Gerichtsurteil

09. Juni 2015 21:47; Akt: 10.06.2015 09:36 Print

Frau schröpft UBS – und wird freigesprochen

Eine frühere UBS-Direktionssekretärin hat mit einer ihr anvertrauten Kreditkarte innert zehn Jahren über eine Million Franken veruntreut. Trotzdem wird sie nicht bestraft.

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Unbemerkt: Eine UBS-Angestellte hat über eine Million Franken veruntreut. (Bild: Keystone)

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Am Schluss der Verhandlung vor dem Berzirksgericht Zürich flossen bei der heutigen 51-jährigen Frau die Freudentränen. Die Beschuldigte wurde vom Vorwurf der Veruntreuung mangels Beweisen umfassend freigesprochen.

Dabei schienen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft klar zu sein. So hatte die langjährige UBS-Direktionssekretärin eine ihr anvertraute Kreditkarte der Grossbank zwischen Juni 2000 bis zu ihrer Entlassung im Oktober 2010 immer wieder für private Zwecke eingesetzt.

Die Anklageschrift listete detailliert auf, wie die Schweizerin auf grossem Fuss lebte und für Kleider, Schmuck, Schönheitsoperationen oder kostspielige Luxusferien das Geld verprasste. Allein einen Aufenthalt in einem Tessiner Hotel in Ascona liess sie sich auf Kosten der UBS über 11'000 Franken kosten. Im Januar 2009 reiste sie für über 18'000 Franken herum. Als sie im Herbst 2010 aufflog, hatte sie bereits über eine Million Franken ausgegeben.

Drei Jahre teilbedingt gefordert

Die beschuldigte Frau lebt heute gemäss ihren Angaben in relativ bescheidenen Verhältnissen in London und beteuerte vor Gericht ihre Unschuld. Sie sei damals bei der UBS «Mädchen für alles» gewesen und habe lediglich der Firmen-Philosophie nachgelebt, führte sie aus. Die Kartenbezüge seien ein Mix aus geschäftlichen und privaten Besorgungen gewesen. «Ich kam mir nicht kriminell vor», versicherte sie vor Gericht.

Der Staatsanwalt sah das anders und lastete der Beschuldigten aufgrund der hohen Deliktsumme ein «eher schweres Verschulden» an. Sie habe das Vertrauen ihres Arbeitgebers schamlos ausgenutzt und habe aus finanziellen Beweggründen gehandelt: «Sie wollte einfach nicht auf Luxus verzichten», erklärte der Ankläger. Er forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen mehrfacher Veruntreuung. Sechs Monate davon sollte sie verbüssen.

Die Kritik an der Firmenkultur

Der Verteidiger verlangte dagegen einen vollen Freispruch und kritisierte die UBS-Firmenkultur, die unehrliches Verhalten begünstigt habe. Der Fisch fange beim Kopf an zu stinken, stellte er fest. Die Beschuldigte müsse auch aus rechtlichen Gründen freigesprochen werden. So habe die Grossbank das Gebaren der Beschuldigten stillschweigend akzeptiert. Sie habe die Bezüge der Sekretärin als geschäftliche Ausgaben zugestanden.

Das Gericht folgte zum Schluss der Verteidigung. Es sei schlicht nicht erwiesen, dass die Benutzung der Kreditkarte zweckwidrig erfolgt sei. Die Anklage habe es verpasst, die Nutzungsregelungen lückenlos darzulegen, erklärte der Vorsitzende des Gerichts.

Kein Verdacht der Vorgesetzten

Auffällig sei, dass die teilweise unbestritten privaten Nutzungen der Karte über zehn Jahre lang von fünf verschiedenen Vorgesetzten nicht beanstandet worden seien. Im Gegenteil: Die Limiten der Karte seien in dieser Zeit zwei Mal von 10'000 Franken zuerst auf 20'000 Franken und dann auf 25'000 Franken erhöht worden. «Die UBS muss sich entgegenhalten lassen, dass sie die Bezüge im strafrechtlichen Sinn genehmigt hatte», erklärte der Richter.

