Dampfzug

21. Februar 2016 02:26; Akt: 22.02.2016 14:09 Print

Fonduefahrt endet mit Unfall und 16 Verletzten

Zuerst gab es Fondue, dann krachte es: Bei einer Oldtimerfahrt prallte ein Dampfzug in Sihlbrugg ZH in ein Baustellenfahrzeug. Dieses war offenbar am falschen Ort abgestellt.

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Gewaltige Dellen zeugen von der Wucht des Aufpralls. Die Puffer verbogen, das Blech stark eingedrückt. Wesentlich intakter hingegen scheint die Front des Dampftriebwagens zu sein. Wie es zum Unglück kam, wird abgeklärt. Der Schachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf 500'000 Franken. Die Plattform bei der Türe des beschädigten Nostalgiezugs. Die Rigi-Fonduefahrt endete mit insgesamt 16 verletzten Personen, darunter zwei Lokführer. «Der hohe Sachschaden ist entstanden, weil sich der Personenwagen durch den Aufprall über die zwei Pufferteller des Dampftriebwagens hinweg in dessen Hinterteil geschoben hat», vermutet Fritz Bernhauser, ein ehemaliger Mitarbeiter des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich. «Mit einer Dampflokomotive zu fahren, ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art», sagt Marianne Christen (44). Sie ist Nostalgiebahn-Liebhaberin aus tiefstem Herzen und Mitglied des Vereins Zürcher Museums-Bahn. Die Fachstelle für Unfalluntersuchung wird sich der Sache annehmen. Die Schäden am Wagen sind beträchtlich. Der beschädigte Nostalgiezug bei Sihlbrugg Station. Über den ganzen Boden verteilt liegt Kohle - der Führerstand ist verrusst. Mit diesem Schotterwagen prallte der Nostalgiezug zusammen. An den Puffertellern des Schotterwagens ... ... sind bei näherer Betrachtung die grünen Lackrückstände des Nostalgiezugs zu erkennen. Kurz nach 23 Uhr prallte der grüne Nostalgiezug in den abgestellen Schotterwagen. (20. Februar 2016) Mehrere Rettungskräfte aus mehreren Kantonen wurden aufgeboten. Zudem waren Spezialisten der SBB und des Vereins der Dampfbahn vor Ort. Infolge des Aufpralls entgleiste der Personenwagen. Wegen des Bahnunfalls und den Aufräumarbeiten kam es zu Zugsverspätungen.

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Mit dem historischen Dampftriebwagen CZm 1/2 31 des Vereins Dampfgruppe Zürich plus einem nostalgischen, von der Zürcher Museumsbahn angemieteten Wagon fuhr eine rund 50-köpfige Reisegruppe am Samstagvormittag von Zürich-Hauptbahnhof nach Arth-Goldau.

Dort wechselte die Gesellschaft auf einen historischen Dampfzug der Rigibahn. Ihr Ziel: Rigi-Kulm. Auf dem höchsten Punkt der Königin der Berge warteten ein Apéro und das Käsefondue – die Rigi-Fonduefahrt ist ein Klassiker im Vereinsleben.

Auf der Rückfahrt kurz nach 23 Uhr passierte es: Nachdem der Nostalgie-Zug beim Bahnhof Sihlbrugg ZH einen «Tankstopp» für Wasser eingelegt hatte, prallte er beim Ausfahren in einen abgestellten Schotterwagen.

Eine halbe Million Sachschaden

Zum Glück war der Oldtimer laut einem Sprecher der Kantonspolizei Zürich nur «sehr langsam» unterwegs. Dennoch wurden beim Aufprall wurden insgesamt 16 Personen verletzt; darunter zwei Lokomotivführer. Zwei Personen wurden mittelschwer verletzt, 40 kamen mit dem Schrecken davon.

Einige der Verletzten konnten das Spital bereits wieder verlassen. Die Rettungskräfte waren mit einem Grossaufgebot vor Ort. Den Sachschaden schätzt der Polizeisprecher auf rund eine halbe Million Franken.

Lokführer machten keinen Fehler

Für ganz genaue Aussagen zur Unfallursache sei es zwar noch zu früh, sagte Christoph Kupper, Bereichsleiter Bahnen und Schiffe bei der Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST), gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Noch seien Befragungen zu führen.

Fest stehe jedoch mittlerweile, dass die beiden Lokomotivführer des Dampfzuges keinen Fehler gemacht und grünes Licht gehabt hätten. Hingegen sei der Schotterwagen an einem falschen Ort abgestellt worden und habe dadurch die freie Fahrt des Zuges behindert.

Bei der SUST geht man davon aus, dass Mitte Woche gesicherte Erkenntnisse vorliegen; beispielsweise darüber, weshalb der Schotterwagen am falschen Ort stand. Bis der Schlussbericht erscheint, können noch Monate vergehen.

Grosse Betroffenheit bei Bahn-Freunden

Zumindest für den hohen Sachschaden hat Fritz Bernhauser, der am Sonntagmittag am Unfallort war, eine mögliche Erklärung: «Dieser ist entstanden, weil sich der Personenwagen durch den Aufprall über die zwei Pufferteller des Dampftriebwagens hinweg in dessen Hinterteil geschoben hat.» Der 70-Jährige war 18 Jahre lang Mitarbeiter des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich und ist nach eigenen Angaben in Bahnen vernarrt.

