04. April 2005 15:09; Akt: 04.04.2005 15:11 Print

Fluglärm: «Solidair» statt «Relief»

Bürgerliche Kreise aus den Bezirken Bülach und Dielsdorf bekämpfen das Projekt «Relief» für den Flughafen Zürich.

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Mit ihrer Alternative «Solidair» fordern sie ein Betriebskonzept, das sich am Zustand vor Einschränkung der Nordanflüge orientiert.

«Solidair» will, dass bis 2010 «das topografisch ideale und historisch gewachsene Betriebskonzept» des Flughafens Zürich reaktiviert wird. Dabei sollen auch neue Anflugverfahren angewendet werden. Zur Diskussion steht vor allem der gekröpfte Nordanflug.

Trotzdem würden Süd- und erweiterte Ostanflüge unumgänglich sein, erklärte «Solidair»-Projektleiter Ulrich Wydler bei der Präsentation des Positionspapiers am Montag. In der politischen Diskussion dürfe keine Himmelsrichtung ausgeklammert werden.

Gegen Ausbau von Pisten

Andere Forderungen von «Solidair» sind der Verzicht auf jegliche Pistenausbauten, die Neuberechnung der Lärmbelastung am Wochenende und zu sensiblen Tageszeiten sowie Rechts- und Planungssicherheit für die Grundeigentümer und Gemeinden in der Flughafenregion.

Im Weiteren soll ein «lärm- und schadstoffneutrales Wachstum» des Flughafens Zürich auf der Basis der Flugbewegungen im Jahr 2000 von rund 350 000 möglich sein. Und für die Nachtruhe werden sieben Stunden vorgeschlagen (23 bis 6 Uhr).

«Solidair» ist ein Wortspiel aus «solides Konzept», «Airport Unique» und «solidarische Strategie». Hinter der so genannten Alternative zu «Relief» stehen die FDP und SVP sowie die Gewerbeverbände der Bezirke Bülach und Dielsdorf.

Austritte aus Unique-VR gefordert

«Solidair»-Projektleiter Wydler kritisierte, dass das Projekt «Relief» des Regierungsrats Unsicherheit und Misstrauen ausgelöst habe und damit die Entwicklung der Flughafenregion blockiere. Zudem drohe eine politische Nord-Süd-Spaltung des Kantons Zürich.

Die Kommunikation mit der Bevölkerung müsse verbessert und die Glaubwürdigkeit der Kantonsregierung zurückgewonnen werden. Aus diesem Grund sollten die Mitglieder des Regierungsrats aus dem Verwaltungsrat der Flughafenbetreiberin Unique austreten.

Lobbying auf allen Ebenen

Die bürgerlichen Kreise um «Solidair» wollen auf allen Ebenen der Flughafenplanung für ihre Anliegen werben. Geplant sind unter anderem Vorstösse im Zürcher Kantonsparlament, Gespräche mit nationalen Parlamentariern sowie mit Exponenten des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL), etwa im Hinblick auf den SIL-Prozess.

Ausserdem sind Gespräche mit Interessengruppen rund um den Flughafen Zürich geplant, so auch mit dem Flughafen-Schutzverband, der vor ein paar Wochen ein Rotationsprinzip mit wechselnden Ruhephasen als Grundlage eines neues Betriebskonzepts präsentierte. Wydler erklärte, dass eine Integration des Rotationsprinzips in das «Solidair»-Konzept durchaus denkbar sei.

(sda)