Mit dem Freispruch wurden der ehemaligen Direktionssekretärin eine Entschädigung für die anwaltliche Vertretung von 33'000 Franken und eine Reiseentschädigung von 1800 Franken zugesprochen. Die UBS wurde mit ihren finanziellen Forderungen auf den Zivilweg verwiesen. Die Staatsanwaltschaft könnte die Anklage an das Obergericht weiterziehen.

(fal/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Qsi am 09.06.2015 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wie hoch ist die Dunkelziffer?

    Na, wenn eine Direktionssekretärin schon unbemerkt 1 Mio. abzwacken kann, dann möchte ich nicht wissen, um wieviel sich die Direktoren und Vice Präsidenten bereichert haben - und von denen gibt es in dieser Bank fast mehr als Sekretärinnen;-)

  • Karin K. am 09.06.2015 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Will ich auch!

    Super!!! Ich will auch eine Firmenkreditkarte für private und halt auch - wenn es unbedingt sein muss - für geschäftliche Zwecke.

  • The one am 09.06.2015 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Frauen - Keine Straftaten

    Es gibt doch fanatische Forderungen, dass wenn der Frauenanteil höher ist in den Firmen, die Welt eine bessere wäre. Man liest aber in den letzten Jahren vermehrt von Frauen in höheren Positionen, die keinen Deut besser sind als ihre männlichen Pendants. Vielleicht sollten wir mal wieder lernen, dass der Mann nicht der Teufel und die Frau der Engel ist. Es ist keine Geschlechterfrage, sondern eine Individuelle.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eri am 10.06.2015 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Freispruch ist...

    ...mehr als ungerecht. Hat doch diese feine Dame eine Million Franken veruntreut. Als Direktionssekretärin erhielt sie sicher ein schönes Salär. Wie sie sagte war sie Mädchen für alles - vermutlich auch für die intimsten Wünsche der Herren auf der Teppichetage, dass sie die Frechheit besass, sich ohne schlechtes Gewissen dermassen zu bereichern. Und genau diese Herren stellten ihr den besten Anwalt zur Seite und wie man weiss, sind Richter auch nicht das, was sie einmal waren. Ein Fehlurteil sondergleichen und sowas nennt man immer noch eine riesen Sauerei!

  • Kollektivgesellschafter am 10.06.2015 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontokorrentüberzug

    Aber mir hatte die UBS als KMU die Überziehungslimite von CHF 50'000.-- des Kontokorrents gestrichen, obschon ich diese gar nie beansprucht hatte. Es hätte ja sein können, dass meine Firma einmal Konkurs gemacht hätte, und die UBS dann einige hundert Franken verloren hätte. Oder noch schlimmer, ich hätte die Limite vorübergehend gebrauchen können um noch mehr Personal zu beschäftigen. Ja so hilft die UBS immer wieder dem Kleingewerbe. Einfach eine tolle Schweizer Bank.

  • Banker a.D. am 10.06.2015 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich und beschämend für UBS

    Die Frau muss logischer Weise bestraft werden. Mal wieder ein lächerlicher Gerichtsentscheid. Aber die UBS beweist einmal mehr, dass sie ihre Compliance/Kontrollmechanismen nicht im Griff hat und den Verlust mit verantwortet. Als ex-Banker weiss ich, dass so etwas ausschliesslich auf höherem Direktionsniveau geschehen kann. Da stinkt der Fisch! Die Vorgesetzten haben wahrscheinlich auch nicht mit dem Kopf gedacht. Wahrscheinlich sieht die gute Frau hübsch aus und hat mit grösster Sicherheit auch ein überdurchschnittliches Gehalt bezogen. Soviel noch zum Thema "die Frauen verdienen zu wenig".

  • Claudio am 10.06.2015 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    werden die nicht kontrolliert?

    ich weiss ja nicht wie die das abbbuchen können? Was haben die denn für einen Steuerkomissär? Habe einen kleinen Betrieb, aber muss ganz genau die Spesen begründen. Finde es unverschämt, dass bei den Grossen grosszügig über alles hinweg gesehen wird.

  • ruedi am 10.06.2015 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    tja....

    Und wenn man bedenkt, dass man als Direktionssekretärin eigentlich nichts können muss ausser vielleicht ein bisschen gut aussehen und erst noch zwischen 8 -12 Tausend im Monat 'verdient', dann wundert es einen schon, dass man den Rachen nicht voll kriegen kann.....