Auch Marianne Christen (44) und ihr Freund Peter Vollmer (63) sind Nostalgie-Bahn-Liebhaber aus tiefstem Herzen: «Mit einer Dampflokomotive zu fahren ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art.» Die beiden waren zwar nicht auf der Fonduefahrt dabei, sie besichtigten den beschädigten Zug am Sonntag aber aus Betroffenheit. Für Vollmer ist der Schaden am Dampftriebwagen besonders schmerzlich: «An diesem habe ich selbst schon einmal zu Reparaturzwecken Hand angelegt.»

Als Folge des Unfalls war die Strecke zwischen Zug und Thalwil ab dem späten Samstagabend nur beschränkt befahrbar. Es kam zu Verspätungen von rund 20 Minuten.

Private Fahrten in Randzeiten

Laut SBB sind private Vereine mit ihren Zügen vor allem in Randzeiten und am Wochenende auf dem Netz der SBB unterwegs. Besitzen die Vereine eine Betriebsbewilligung vom Bundesamt für Verkehr, können sie bei der SBB Fahrten buchen.

«Es wird dann ein Fahrplan ausgearbeitet», sage SBB-Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage der sda. Im vorliegenden Fall sei diesbezüglich alles in Ordnung gewesen.

Der Nostalgiezug vor dem Unfall:

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(chi/rad/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto M. am 21.02.2016 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit gewährleistet

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie rasch sogenannte "Experten" ihre Kommentare abgeben ohne die Sachlage zu kennen. Meines Wissens werden auch sog. Nostalgiefahrten unter Berücksichtigung aller Sicherheitsvorschriften durchgeführt und Unfälle sind glücklicherweise sehr selten. Einen grossen Dank an alle Mitarbeitenden des ÖV, welche sich in ihrer Freizeit für die Erhaltung nostalgischer Fahrzeuge einsetzen.

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  • karin am 21.02.2016 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Besserung an alle verunfallten

    erst möchte ich wieder mal allen feuerwehr und Rettungsdienst Leuten herzlich Danke sagen. Denn die sind Tag und Nacht für uns alle da. Und allen die im Zug saßen ganz gute Besserung. Zum Glück ist doch nicht noch mehr passiert.

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  • Adi am 21.02.2016 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kommentarfunktion

    Es ist ja schon bedenklich, dass für ein solches Ereignis eine Kommentarfunktion aufgeschaltet wird. Verkehrte Welt/bzw. Medien. Allen gute Besserung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • W. Alter am 21.02.2016 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück im Unglück

    Schade, dass ein so schöner Tag so enden muss. Ich wünsche allen Verletzten gute Genesung und dem Verein trotzdem viel Elan die havarierte Dampflock wieder fahrtüchtig her zu stellen!

  • Rolando am 21.02.2016 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine schöne Bescherung

    Ich hoffe nur, keiner der betroffenen Fahrgäste hat sich am heissen Fondue verbrannt. Gute besserung an alle schockierten und verletzten

    • Sugus-ch am 21.02.2016 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolando

      Das Fondue war längsten schon gegessen, den das gab es auf der Fahr zu Rigi.

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  • Heiri am 21.02.2016 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Experten , suuuuper

    Reto M, man muss wirklich kein Experte sein um festzustellen dass die zusmmengeknallt sind. Warum ist meist nebensaechlich. Wir können den naechsten Unfall ja nicht aufhalten. Wir sind ja nicht Experten.

  • J.C. am 21.02.2016 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unikat

    Zuerst einmal beste Genesungswünsche an alle Personen, welche durch dieses Ereignis zu schaden kamen. Man muss bedenken, dass es von diesem Dampftriebwagen nur ein einziges Exemplar gibt. Ich finde es äusserst schade, dass mit solch historischem Rollmaterial so leichtfertig umgegangen und meines Erachtens zu oft und auf langen Distanzen eingesetzt wird. Besser wäre zum Beispiel ein sicherer Platz im Verkehrshaus Luzern oder eine abgesperrte Strecke welche eigens für solche Fahrten vorgesehen ist siehe Bauma-Bäretswil.

    • LiZi am 21.02.2016 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @J.C.

      Rundfahrten ums Verkehrshaus herum sind nicht lustig und der Platz dazu fehlt auch.

    • Sugus-ch am 21.02.2016 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @J.C.

      Ein Fahrzeug, egal ob Zug oder Auto, das in einem Museum steht ist "Tod" Die Fahrzeuge sollen solange es geht in Betrieb bleiben.

    • Mithelfer am 21.02.2016 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @J.C.

      Die Museumsbahner im Zürcher - Oberland hatten auch schon Zwischenfälle.

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  • K. der Pendler am 21.02.2016 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständnis

    Ich bin erstraunt zu hören, dass auf dieser strategisch wichtigen Strecke augenblicklich noch Extrafahrten ausgeführt werden dürfen. Die Pendler mussten/müssen auf dieser Strecke Opfer erbringen, und dies hauptsächlich am Wochenende (bis Montagvormittag), wegen Zugsannulierungen. Vergessen wir nicht, dass hier komplizierten Bauarbeiten im immer noch eingleisigen Tunnel vorangetrieben werden. Darum die nötigen Zusammenstellungen der Bauzugskompositionen. Wenn trotzdem Extrafahrten ausgeführt werden müssen, sollten diese unter den gegebenen Umständen bis zum Ende der Arbeiten umgeleitet werde

    • No Body am 21.02.2016 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @K. der Pendler

      kleine Frage was verstehst du unter kompliziert ??? Da ist nichts komploziert es wird ja nur der Schotter ,Schinen und Schwellen gewechselt.

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