigene Stellung verteidigen, könnten neue Slots doch an Mitbewerber gehen. Die Airline stelle sich aber nicht gegen eine «moderate Entwicklung entsprechend der Nachfrage», sagt Sprecherin Karin Müller. Es gehe darum, erst einmal den Betrieb pünktlicher zu machen. «Wir sind der Meinung, dass zusätzliche Kapazitäten, die etwa durch bauliche Massnahmen und Optimierungen entstehen, vorerst zur nachhaltigen Stabilisierung des Betriebs genutzt werden sollen», sagt Müller. «Die Sommermonate 2018 zeigten klar, dass der Luftraum und die Flughäfen in Europa am Limit sind und mit dem weiterhin steigenden Mobilitätsbedürfnis nicht mithalten können.» Letztes Jahr hatten etwa 20 Prozent der Abflüge von Zürich eine Verspätung von einer Viertelstunde oder mehr.

Mehr Verspätungen ab 23 Uhr?

Das schlägt sich in der Lärmbelastung nieder. Eigentlich gilt in Zürich ein Nachtflugverbot ab 23 Uhr. Bis 23.30 Uhr dürfen Verspätungen aber bewilligungsfrei abgebaut werden. Der Betriebsschluss um 23 Uhr werde denn auch fast nie eingehalten, sagt Thomas Hardegger, SP-Nationalrat und Präsident des Schutzverbands Zürich Flughafen. «2017 war das gerade einmal an zwei Tagen der Fall.» Zusätzliche Bewegungen dürften nicht bewilligt werden, bis der Betriebsschluss um 23 Uhr der Normalfall sei. «Der Flughafen soll zuerst den Tatbeweis erbringen, dass er die Regeln ernst nimmt, bevor er die Kapazitäten erhöht», so Hardegger.

Der Flughafen glaubt hingegen, dass die sechs zusätzlichen Starts keinen Einfluss auf die Pünktlichkeit haben. «Aufgrund unserer Analysen gehen wir davon aus, dass es ausserhalb der Wellenspitzen möglich ist, diese Flüge verspätungsfrei abzuwickeln», sagt Sprecherin Sonja Zöchling. Der Flughafen habe kein Interesse daran, zusätzliche Verspätungen zu generieren.

Flughafen blitzt mit Idee ab

«Es besteht eine zusätzliche Nachfrage nach interkontinentalen Verbindungen», sagt sie. Ein Aufbau in den Zeiten mit den meisten Flügen sei nicht mehr möglich. Ausserhalb gebe es aber noch «freie Kapazität für eine moderate Entwicklung». Der Flughafen halte sich an die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Er scheiterte allerdings bei den Airline-Vertretern mit seiner Idee, die sechs neuen Starts für Langstreckenflüge mit mindestens 5000 Kilometern zu reservieren. Ob die neuen Slots nun an Kurzstreckenflüge gehen, ist unklar. Der Flughafen könne keine Stellung nehmen, weil ein Entscheid noch ausstehe, so Zöchling.

Für Thomas Hardegger wäre die Regel kein Trost. «Langstreckenflüge erzeugen mehr Lärm und provozieren weitere Zubringerflüge», sagt er. Kurzstreckenflugzeuge stiegen schneller und seien lärmgünstiger – «aber immer noch lärmig genug, dass ihre Zahl nach 22 Uhr nicht zunehmen darf».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flieger am 20.05.2019 05:12 Report Diesen Beitrag melden

    Fast nicht mehr lustig, fliegen

    Dann sollten aber die Autovermieter auch länger offen haben, vorallem bei all' diese Verspätungen.

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  • Art am 20.05.2019 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Wie war es mit dem Klimaschutz? Sind wir nicht mehr in Gefahr? Oder können wir schon auf dem Mars leben?

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  • Fliege in die Ferien am 20.05.2019 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Günstig Wohnen

    wie war es vor über 30ig Jahren: billiges Land kaufen und billiger Bauen, Subventionen vom Flughafen "Piken" sowie die Flieger am Himmel geniessen. Heute, alles ist nicht mehr gut, aber der Flughafen gibt leider KEINE "Kohle" mehr. Jetzt pfeift die Mehrheit so wie die "Grünen" und hofft dass sie was bekommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Viel Billigflieger am 21.05.2019 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schnäppchenjäger

    Cool... ich hoffe sehr das der 24h Betrieb kommt und die Flugpreise noch billiger werden. Ich fliege immer wenns billig ist! Bin 2019 schon 32 mal geflogen. Z.b. Bei Easyjet konnte ich schon für 7.80CHF nach Kopenhagen fliegen. Runter mit denn Preisen

  • Locher A. am 20.05.2019 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stehe voll dahinter..

    Na hoffentlich endlich! Wenn schon "Internationaler Flughafen ", dann bitte voll und ganz!! Es ist ein FLUGHAFEN herrgott noch mal und kein Krämlerladen!

    • Roberto Gloor am 20.05.2019 23:27 Report Diesen Beitrag melden

      Flughafen Zürich ist gescheitert.

      Kloten ist als internationaler Flughafen langsam am Ende. Sein Pistensystem ist eine Fehlkonstruktion, die Schikanen Deutschland geben ihm dazu noch den Rest. Am besten in Payerne einen neuen Flughafen mit Parallelpisten bauen und mit Hyperloops an die Städte anbinden.

    • Susanne H. am 21.05.2019 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      Frau

      Schikanen aus Deutschland? Und wo bitte ziehen die Flüge ihre großen Warteschleifen für den Anflug auf Zürich?? Zum Teile bis zu 1 Std und mehr, - über dem Südschwarzwald in äußerst niedriger Höhe !! Also, was soll das?

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  • Gru2606 am 20.05.2019 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Anwohner die...

    Alle Anwohner die wegen dem Lärm motzen : Ihr habt es gewusst, wolltet billiger kaufen (Ja, es ist definitiv billiger als zB am Zürisee wo man auch Anflüge hat, haben wir aber gewusst und leben damit, auch mit dem Zug in der Nähe) und jetzt gibt es Gemotze. Der Flughafen ist ein grosser Arbeitgeber und hat immer höhere Passagierzahlen und es ist schon merkwürdig wie sehr hier alle gegen den Lärm motzen und es geht natürlich nie jemand mit dem Flieger in den Urlaub. Es nervt. Schaut euch doch die Wohngegend an bevor man hinzieht..

  • Peter am 20.05.2019 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Folter

    Was niemand kapiert. 1-10 Flieger im Tag die Lärm machen ok, aber alle 3 Minuten ist Folter...

  • markus e. am 20.05.2019 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arme Schweiz

    Ein Haus neben einer Kläranlage bauen, dann aber dessen Betreiber verklagen, weil es stinkt. Neben einer Kirche einziehen und dann die Gemeinde veklagen, weil die Glocken leuten. Aufs Land ziehen um aus der Enge der Stadt zu flüchten, Natur ind Wiesen haben, aber danach den Bauern verklagen, weil er die Kühe mit der Glocke auf die Weide lässt. Neben einer Schule einziehen, dann diese verklagen, weil die Kinder zu laut sind. Dies ist die Schweiz. Eine arme, arme, arme Schweiz.

    • Susanne H. am 21.05.2019 15:43 Report Diesen Beitrag melden

      arme Schweiz

      Dies ist kein reines Schweizer Problem. Das hat etwas mit unseren "Wohlstands Ländern" zu tun"! Gehen Sie in ärmere Länder, dort gibt es die erwähnten Probleme so gut wie gar nicht!

    • Danke am 21.05.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susanne H.

      Ja sicher ist nicht mehr mein Problem

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