Foodsharing

19. September 2018 09:33; Akt: 20.09.2018 08:48 Print

In Zürich gibt es 700 Lebensmittel-Retter

Freiwillige sammeln in Zürich täglich Essen, das sonst im Abfall landet. Das sei auch gut für das Arbeitsklima in den Betrieben.

Peter Tönnies, Botschafter von Foodsharing Schweiz, erzählt, was man als Foodsaver beachten muss. (Video: Thomas Mathis)
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Es ist kurz nach 19 Uhr. Die Türen der beliebten Zürcher Bäckerei John Baker am Helvetiaplatz werden abgeschlossen. Hinter der Theke hat es noch Dutzende übrig gebliebene Brote. Jetzt kommen die Foodsaver zum Einsatz. Die freiwilligen Lebensmittel-Retter kommen vorbei, sammeln die unverkauften Backwaren ein und sorgen dafür, dass sie zu einer besseren Verwendung kommen, als im Abfall zu landen.

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Koordiniert wird diese Initiative von der Umweltschutzorganisation Foodsharing Zürich. Rund 700 Foodsaver stehen bereit, um täglich bei etwa 40 Betrieben in der Stadt vorbeizugehen und Lebensmittel gratis abzuholen, die eigentlich für den Abfall bestimmt sind. Damit dürfen sie grundsätzlich machen, was sie wollen.

Es gibt öffentlich zugängliche Verteilkästen

Nur zwei Regeln gibt es: Es ist verboten, die Waren zu verkaufen –und sie dürfen auf keinen Fall weggeworfen werden. Das sei zum Teil eine Herausforderung. «Foodsaver müssen alle bereitgestellten Lebensmittel mitnehmen», sagt Peter Tönnies, Botschafter von Foodsharing Schweiz. Da könne es sein, dass man den Laden auch mal mit vier vollgestopften Transporttaschen verlasse.

«In Zürich kämpfen wir ab und zu mit grossen Massen an Brot», so der 32-Jährige, der zu Hause einen grossen Tiefkühler hat, in dem er viel Brot lagern kann. Neben den öffentlich zugänglichen Verteilkästen am Sihlquai und an der Kernstrasse sei ein gutes Netzwerk deshalb unabdingbar, um die Waren zu verteilen. «Ich kenne viele Nachbarn und grosse WGs, die spontan viel abnehmen können.»

«Leute zögern, Essen anzunehmen»

Auch auf dem Weg nach Hause versuche er stets, Teile der Lebensmittel zu verschenken. Das sei aber gar nicht so einfach: «Viele Leute haben gelernt, kein Essen von Fremden auf der Strasse anzunehmen. Sie zögern deshalb zuerst.» Erkläre man ihnen aber, worum es gehe, griffen sie meist gern zu. Das mache besonders viel Freude. «Man macht etwas gegen die Verschwendung von Essen und kann gleichzeitig auch anderen eine Freude machen.»

Der grösste Teil der Zürcher Foodsaver sind Studenten, die zeitlich flexibel sind und auch tagsüber Essen abholen können. Alle von ihnen besitzen einen entsprechenden Ausweis und haben drei kurze Trainings absolviert, damit sie wissen, wie man sich richtig verhält. Das sei bereits beim Einpacken im Laden von Bedeutung: «Nicht überall dürfen Mitarbeiter die Lebensmittel mit nach Hause nehmen. Wir versuchen deshalb, uns aus Respekt nicht überschwänglich über feine Lebensmittel zu freuen.»

«Angestellte freuen sich»

Bei den meisten Firmen seien die Mitarbeiter aber froh, wenn die Lebensmittel-Retter vorbeikämen, weil sie dann die Lebensmittel nicht selber wegwerfen müssten. «Das ist gut für das Arbeitsklima, weil kaum jemand gern Essen wegwirft», sagt Tönnies. Das sei einer der Vorteile für die Unternehmen. Ein weiterer Vorteil für sie sei, dass keine Gebühren für die Entsorgung anfallen. «Der grösste Vorteil aber ist, dass wir beratend zur Seite stehen und versuchen, an einer der grössten Umweltproblematiken zu arbeiten.»

Foodsharing gibt es in Zürich seit rund vier Jahren. In dieser Zeit hat man auch viele Firmen beraten. «Sie wollen etwas gegen die Verschwendung machen, aber oft ist es kaum möglich, bis am Abend alle Lebensmittel zu verkaufen.» Da könne Foodsharing helfen. Und wenn einmal keine Lebensmittel zum Abholen bereitstehen: «Das ist unser Ziel – deshalb freuen wir uns darüber.»

In Zürich gibt es 700 Lebensmittel-Retter

(T. Mathis)